Immobilienmarkt Deutschland So hat Corona die Karten neu gemischt

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Nachhaltiges Einkaufsverhalten, die Konzentration auf frische und regionale Produkte sowie höhere Kundenansprüche an die Aufenthaltsqualität sorgen dafür, dass nicht mehr alle Flächen die Anforderungen der Händler erfüllen können. Vor einem Erwerb muss daher unbedingt geprüft werden, ob das Objekt über den nächsten Mietzyklus hinaus marktgängig ist.

Key Fact: Spitzenrendite im ersten Halbjahr 2021: 3,7 Prozent. Risiko-Rendite-Einschätzung: Gut

Einzelhandel (Non-Food)
Der stationäre deutsche Einzelhandel hat sich während der Corona-Pandemie sehr unterschiedlich entwickelt. Während einige Branchen wie der Heimwerkerbedarf weiterhin robust sind, geraten andere ins Straucheln. Die Folgen der langen Schließungsphasen seit 2020 werden beispielsweise bei Textilhändlern durch die Abwanderung ins Online-Segment noch verstärkt. Fachmarktzentren mit starkem Ankermieter verhalten sich weiterhin stabil. Shopping-Center hingegen befinden sich aktuell häufiger unter Druck. Für Investoren deren Renditeerwartungen bei vergleichsweise großem Ausfallrisiko ein hohes Niveau erreichen, also Value-Add-Investoren, könnte mit einem entsprechenden Nach- oder Umnutzungskonzept daher gerade jetzt die Stunde für einen Markteintritt geschlagen haben.

Key Fact: Spitzenrendite ersten Halbjahr 2021 bis zu 6,0 Prozent (Shopping Center). Risiko-Rendite-Einschätzung: Ausreichend

Hotel
Die deutsche Hotellerie war durch die Lockdowns besonders stark betroffen. Entsprechend herrschte 2020 für eine kurze Zeit eine Schockstarre auf dem Markt. Inzwischen hat sich jedoch gezeigt, dass vor allem Ferien- und Budget-Hotels wieder deutlich stärker nachgefragt werden. Dies hat gute Gründe. Schließlich sind die wichtigsten Megatrends wie beispielsweise Urlaub im eigenen Land oder das flexible Hinzubuchen von Zusatzangeboten nach wie vor intakt. Als Alternative zu Neubauprojekten bietet sich für Investoren die Revitalisierung und Neupositionierung von veralteten inhabergeführten Objekten an.

Key Fact: Spitzenrendite im ersten Halbjahr 2021: 4,2 Prozent. Risiko-Rendite-Einschätzung: Befriedigend

Pflege- und Gesundheit
Die deutsche Gesellschaft altert – und der Bedarf nach adäquater Versorgung und Pflege ist enorm. Dies gilt für stationäre Pflegeheime genauso wie für Betreutes Wohnen mit ambulanten Pflegeangeboten. Daher verwundert es nicht, dass Gesundheitsimmobilien in den vergangenen Jahren vom Nischensegment zur etablierten Assetklasse wurden. Weitere Marktdynamik erfährt das Segment dadurch, dass vor allem internationale Investoren immer häufiger deutsche Healthcare- und Senior Living-Portfolios erwerben.

Key Fact: Spitzenrendite ersten Halbjahr 2021: 3,7 Prozent. Risiko-Rendite-Einschätzung: Sehr gut

Logistik und Industrie
Spätestens seit Beginn der Pandemie führte auch für Online-Skeptiker kein Weg mehr am E-Commerce vorbei. Mit steigenden Umsatzzahlen wächst jedoch der Flächenbedarf für die entsprechenden Logistikunternehmen kontinuierlich. Dies bezieht sich vor allem auf stadtnahe Logistikflächen, unter anderem in Gewerbeparks, die für die Versorgung der Innenstädte unerlässlich sind.


Auch großformatige Big-Box-Lösungen als Zentral- oder Regionallager sind gefragt. Hinzu kommt, dass sich auch im Produktionsbereich die internationalen Lieferketten weiter ausdifferenzieren und die Vor-Ort-Produktion immer weiter an Relevanz gewinnt. Dies erhöht die Flächennachfrage zusätzlich. Doch ähnlich wie beim Büro wird auch für Logistikimmobilien die Frage der Klimabilanz immer wichtiger.

Spitzenrendite im ersten Halbjahr 2021: 3,4 Prozent. Risiko-Rendite-Einschätzung: Sehr gut

Über die Autoren:
Marc Sahling ist Geschäftsführer der Wohn- und Gewerbeimmobilienagentur Dr. Lübke und Kelber, die auch Transaktionen berät. Vor dieser Zeit war er unter anderem bei Conwert Deutschland und genaralbevollmächtiger Geschäftsführer bei der Gagfah Gruppe, die mittlerweile zur Vonovia gehört.

Steffen Schaack ist ebenfalls Geschäftsführer bei Dr. Lübke und Kelber. Vorher hatte er verantwortungsvolle Aufgaben unter anderem beim Datenraumanbieter Drooms, dem Softwareentwickler Flowfact und bei der Weberbank.