Schwellenländer sind anders Von minus 63 bis plus 1.000 Prozent

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Verschiedene Tempi allerorten

Höchst unterschiedlich entwickeln sich nicht nur die einzelnen Firmen, sondern auch ihre jeweiligen Heimatländer. Auch dies ist ein gewichtiges Argument für einen aktiven Managementansatz. Auch wenn sie oft über einen Kamm geschert werden, bewegen sich die Emerging Markets nicht unbedingt im Gleichlauf.

Viele Anleger agieren zwar so, als ob sich verändernde wirtschaftliche Bedingungen wie die Entwicklung des US-Dollars, Schwankungen bei den Rohstoffpreisen oder Handelskonflikte auf alle Emerging Markets und ihre Unternehmen in gleicher Weise auswirken. Doch das ist nicht der Fall. Emerging Markets sind stärker von den jeweiligen lokalen wirtschaftlichen Bedingungen beeinflusst und weniger durch globale makroökonomische Trends als es die entwickelten Märkte sind. Tatsächlich erwirtschaften Unternehmen in den Emerging Markets etwa 71 Prozent ihrer Umsätze im jeweiligen Binnenmarkt. Bei Firmen in entwickelten Ländern liegt diese Quote bei lediglich 34 Prozent.

Pfutsch ist die Diversifikation

Demgegenüber gibt es auch in den Emerging Markets große, global aufgestellte Konzerne, die auf makroökonomische Ereignisse wie ein Unternehmen aus den entwickelten Märkten reagieren. Ausgerechnet diese Schwergewichte dominieren wegen ihres höheren Börsenwerts die großen Schwellenländer-Indizes. Wer also passiv in solche Indizes investiert, der büßt eben die Diversifizierungsvorteile ein, die er mit einem Investment in Emerging Markets eigentlich erzielen will. Aktive Portfoliomanager können hingegen im Rahmen ihres Risikomanagements das Engagement in solchen Unternehmen selektiv erhöhen, verringern oder ganz vermeiden.

Einigen gelingt das besonders gut: Das oberste Quartil der aktiven Manager hat in den vergangenen Jahren in jeder Marktphase Überrenditen gegenüber dem MSCI Emerging Markets Index zwischen 2 und 4 Prozent erzielt. Abwärtsbewegungen hingegen nahmen die Manager des besten Quartils hingegen nicht vollständig mit, sondern nur zu Werten von um und teils deutlich unter 90 Prozent. Selbst das zweitbeste Quartil kann in diesem Zeitraum noch stetige Überrenditen vorweisen und hat zugleich die Abwärtsbewegungen nur zu Werten von um und unter 95 Prozent mitgenommen. Schon das kann auf lange Sicht einen großen Unterschied ausmachen.

Bei all dem sollten Investoren vor Augen haben, dass sich die Emerging Markets stetig und sehr dynamisch weiterentwickeln. Wie stark, das zeigt auch die Zusammensetzung der Indizes, die sich im Laufe der Jahre stark verändert hat. Entwicklungsländer, die stark von Rohstoffen und Energie abhängig und stark den Währungsschwankungen ausgesetzt sind, dominierten früher die aufstrebenden Märkte. Im Jahr 2007 standen die „alten“ Sektoren wie Energie-, Rohstoff-, Telekommunikations- und Industrieunternehmen für mehr als die Hälfte des MSCI Emerging Markets, während verbrauchernahe Unternehmen weniger stark vertreten waren.

Heute haben sich die Dinge geändert: Die Gewichtung von verbraucherbezogenen Unternehmen hat sich in den vergangenen 12 Jahren mehr als verdoppelt, und auch die Informationstechnologie hat massiv an Bedeutung gewonnen.

Im Blick nach vorn mögen es Sektoren anderer Unternehmen sein, die besonders erfolgreich sind. Der Index wird dies erst im Nachhinein erkennen lassen. Aktive Manager können nach den vielversprechendsten, wachstumsstärksten oder auch nach den risikoärmsten Unternehmen schon heute suchen. In der Vergangenheit waren sie dabei sichtbar erfolgreich.


Über die Autorin:
Patricia Ribeiro ist Senior-Portfoliomanager für Emerging-Markets-Strategien bei der Fondsgesellschaft American Century Investments. Bevor sie dorthin im Jahre 2006 wechselte, leitete sie unter anderem das Research-Team Lateinamerika bei der Citigroup im Asset Management und bei J.P. Morgan Investment Management.