Quintet-Niederlassung Merck Finck verliert Vorstand Thomas Rodermann und drei Standortleiter

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Merck Finck verliert Vorstand Thomas Rodermann und drei Standortleiter
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Schriftzug der Privatbank Merck Finck am Standort Düsseldorf

Schriftzug der Privatbank Merck Finck am Standort Düsseldorf: Die Quintet-Tochter hat mehrere Abgänge zu verkraften. Foto: imago images/Michael Gstettenbauer

Vorstand weg, Abgänge mehrerer Führungskräfte und Berater: Zum Jahresbeginn ist bei Quintet Merck Finck viel Bewegung drin. Wie die Privatbank auf Anfrage des private banking magazins bestätigte, hat Vorstand Thomas Rodermann das Unternehmen zum Jahresende 2022 verlassen. Rodermann war Mitglied des Vorstands der Quintet Private Bank, der luxemburgischen Muttergesellschaft von Merck Finck. In dieser Funktion war der frühere Deutschland-Chef der UBS als Geschäftsführer für das Europageschäft (CEO Europe) sowie für das deutsche Kundengeschäft verantwortlich.

Rodermann zog im März 2020 in die Gruppenleitung von Quintet ein. Seine Aufgabe lag vor allem in der Zusammenführung und Integration der europäischen Tochterbanken in die Unternehmenseinheit Quintet Europe. Aus Unternehmenskreisen hieß es: Weil dieses Projekt nun abgeschlossen sei, habe Rodermann seinen Abschied beschlossen. Die jeweiligen Länderchefs sollen jetzt direkt an Gruppenchef Chris Allen berichten.

Thomas Rodermann hat Merck Finck verlassen.
Thomas Rodermann hat Merck
Finck verlassen. © Merck Finck

Rodermann ist jedoch nicht der einzige Abgang bei der Privatbank. Ebenfalls auf Anfrage dieses Mediums bestätigte ein Bank-Sprecher, dass mit Stefan Ludwig, Stefan Schüssler sowie Guido Singer drei Standortleiter und langjährige Merck-Finck-Banker bei der deutschen Quintet-Niederlassung ausscheiden.

Merck Finck: Standortleiter Hamburg, Stuttgart und Rotweil weg

Singers Zeit bei Merck Finck dauerte mehr als 17 Jahre: Ab 2005 baute er für die Privatbank eine neue Niederlassung im baden-württembergischen Rottweil auf, die er bis zuletzt leitete. Zuvor hatte er bei der Commerzbank das Schüssler hatte im Oktober 2016 die Leitung der Niederlassung in Stuttgart übernommen und war bereits seit 2005 als Vermögensberater bei Merck Finck tätig. Andreas Knauer, der bislang bereits das Beraterteam und Wealth Management an dem Standort leitete, wird nach Schüsslers Ausscheiden die alleinige Verantwortung für den Stuttgarter Standort haben.

Ludwig wechselte 2013 als Kundenberater von Berenberg zum Hamburger Merck-Finck-Standort. Nach zweieinhalb Jahren an der Münchener Niederlassung kehrte er im Januar 2019 als Leiter der Niederlassungen Hamburg und Berlin in den Norden zurück. Dort leitete bis zuletzt den Hamburger Standort, an dem zudem vier Mitarbeitende ihren Abschied verkündet haben, die dieser Redaktion namentlich bekannt sind.

Hohe Fluktuation bei Mitarbeitern? Merck Finck verweist auf allgemeinen Wettbewerb

Eine ungewöhnliche Häufung von Abgängen sieht Quintet Merck Finck darin nicht. Ein Bank-Sprecher teilt auf Anfrage mit: „Derzeit beobachten wir eine hohe Dynamik auf dem Private-Banking-Arbeitsmarkt. Ausgezeichnete Berater, Spezialisten und Talente sind stark gefragt – auch wir suchen kompetente und hochqualifizierte Berater zur Verstärkung unserer Teams. In diesem Zusammenhang verzeichnen wir Abgänge, wie auch Zugänge.“

 

 

Doch bereits im August hatten Insider gegenüber diesem Medium von einer „toxischen Arbeitsatmosphäre“ in der Privatbank berichtet, was zu einer erhöhten Fluktuation bei Mitarbeitern geführt habe. Mehrere Abgänge waren der Redaktion namentlich bekannt. Schon damals hatte die Bank auf einen generell herrschenden Wettbewerb um „erstklassige Berater und Spezialisten“ sowie „viel Bewegung im Markt“ bewiesen. Merck Finck scheint von diesen Bewegungen auch im neuen Jahr in besonderem Maße betroffen zu sein.

2021 gab Quintet das Geschäft in der Schweiz auf

Anfang 2021 wurde die 1870 gegründete Münchener Privatbank Merck Finck in der Muttergesellschaft der luxemburgischen Quintet Private Bank verschmolzen und gemeinsam mit weiteren europäischen Tochtergesellschaften in der Unternehmenseinheit Quintet Europe zusammengeführt. Quintet ist seit 2012 im Besitz der Holding Precision Capital, die von der Familie des katarischen Scheichs Hamad ibn Dschasim ibn Dschabr Al Thani kontrolliert wird.

Im Oktober 2021 hatte Quintet ihre Schweizer Niederlassung aufgegeben, die erst 2020 ihre Geschäftstätigkeit aufgenommen hatte. Mit einem Beraterteam, von dem die Hälfte bereits bei der übernommenen Bank am Bellevue tätig war, wollte sich Quintet im umkämpften Schweizer Markt positionieren. Nach hohen Anlaufverlusten und weil der Erfolg offenbar nicht schnell genug einkehrte, wurde das Geschäft an dem Standort mit rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern schließlich runtergefahren.

Ihre Präsenz hat die Bank auch in der deutschen Hauptstadt aufgegeben: Im August war bekanntgeworden, dass das Berliner Büro zum Jahresende 2022 geschlossen werden sollte.