Unzufriedene Mitarbeiter Häufen sich die Kündigungen und Abgänge bei Merck Finck Quintet?

Merck Finck a Quintet Private Bank Filiale in Düsseldorf

Schieflage bei Merck Finck a Quintet Private Bank? Was sagt das Unternehmen zu den Gerüchten, dass die Stimmung innerhalb der Privatbank vergiftet ist? Foto: Imago / Michael Gstettenbauer

„Das Klima ist absolut toxisch“, so berichten gut informierte Quellen über die Arbeitsatmosphäre bei Merck Finck a Quintet Private Bank gegenüber dem private banking magazin. Diese subjektive Einschätzung hat Folgen: Nicht nur Entlassungen seitens der Bank, auch Kündigungen der Mitarbeiter hätten sich in den vergangenen Monaten gehäuft, besonders von Leistungsträgern. Mehrere Abänge sind der Redaktion namentlich bekannt.

Mehrfach hören wir Bezüge auf den „Tinder-Falle“-Artikel auf Finanz-Szene aus dem Sommer 2020. Der Titel sei hart, aber treffend. Damals sammelte Finanz-Szene diverse Meldungen zu Kündigungen und Abgängen ganzer Teams. Dass die deutsche Niederlassung der Quintet Private Bank noch immer davon betroffen sei, könne man auch zwei Jahre später bestätigen. Ruhe ist laut der Informanten nicht eingekehrt.

Laut Bank-Sprecherin keine ungewöhnlich hohe Fluktuation

So haben nach Insider-Berichten beispielsweise am Hamburger Standort in den letzten Monaten gleich mehrere Mitarbeiter gekündigt. Das Team wird von Stefan Ludwig verantwortet, der auch die Berliner Niederlassung leitet, die ab Jahresende auf ihr Büro verzichten wird. Das private banking magazin hat berichtet.

 

 

Aus Sicht der Bank selbst stellt sich die Situation jedoch ganz anders dar. Auf die Frage des private banking magazins nach Gründen für die erhöhte Fluktuation, antwortet eine Sprecherin der Bank: „Aktuell sehen wir sehr viel Bewegung im Markt und erstklassige Berater und Spezialisten sind stark gefragt – auch wir suchen kompetente und qualifizierte Berater und Verstärkung für unsere Teams.“  Weder würden ungewöhnlich viele Talente die Bank verlassen, noch sei das Klima toxisch. 

Die Information, dass von den Abgängen ganze Bereiche oder Teams der Bank betroffen sind, kann die Sprecherin ebenfalls nicht bestätigen: „Im Rahmen [der Bewegung im Markt] verzeichnen wir einzelne Abgänge, wie auch Zugänge, die sich nicht auf bestimmte Standorte oder Funktionen konzentrieren.“

„Mobbing und Hetze werden seit Jahren toleriert“

Auch auf den Arbeitgeber-Bewertungsportalen Kununu und Glassdoor gibt es neben negativen Bewertungen ebenso zufriedene Mitarbeiter. Auf Kununu wird die Bank mit 3,2 von fünf Sternen bewertet, auf Glassdoor mit 2,8. Das liegt zwar unter dem Durchschnitt für Banken, ist aber nicht ungewöhnlich niedrig für eine Privatbank.

So unterschiedlich die Bewertungen sind, ein Wort taucht immer wieder auf: toxisch. So bemängelt eine Ex-Führungskraft im Mai 2022 das „toxische Arbeitsumfeld für Leistungsträger“. Die Arbeitsatmosphäre bewertet sie mit einem Stern: „Mobbing und Hetze gegen Führungskräfte und Leistungsträger werden seit Jahren toleriert [...]“

Dass das ein altbekanntes Problem ist, zeigt eine Bewertung aus dem Jahr 2018. Ein Münchner Mitarbeiter schreibt: „Klima der Angst und Ungewissheit. Es wurde in den letzten Jahren wild aussortiert, dazu haben von sich aus Leistungsträger die Bank verlassen.“

Was in den Bewertungen auf Glassdoor und Kununu häufig kritisiert wird, ist das Festhalten an alten Arbeitsmustern. Hinzu komme die mangelhafte Kommunikation. Zusätzlich wird das fehlende Umweltbewusstsein angeprangert. Ein Vertriebler aus Hamburg fasst es mit den Worten: „Nach außen nachhaltig, nach innen Kapselkaffee und keine Mülltrennung“, zusammen.

„Quintet ist eine Qualitätsverbesserung“

Und manchmal verraten auch die vermeintlich positiven Punkte, wie unzufrieden Mitarbeiter sind. So liest man in der Kategorie „Gut am Arbeitgeber finde ich“ Kommentare wie: „Der Kaffee ist umsonst. [...]“oder „[...] Gehalt kam immer pünktlich“.

Aber nicht alle Angestellten teilen die Kritik an der Bank. Einige loben sogar die Übernahme durch Quintet. So schrieb ein Vertriebsmitarbeiter aus dem Hamburger Team im April 2021: „Sehr angenehme Arbeitsatmosphäre, junges und erfahrenes Team, gute Mischung der Fähigkeiten. [Ich] gehe mit Freude in das Büro beziehungsweise Homeoffice. Auch innerhalb des Hauses [habe ich] nichts zu beanstanden. Europa/Quintet ist eine Qualitätsverbesserung.“