Hoffnung auf höhere Beratungsqualität Brüssel erwägt Verbot der Provisionsberatung

EU-Finanzmarktkommissarin  Mairead McGuinness und Bundesfinanzminister Christian Lindner treffen sich im Bundesfinanzministerium der Finanzen.

EU-Finanzmarktkommissarin Mairead McGuinness und Bundesfinanzminister Christian Lindner treffen sich im Bundesfinanzministerium der Finanzen. Ob sie sich beim Thema Provisionsverbot ebenfalls mit Faustgruß einigen, ist fraglich. Foto: Imago / Phototek

In Brüssel ist die Diskussion um die Provisionsberatung wieder aufgekommen. In einem Brief an den Europaabgeordneten Markus Ferber (CSU) spricht sich EU-Finanzmarktkommissarin Mairead McGuinness für eine Reform der Anlageberatung aus. Das berichtet die „Börsenzeitung“, der der Brief vorliegt. Die EU-Kommission werde ihre Vorschläge zur Provisionsberatung im Frühjahr vorlegen, im Rahmen ihrer Retail-Investment-Strategie.

Hintergrund des Briefes sei, dass sozialdemokratische Abgeordnete des EU-Parlaments ein Verbot der Provisionsberatung in das laufende Gesetzgebungsverfahren zu Mifid beziehungsweise Mifir integrieren wollten. Dagegen hätten Ferber und mehrere Verbände der Finanzwirtschaft protestiert.

Banken müssten Geschäftsmodell an Provisionsverbot anpassen

In ihrem Antwortschreiben an Ferber räumt McGuiness nach Angaben der Börsenzeitung ein, dass Banken in Folge eines Provisionsverbots ihre Geschäftsmodelle ändern müssten, das würde sie jedoch nicht daran hindern, weiterhin Gewinne zu erzielen. Die Kosten, die entstehen, um das Filialnetz zu finanzieren, sollten nicht von Kleinanlegern getragen werden.

Diese Kundengruppe zahle bereits jetzt für die Beratung, in Form höherer Produktkosten. Diese würden laut Studien im Schnitt rund ein Drittel höher liegen. Daher sollte auch die Honorarberatung für Kleinanleger zu „erschwinglichen Gebühren“ möglich sein.

Finanzbranche warnt vor Gefahren des Provisionsverbots

Die anreizbasierte Beratung führt nicht zu den besten Ergebnissen, schreibt McGuiness. Auch in einem Brief an den europäischen Verbraucherschutzverband Better Finance spricht sich die Finanzmarktkommissarin für eine „vorurteilsfreie Beratung“ aus.

 

 

Sieben europäische Banken- und Kapitalmarktverbände halten in einem Brief an die EU-Kommission dagegen: „Ein Verbot der Provisionsberatung berge die Gefahr, dass Anleger von kritischer Beratung ausgeschlossen würden“, fasst die Börsenzeitung zusammen. Die Finanzindustrie befürchte, dass die Akzeptanz nachhaltiger Produkte sinke und Kleinanleger öfter das Risiko eingehen würden, auf Beratung zu verzichten. Auch der Vermittlerverband AfW sieht ein mögliches Provisionsverbot kritisch, unter anderem, da es das Geschäftsmodell vieler Finanzvermittler bedrohe.

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