Geschäftsbericht 2020 ÄVWL macht gute Geschäfte mit Glasfaser

Christian Mosel, Hauptgeschäftsführer des ÄVWL

Christian Mosel, Hauptgeschäftsführer des ÄVWL: Der Manager hält nichts davon, in Krisenzeiten in Schockstarre zu verfallen Foto: Safra Sarasin Deutschland

Die Ärzteversorgung Westfalen-Lippe (ÄVWL) hat ihren Geschäftsbericht für das Jahr 2020 veröffentlicht. Unterm Strich steht eine Rendite von 3,5 Prozent und das trotz Corona. Hauptgeschäftsführer Christian Mosel dazu: „In Krisenzeiten ist es wenig hilfreich, in eine Schockstarre zu verfallen. Auch in solchen Zeiten mit enormen Kapitalmarktschwankungen gilt es, Investmentoptionen zu erkennen und zu nutzen.“ Unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Renditeanforderung auf die Deckungsrückstellung betrug sie sogar 4,3 Prozent. Geholfen hat dabei unter anderem ein Investment in die sogenannte Infrastruktur 4.0.

Im Rahmen einer Co-Investition mit dem kanadischen Pensionsfonds Omers hat sich das Versorgungswerk nämlich im vergangenen Jahr an der „Unternehmensgruppe Deutsche Glasfaser“ beteiligt. Diese plant, baut und betreibt bundesweit anbieteroffene Glasfaser-Direktanschlüsse für Privathaushalte und Unternehmen. Den Kunden werden die Anschluss dabei bis in die Wohnung gelegt („fibre to the home“-Glasfasernetze). Im Blickpunkt stehen dabei bislang unterversorgte ländliche Gebiete. Die Ärzteversorgung ergänzt nach eigenen Angaben „mit diesem Investment in ein zukunftsorientiertes und systemrelevantes Geschäftsmodell ihr Infrastrukturportfolio um eine weitere Anlage.“


Mosel ergänzt: „Wir haben weiter unsere bisherige Strategie verfolgt, auf individuelle Themen und Projekte zu setzten“ und unterstreicht, dass die ÄVWL bereits seit Jahren in systemrelevante Infrastruktur investiert, unter anderem in Hochspannungs-Netzbetreiber, Windkraftanlagen, Reservoir- und Wasserkraftwerke und nun in Glasfasernetze. „Damit haben wir auch in schwierigen Phasen die Zukunft im Blick. Während der weitreichenden gesundheitspolitischen Maßnahmen war es die digitale Infrastruktur, die die Funktionsfähigkeit vieler Gesellschaftsbereiche am Laufen gehalten hat. Perspektivisch wird deren Bedeutung weiterhin wachsen. Wir setzen also auf nachhaltige Wertanlagen.”

Die Nettokapitalrendite bezogen auf die Deckungsrückstellung belief sich in 2020 auf 4,3 Prozent. Im Vorjahr waren es 5,1 Prozent. Die Kapitalanlagen sind im Vergleich zu 2019 um etwa vier Prozent auf 13,2 Milliarden Euro gestiegen. Was das Jahr 2021 angeht, rechnet Markus Altenhoff, Geschäftsführer Kapitalanlage der ÄVWL weiter mit unruhigen Zeiten. „In jedem Fall bleiben die Kapitalmärkte für negative Überraschungen, sei es aus medizinischer, wirtschaftlicher oder politischer Sicht, recht anfällig“, sagt er im Geschäftsbericht und definiert einige Dinge, die ihm anscheinend Sorgen bereiten: „Die Übernahme dieser Risiken scheint in der erzielbaren Marktrendite nach wie vor nicht ausreichen eingepreist, egal ob bei Aktien oder bei der Anlage in Zinsträgern. Das heißt, Anleger dürften kaum eine adäquate Renditekompensation für die von ihnen eingegangenen Kapitalmarktrisiken erwarten. Da nunmehr auch die Politik kein Interesse an einer Normalisierung des Renditeniveaus haben dürfte, sollte die Niedrigrenditephase länger andauern, was für institutionelle Investoren auf mittelfristige Sicht keine ideale Ausgangsbasis darstellt. Darüber hinaus müssen wir die Entwicklung der Inflation im Auge behalten. Für den Immobilienmarkt gilt Gleiches, hier könnten sich staatliche Eingriffe in das Mietvertrags- und Insolvenzrecht für Investoren als zusätzliche Be-lastungen erweisen.

Um auf Ebene des Gesamtportfolios der ÄVWL eine Rendite in etwa auf Höhe des Rechnungszinses erwirtschaften zu können, ohne dabei das Risiko zu erhöhen, verfolgt die ÄVWL seit Jahren die sogenannte Barbell-also Handels-Strategie. Dabei werden hochrentierliche, risikoreichere Anlagen – zum Beispiel Beteiligungen an Infrastrukturprojekten – mit sicheren, risikoarmen Anlagen im Rentendirektbestand kombiniert. Bezogen auf die gesamten Kapitalanlagen der ÄVWL beläuft sich der Anteil des Rentendirektbestandes mit einem Volumen von rund 3.355 Millionen Euro auf 25,4 Prozent (2019: 24,6 Prozent). Die Spezialfondsinvestitionen der Ärzteversorgung Westfalen-Lippe betrugen zum 31. Dezember 2020 rund 69,9 Prozent der gesamten Kapitalanlagen. Dabei verteilt sich dieser Anteil sowohl auf verschiedene Wertpapier- und Alternative-Spezialfonds als auch auf diverse Immobilienspezialfonds.

Den vollständigen Geschäftsbericht finden Sie hier