Blockchain und Dezentrales Finanzwesen Schweizer Finanzmarktaufsicht: Motor statt Bremse

Die Fassade des Flannel-Flaghsip-Stores in London wurde von Andrea Bonaceto gestaltet, einem der weltweit erfolgreichsten NFT-Künstler.

Nicht nur virtuell: Die Fassade des Flannel-Flaghsip-Stores in London wurde von Andrea Bonaceto gestaltet, einem der weltweit erfolgreichsten NFT-Künstler. Foto: Imago

Das Dezentrale Finanzwesen ist für Banken eine Chance. Wenn sie die Möglichkeiten, die die Technologien bieten, verpassen, wird es allerdings zur Bedrohung. Noch befassen sich nur wenige europäische Institute mit der Blockchain und Kryptowährungen. Ihre Kunden sind ihnen dabei schon lange vorraus.

Wer die Technologien nutzen will, ist aber auch vom regulatorischen Umfeld abhängig. Eine der wenigen aktiven Banken ist der globale Private-Banking-Arm der BBVA in der Schweiz. Der Standort ist dabei kein Zufall. Die Schweizer Finanzmarktaufsicht ist gegenüber dem Dezentralen Finanzwesen, im europäischen Vergleich, besonders offen.

 

 

Vor rund einem Jahr startete der Krypto-Asset-Service der BBVA Schweiz, mit dem Handel und der Verwahrung von Bitcoin. Zum Jahresende nahm er Ether in das Anlageportfolio auf. Trotz des Einbruches des Kryptomarkts in den vergangenen Monaten seien die Kunden nicht abgesprungen, im Gegenteil: „Wir haben im Kryptobereich fast doppelt so viel verwaltetes Vermögen wie vor sechs Monaten, obwohl der Markt um fast 40 Prozent gefallen ist“, sagt Alfonso Gómez, Vorstand der BBVA Schweiz, gegenüber The Banker, einem Tochterblatt der Financial Times.

Ansturm der größten Banken

Die Bank kooperiert mit Metaco. Das Software-Unternehmen unterstützt den Bankensektor bei der Einführung von digitalen Vermögenswerten, hauptsächlich, indem es die Infrastruktur für die Verwahrung bereitstellt. Adrien Treccani, Gründer und Vorstand, beobachtet den Wandel in der Branche: „Das vergangene Jahrzehnt, von 2010 bis 2020, war die Zeit der Erstanwender, Fintechs und Start-ups, die nach neuen Möglichkeiten suchten, ohne sich viele Gedanken über Compliance, Sicherheit oder gute Praktiken zu machen. Aber im Jahr 2020, nach dem ersten Höhepunkt der Covid-19-Krise, haben wir einen Ansturm auf Blockchain-Technologien von den größten Tier-1-Bankinstituten erlebt.“

Treccani geht davon aus, dass die bekanntesten Marktakteure bis 2025 so stark wachsen werden, dass sie die de facto Verwahrer für institutionelle und private Kunden werden. „Kleinere Banken werden folgen, sobald sie sehen, dass die größten Akteure auf dem Vormarsch sind“, so Treccani. Wahrscheinlich würden sie sogar Dienstleistungen der großen Akteure in Anspruch nehmen, wie die Unterverwahrung.

Den Grund für das Interesse der Finanzinstitute sieht Treccani darin, dass die Dezentrale Finanzierung drei der vier Säulen des Finanzwesens bedroht, Vertrauen, Liquidität und den Kundenstam. Durch die Blockchain entfalle die Notwendigkeit des Vertrauens, zudem bündele sie die Liquidität. Hinzu kommt laut Treccani, dass die neue Generation der Kunden lieber mit nicht-fungiblen Token handelt, als sich mit ihrer E-Banking-Plattform zu verbinden.

Leidenschaft für Kryptowährungen

„Die letzte Säule, Compliance und Regulierung, wird zu einem stärkeren Alleinstellungsmerkmal für Banken werden, da die Regulierungsbehörden beginnen, die Dezentrale Finanzierung und Kryptowährungen noch stärker zu regulieren“, sagt Treccani.

Fortschrittlich dabei sei die Schweiz, mit einer Leidenschaft für Kryptowährungen und Dezentrale Finanzen. „Unser Bankensektor ist jedoch weit davon entfernt, der schnellste zu sein. Die BBVA ist eine Ausnahme, aber die großen Banken in der Schweiz befinden sich noch in der Innovationsphase“, so Treccani. „Die Schweiz ist zwar der Innovationskern für Krypto-Start-ups, aber sie ist nicht der Wachstumspol der regulierten Branche.“

Auch Goméz schätzt das regulatorische Umfeld der Schweiz fortschrittlicher ein, als im Rest Europas und der Welt. Die Schweizer Finanzmarktaufsichtsbehörde sei immer bereit zu helfen. „Und die Aufsichtsbehörden haben kein Problem damit, wenn traditionelle Banken wie die BBVA an sie herantreten und sagen, dass wir über diese Art von Technologie nachdenken“, so Goméz.

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