Wissenschaftliche Basis Krypto-Benchmark: „So soll unser Index institutionelle Investoren überzeugen"

Nigel Williams und Michael Althof von Royalton Partners

Nigel Williams und Michael Althof von Royalton Partners: „Selbstverständlich fließen auch die Größe des Netzwerks, Nutzen und andere Charakteristiken der Kryptowährungen jeweils in die Bewertung ein.“ Foto: Royalton Partners

In der Forschung gibt es mittlerweile viele Stimmen die sagen, dass es nachvollziehbare Gründe für den Wert einer Kryptowährung gibt. Letztendlich reflektiert der Preis einer Kryptowährung, gemessen zum Beispiel in US-Dollar, die gesamte relative Inflationserwartung der jeweiligen von Zentralbanken herausgegebenen Fiatwährung, also alle Währungen, die nicht an den Preis eines Rohstoffes wie Gold oder Silber gebunden sind.

Selbstverständlich fließen auch die Größe des Netzwerks, Nutzen und andere Charakteristiken der Kryptowährungen jeweils in die Bewertung ein. Des Weiteren bietet eine Kryptowährung wie beispielsweise Ethereum die Möglichkeit, an der technologischen Entwicklung dieses neuen Marktbereichs teilzunehmen. Andere Kryptowährungen repräsentieren wiederum die Bezahlmöglichkeit für reale Services auf der Blockchain, oder auch Stimmrechte der jeweiligen Blockchain. Damit spiegeln virtuelle Währungen den Wert realer Dienstleistungen wieder, welche in sogenannten „Smart Contracts“ aufgeschrieben und durch Kryptowährungen bezahlbar gemacht werden. Mit fortgehender Transformation wirtschaftlicher Prozesse auf die Blockchain, steigt auch die Nachfrage nach entsprechenden Kryptowährungen.

Der Investmentcase Kryptowährungen hat zwar weltweit schon Millionen von Investoren überzeugt, allerdings zögern viele institutionelle Investoren noch. Ein Grund ist das Fehlen einer akzeptierten Benchmark, um ein Investment in Kryptowährungen mit dem Gesamtmarkt vergleichen zu können. Dieses Ziel hat der der Royalton Crix Index. Er ist das Ergebnis einer internationalen Zusammenarbeit zwischen Forschung und Finanzindustrie. Auf der wissenschaftlichen Seite steht die Berliner Humboldt-Universität im Zentrum. Schon 2014, lange vor einer Entwicklung eines größeren Marktes für Kryptowährungen, wurde dort an der Idee geforscht, einen Index für Kryptowährungen zu entwickeln. Die Marktkapitalisierung bestand damals noch aus etwa 10-20 sogenannten alternativen Kryptowährungen („Altcoins“) und Bitcoin war eindeutig der Platzhirsch.

Schon damals war die Forschung, dem globalen Kryptomarkt angemessen, ein internationales Projekt von Professor Wolfgang Karl Härdle und den Professoren Ernie Teo und David Lee der National University of Singapore. Hier kristallisierten sich die Grundelemente des Index heraus, die auch heute noch fortbestehen:

  • Er musste flexibel sein, um den sich dynamisch entwickelnden Markt immer bestmöglich darstellen zu können.
  • Er sollte algorithmisch strukturiert sein, sodass mit nur minimaler qualitativer Analyse des Marktes die Indexkonstituenten zu finden seien.
  • Er musste automatisierbar sein, und anbindbar an die damals entstehenden Aggregatoren von Kryptopreisen.

Einer der ersten Unterstützer war der Dataprovider Coingekko. Einige Forschungspapiere später zeichnen sich die ersten Erfolge des Index ab. Die EZB erwähnt ihn in ihrem Economic Bulletin 05/2019, um die Entwicklung der Kryptowährungen darzustellen. 

Die Idee einer unabhängigen, wissenschaftlich basierten Benchmark für den Markt für Kryptowährungen, traf zusammen mit den Vorstellungen von Royalton Partners. Der Spezialist für Alternative Investments beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wie sicher Fiatwährungen heutzutage sind, also von Zentralbanken herausgegebene und gestützte Währungen. Eine Gefahr für deren Währungen könnte die Schuldenlast der Länder sein, die sehr expansive Geldpolitik der Zentralbanken und schließlich auch die Konkurrenz durch alternative Kryptowährungen, welche gerade entstanden.


Der Crix Index der Berliner Humboldt Universität war ein geeignetes Mittel, den Markt der Kryptowährungen für institutionelle Investoren abbildbar zu machen, und eventuell auch als Investmentfonds zu Verfügung zu stellen. Royalton Partners war mittlerweile ein alternativer Investmentfonds Manager (AIFM) und hatte im Zuge dieser Ausrichtung seinen Sitz nach Luxemburg verlegt. Ein Alternative Investment Fund basierend auf Kryptowährungen würde die Innovationsgeschichte der Firma fortschreiben. Dazu müsste die AIFMD-Lizenz um die gerade in Luxemburg entstandene Digital Asset Licence erweitert werden.

Doch wie funktioniert der Royalton Crix Crypto Index in der Praxis? Verwaltet wird der Index von Royalton Partners in der Schweiz unter der Leitung von Przemyslaw Bielicki, unterstützt durch Julian Winkel. Zum Index Board gehört auch Simon Trimborn, der den Index damals mitentwickelte. Die Erstellung des Index erfolgt in mehreren Schritten. Zuerst wird der Gesamtmarkt investierbarer Kryptowährungen mit Hilfe der Taxonomie des US-Spezialisten für Kryptodaten Lukka Prime definiert. Herausgenommen werden in diesem Schritt alle Kryptowährungen, deren Entwicklung an andere Währungen, Finanztitel oder sonstige Wirtschaftsgüter gekoppelt sind. Dazu zählen insbesondere die Stable Coins wie Tether. Aus den verbleibenden Währungen wird ein Total Market Index (TMI) erstellt.

Die Renditeverteilung des TMI wird nun mit so wenig wie möglich, aber mindestens fünf Kryptowährungen abgebildet, wobei dieses liquide handelbar auf regulierten Kryptobörsen, tägliche konstante Preise liefern und regulatorisch konform verwahrfähig sein müssen. Kernelement für die Auswahl der Konstituenten – also der Teile einer größeren, komplexeren Einheit – bildet hierbei das sogenannte Akaike-Informationskriterium, aus dem die Crix Technology Decision Curve über ein Quartal stabilisierend berechnet wird. Hierbei wird die Renditeverteilung des TMI so genau wie möglich mit so wenig wie möglich Kryptowährungen abgebildet. Nur Währungen, welche sich zu signifikanten Elementen entwickeln, werden aufgenommen. Dadurch werden starke Trends aufgenommen, jedoch ein häufiger Wechsel der Konstituenten vermieden. Diese werden quartalsweise erstellt und monatlich mit der Marktkapitalisierung gewichtet. Berechnet wird der Royalton CRIX Crypto Index nun von den Spezialisten der S&P Global nach der vom Inflationsindex des EZB bekannten Laspeyres-Methode – Preisindex, welcher die Veränderung des Preisniveaus angibt. Zur Berechnung werden die Preise des aktuellen Jahres mit den Preisen des Basisjahres anhand der Menge des Warenkorbes der Basisperiode verglichen – und ist täglich erhältlich.

Fazit: Der Royalton Crix Index hat das Ziel, die Brücke zwischen der Anlageklasse Kryptowährungen und institutionellen Investoren zu schließen. Mit der wissenschaftlichen Basis und einem professionellen Setup will der Index institutionellen Ansprüchen genügen, um für die Wertentwicklung eine neutrale, nachvollziehbare Benchmark zu etablieren.

Über die Autoren:

Nigel Williams ist Chairman und Mitgründer von Royalton Partners, einem lizenzierten Alternative Investment Fund Manager (AIFM) mit Hauptsitz in Luxemburg, der ein Vermögen von 6 Milliarden Euro verwaltet.

Michael Althof ist Head Of ETF Capital Market and Portfolio Management bei Royalton Partners. Zuvor war er mehr als 15 Jahre Portfolio Manager bei Pimco.