Asset Allocation aktuell „Stiftungen brauchen dividendenstarke Aktien“

Bernhard Matthes von der Bank für Kirche und Caritas

Bernhard Matthes von der Bank für Kirche und Caritas: „Zunehmend Aktien mit hohen Dividendenrenditen“ Foto: Bank für Kirche und Caritas

Das Investment: Wie stellen Sie Ihr Portfolio angesichts steigender Inflationsraten auf? 

Bernhard Matthes: In unserem Mischfonds BKC Treuhand Portfolio haben wir den Renten-Anteil seit Sommer 2020 deutlich abgesenkt und verstärkt in alternative Vermögenswerte investiert, die nicht oder nur gering mit dem Aktien- oder Zinsrisiko korrelieren. Gold ist im aktuellen Umfeld eines der wichtigsten Selbstverteidigungsinstrumente gegenüber einer „Policy“-Seite, die vorsätzlich Inflation herbeizuführen sucht.

Welchen Zweck erfüllen Anleihen in der aktuellen Marktsituation? 

Bernhard Matthes: Es existiert kein Automatismus, nach dem steigende Inflationsraten zu höheren Zinsen und damit zu Kursverlusten bei Anleihen führen. Verschärfen die Notenbanken die finanzielle Repression, in dem sie zur Zinskurvenkontrolle greifen, bleiben – wie etwa in Japan – die Bondpreise stabil.

Und dennoch sinkt der Anleihen-Anteil in Ihren Portfolios.

Bernhard Matthes: Richtig. Schließlich liefern bonitätsstarke Anleihen schon seit Jahren keinen angemessenen Ertrag mehr. Zudem erfüllten sie während der Corona-bedingten Marktverwerfungen auch ihre vorgesehene Schutzfunktion nicht mehr. 

Welche Asset-Klassen nutzen Sie als Ersatz?

Bernhard Matthes: Wir setzen heute zunehmend auf Aktien mit hohen Dividendenrenditen und eine Sicherheitskomponente aus Gold. Das Edelmetall sehen wir als Kasse-Ersatz ohne Gegenpartei-Risiko. Hier gibt es zum einen keine Negativzinsen. Zum anderen erwarten wir einen positiven Ertrag, nämlich in dem Maße, in dem die Zentralbank die Kaufkraft der Währung verwässert. 

Doch wenn es um Rendite geht, führt doch kein Weg an Aktien vorbei. Sehen Sie das anders?

Bernhard Matthes: Das ist grundsätzlich richtig. Doch im Umfeld einer stärkeren Reflation kommt es auf die selektive Titelauswahl an. Als Inflationsschutz geeignet sind Branchen und Geschäftsmodelle mit hoher Preissetzungsmacht. Beispiele finden sich in zyklischen Branchen wie Energie, Grundstoffe oder bei Industriewerten. Unter Druck geraten dürften bei hartnäckig höheren Inflationsraten hingegen defensive Konsumwerte, Versorger oder viele Pharmawerte, weil sie mit langfristigen Preisbindungen arbeiten. 

Warum wird es gerade in diesen Branchen Probleme geben?

Bernhard Matthes: Die Margen in diesen wettbewerbsintensiven Sektoren leiden besonders stark, weil die Kosten stärker und schneller steigen, als Preiserhöhungen durchgesetzt werden können. 

Das blinde Zugreifen verbietet sich seit jeher.

Bernhard Matthes: Sicherlich. Insbesondere aktuell sehen wir hohe Bewertungen. Jüngst warnte die US-Notenbank (in Form der San Francisco Fed) selbst, dass die aktuell hohen Aktienbewertungen über die kommenden zehn Jahre einen Zuwachs der Aktienkurse von „ungefähr Null“ nahelegen. 

Unsere eigenen Auswertungen unterstützen das: Auf Indexebene ist etwa der S&P 500, gemessen am Kurs-Umsatz-Verhältnis, teuer wie nie. 

Dennoch ist es weiterhin möglich, mit aktiver Selektion hervorragende Unternehmen zu identifizieren, für deren zu erwartende Ertragsströme wir nicht zwingend zu viel zahlen müssen. Die Bewertungen von heute sind die Renditemöglichkeiten von morgen. 

 

Welchen Investment-Ansatz verfolgen Sie bei Aktien?

Bernhard Matthes: Kern unserer Philosophie ist der Value-Ansatz, also die Investition in unterbewertete Titel, deren Marktpreis unterhalb ihres inneren Wertes liegt. Um jedoch Value-Fallen zu vermeiden, sind Faktoren aus den Bereichen Qualität und Momentum essenziell. Sie vermeiden, naiv in optisch billige Titel zu investieren, die mit einem gerechtfertigten Bewertungsabschlag versehen sind, weil entweder das Geschäftsmodell beschädigt und nicht zukunftsfähig ist oder aber operative Probleme vorhanden sind, welche die Fähigkeit zur Erwirtschaftung angemessener Cashflow Renditen beeinträchtigen.