Analyse Bitcoins gehören ins Portfolio, aber es gibt einiges zu beachten

Jeroen Blokland

Jeroen Blokland: Der Leiter Multi-Asset bei Robeco machte sich mit seinem Team Gedanken über den Bitcoin Foto: Robeco

Seit Beginn seines Handels im Juli 2010 hat der Bitcoin einen durchschnittlichen Wertzuwachs von 254 Prozent pro Jahr erzielt, aber auch die Volatilität pro Jahr war mit 114 Prozent extrem. Viele Investoren fragen sich deshalb, wie hoch ihr Anteil von Bitcoins im Portfolio zukünftig gewichtet sein soll. Jeroen Blokland, Chef für Multi-Assets bei Robeco und sein Team nutzten zur Beantwortung dieser Frage eine Systematik zur Erklärung und Beurteilung von Anlageentscheidungen, die sogenannten Mean Variance-Optimierung, um zu ermitteln, wie Bitcoin sich am besten in einem diversifizierten Multi Asset-Portfolio einsetzen lassen könnte.

Bei dieser Optimierung werden, unter anderem unter der Voraussetzung dass bestimmte Risikokontrollen und strikte Vorgaben für das Portfoliomanagement gelten, 36 Kombinationen des Risikos, des Ertrags und der Wechselwirkung mit anderen Assetklassen von Bitcoin betrachtet. Das Ergebnis: Alle 36 Kombinationen kommen auf eine Allokation in Bitcoin von 2,5 Prozent. Blokland dazu: „Das ist mehr als wir erwartet hatten, da wir von einem niedrigeren Anteil bei ungünstigeren Kombinationen von Charakteristika ausgegangen waren.“

Auf Grundlage der hauseigenen Impact-Analyse, wonach Bitcoin bis zu 15 Prozent der Gesamtvolatilität eines Portfolios ausmachen kann, und da die Volatilität von Bitcoin derzeit noch über Robecos höchster Schätzung von 60 Prozent liegt, hält Blokland jedoch eine Begrenzung des maximalen Anteils von Bitcoin auf ein Prozent für ratsam: „Eine Gewichtung mit einem Prozent stünde auch besser im Einklang mit dem Management des Gesamtportfolios, einschließlich des Rebalancing.“

Um eine realistischere Vorstellung der künftigen Entwicklung von Bitcoin zu erhalten, nimmt Robeco an, dass die Kryptowährung in den nächsten 5 bis 10 Jahren die 3 Billionen US-Dollar ausmachende Marktkapitalisierung investierbaren Golds erreicht – also von Gold, das für Anlagezwecke genutzt wird oder in einer Verbindung zu den Finanzmärkten steht. Diese Annahme schließt eine erwartete Rendite von 12 bis 25 Prozent pro Jahr ein.

Berücksichtigt werden sollte jedoch, dass die Zahl der Anlagemöglichkeiten in Bitcoin derzeit noch begrenzt ist. Die Zahl investierbarer Bitcoin-ETFs nimmt aber zu, und auch der Markt für entsprechende Terminkontrakte, also Futures wächst. Allerdings investieren nicht alle ETFs direkt in Bitcoins. Zudem ist bei einer Lagerung nicht immer eine vollständige Versicherung möglich. Und bei Bitcoin-Terminkontrakten ist die Einrichtung von Handelsdepots komplizierter und der Betrag, der zur Eröffnung und Aufrechterhaltung einer gehebelten Handelsposition erforderlich ist, die sogenannte Margin-Anforderungen ist mit mit bis zu 33 Prozent weit höher als bei Anleihen und Aktien.

Regulatorische Aspekte sollten zudem mit einbezogen werden. In Europa begrenzt die UCITS-Regulierung das Engagement in einzelne Kategorien, also Single Commodity-Investments. Jedoch ist in Europa ein „Fondsinvestment“ in Bitcoin im Rahmen von  börsengehandelten Inhaberschuldverschreibung, sogenannten Exchange-Traded-Notes (ETN) möglich.

Zudem hält Blokland fest: „Als digitales Gold besitzt Bitcoin monetären Wert. Unseres Erachtens ist die Diskussion über den mangelnden inneren Wert von Bitcoin weitgehend irrelevant. Wie Diamanten, Kunst, Briefmarken, Gold und der US-Dollar wirft Bitcoin keine Cash-Erträge ab. Dennoch besitzen all diese Anlagegattungen monetären Wert und die meisten von ihnen werden als Wertaufbewahrungsmittel angesehen.“ Mehr als eine Theorie ist das aber noch nicht, weshalb Robeco darauf verweist, dass die Zukunft von Bitcoin im Vergleich zu Assetklassen mit weit längerer Historie mit großer Unsicherheit behaftet ist.