Folgen der Corona-Krise Bund muss mehr Schulden machen

Sitz des Bundesfinanzministeriums in Berlin: Der Bund wird in diesem Jahr deutlich mehr Schulden machen als ursprünglich geplant.  | © imago images / Schöning

Sitz des Bundesfinanzministeriums in Berlin: Der Bund wird in diesem Jahr deutlich mehr Schulden machen als ursprünglich geplant. Foto: imago images / Schöning

Der Bund wird in diesem Jahr deutlich mehr Schulden machen als ursprünglich geplant. Nach Angaben der für das Schuldenmanagement der Bundesrepublik zuständigen Finanzagentur wird sich der Finanzierungsbedarf des Bundes gegenüber der im Dezember 2019 veröffentlichten Jahresvorausschau erhöhen. Grund hierfür sei das Maßnahmenpaket, das die Bundesregierung zur Bewältigung der Coronavirus-Pandemie am 23. März auf den Weg gebracht hat.

Die Schuldenmanager des Bundes wollen in den kommenden Wochen und Monaten mehrere bereits ausgegebene Wertpapiere aufstocken und so mehr Geld bei Anlegern einsammeln. Das betrifft zum Beispiel die Bundesschatzanweisung, die im März 2022 fällig wird (ISIN DE0001104792). Bei diesem Wertpapier will der Bund am 21. April dieses Jahres das Emissionsvolumen um eine Milliarde auf dann 5 Milliarden Euro erhöhen. Mit dieser und weiteren Emissionen will der Bund im zweiten Quartal insgesamt 32,5 Milliarden Euro mehr einnehmen als bislang geplant.

Zusätzlich werden die Schuldenmanager das Volumen von 21 bereits emittierten Bundesanleihen mit Wirkung zum 1. April 2020 um jeweils 2 Milliarden Euro erhöhen. Diese Aufstockungen sollen in den Eigenbestand des Bundes erfolgen und „eine kurzfristige und flexible Kapitalaufnahme“ insbesondere über Repo-Geschäfte ermöglichen. Die Maßnahme werde gleichmäßig für alle 10-jährigen Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit von über drei Jahren bis zur Anleihe mit Fälligkeit im August 2029 sowie für alle 30-jährigen Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit von über zehn Jahren bis zur Anleihe mit Fälligkeit im Juli 2042 durchgeführt. 

Die neuen Emissionsplanung der Bundesfinanzagentur betreffen auch das dritte und vierte Quartal 2020. Aus heutiger Sicht werde sich das Emissionsvolumen der nominalverzinslichen Kapitalmarktinstrumente sowie der unverzinslichen Schatzanweisungen des Bundes im zweiten Halbjahr um zirka 87 Milliarden Euro erhöhen, prognostizieren die Schuldenmanager. In diesem Volumen seien Mittel enthalten, die der Förderbank KfW zur Finanzierung ihres Sonderprogramms im Rahmen des Maßnahmenpakets des Bundes zur Bewältigung der Coronavirus-Pandemie zur Verfügung gestellt werden können. 

Ursprünglich wollte der Bund zur Finanzierung des Bundeshaushalts und seiner Sondervermögen in diesem Jahr Bundeswertpapiere im Volumen von 210 Milliarden Euro ausgeben. Dieser im Dezember 2019 veröffentlichte Betrag ist mit dem Ausbruch der Corona-Krise und aufgrund der vom Bund eingeleiteten Hilfsmaßnahmen nicht mehr aktuell.