Risikomanagement in der Corona-Krise Alte Leipziger fährt Aktienquote fast auf null herunter

Martin Rohm: Der Kapitalanlage- und Finanzvorstand der Alte-Leipziger-Hallesche-Gruppe will in Stromnetze investieren.

Martin Rohm: Der Kapitalanlage- und Finanzvorstand der Alte-Leipziger-Hallesche-Gruppe will in Stromnetze investieren. Foto: Nadine Stegemann

Die Versicherungsgruppe Alte-Leipziger-Hallesche ist kaum noch in Aktien investiert. Gegenüber dem Jahresende 2019 sank die Aktienquote von 4,5 auf aktuell 0,4 Prozent. Das berichtet die „Börsen-Zeitung“ (bezahlpflichtig) und beruft sich auf Aussagen von Investmentchef Martin Rohm. Anlässlich der Online-Bilanzpressekonferenz erklärte Rohm am 19. März 2020, dass die Risikomanagementsysteme des Versicherers frühzeitig reagiert hätten und der Konzern deshalb seine Aktienquote zurückgefahren habe. Dabei seien „geringfügige Wertverluste“ entstanden, sagte Rohm.

Laut dem Zeitungsbericht will der Lebens-, Kranken- und Sachversicherer mit Sitz in Oberursel (Taunus) und Stuttgart in den kommenden drei bis vier Jahren 10 Prozent seiner Kapitalanlagen in alternative Anlagen investieren. Bereits im November 2019 hatte Rohm auf einer Veranstaltung für institutionelle Anleger angekündigt, dass sich die Struktur der konzerneigenen Kapitalanlagen, die noch vor wenigen Jahren vor allem von festverzinslichen Wertpapieren mit langer Duration geprägt gewesen sei, schrittweise ändereRohm bezifferte damals das Kapitalanlagevolumen mit 40 Milliarden Euro.

Aktuell investiert Rohm vor allem in illiquide Anlagen. Dabei ist er nicht zimperlich, sondern sprach beim 5. Institutional Investors Forum des Beratungsunternehmens Faros, ohne Zahlen zu nennen, von einer „Größenordnung“, mit der der Versicherungskonzern seinen Ertrag auch in Zukunft stabilisieren könne.

Ebenfalls auf dem Einkaufszettel stünden zum Beispiel Stromnetze, Energie (Fotovoltaik) und Datennetze (Glasfaser), berichtet die „Börsen-Zeitung“. Die Alte-Leipziger-Hallesche-Gruppe tritt bei den einzelnen Projekten nicht länger nur als Eigenkapitalgeber auf, sondern stellt Geschäftspartnern seit Herbst 2019 auch Fremdkapital zur Verfügung. Damit geht die Versicherungsgruppe ähnlich vor wie der börsennotierte Versicherungskonzern Talanx. In einem Interview erläuterte der Infrastruktur-Chefanleger der Talanx, Peter Brodehser, warum Eigenkapitalinvestments bei Infrastrukturprojekten mehr Arbeit machen.