DVFA-Umfrage EZB verspielt Vertrauen und Reputation

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Die EZB-Zentrale in Frankfurt: Die meisten Mitglieder des Berufsverbands der Investment Professionals bemängeln das Vorgehen der Währungsbehörde. Foto: Imago Images / Hannes P. Albert

Der Berufsverband der Investment Professionals DVFA hat seine mehr als 1.400 Mitglieder zu den jüngsten geldpolitischen Strategien der Zentralbanken in den USA (Fed, Federal Reserve) und im Euroland befragt. Sehr entschieden halten die Befragten die aktuelle geldpolitische Ausrichtung für zu locker, sind aber auch der Ansicht, dass die Europäische Zentralbank (EZB) angesichts der hohen Verschuldung im Euroraum auf absehbare Zeit nicht in der Lage sein wird, die Zinsen angemessen anzuheben.

Mit großer Mehrheit befürchten die Befragten längerfristig eine Überforderung der Institutionen mit den Zielfunktionen eines flexiblen durchschnittlichen Inflationsziels (Fed) oder eines symmetrischen Inflationsziels (EZB) und den zusätzlichen Aufgaben wie die Förderung des Beschäftigungswachstums, Finanzstabilität und Klimapolitik. Auf die Frage des DVFA, ob die geldpolitische Ausrichtung angemessen sei, antworteten 26 Prozent der Befragten mit Ja. 67 Prozent waren dagegen der Ansicht, sie sei zu locker. In den Kommentaren wurde darauf verwiesen, dass die einerseits zu lockere Geldpolitik, die mit negativen Effekten wie Vermögensinflation oder möglichen Fehlallokationen aufgrund reduzierter Risikoaufschläge einhergehe, andererseits das Risiko von Staatspleiten abgewendet habe und somit ohne Alternative war.

Eine deutliche Mehrheit von 65 Prozent ist zudem der Ansicht, dass die EZB die Zinsen unter den gegebenen Umständen nicht adäquat anheben wird. 33 Prozent sind gegenteiliger Auffassung. In den Kommentaren zu dieser Frage werden immer wieder Zweifel am Handlungsspielraum der EZB und ihrer politischen Unabhängigkeit geäußert. Ursache für diese Zweifel seien die erheblichen Unterschiede in der Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaften im Euroraum.


Sehr ausgeglichen ist das Meinungsbild bei der Frage, ob die Befragten die neuen Zielfunktionen von Fed (Flexible Average Inflation Targeting) und EZB (Symmetrisches Inflationsziel) gelungen findne. Fast ausgeglichen sind hier die Ja- und Nein-Antworten mit 39 beziehungsweise 41 Prozent. Ein Fünftel der Befragten hatte dazu keine Meinung. Allerdings sei es zu früh, um die Auswirkungen der neuen Geldpolitik einschätzen zu können, hieß es in den Kommentaren der Befragten.

Ergänzend zu den Zielfunktionen wurden auch andere Aufgaben der Zentralbanken – inklusives Beschäftigungswachstum, Finanzstabilität und Klimapolitik – bestätigt, respektive neue aufgenommen. Der DVFA wollte wissen, ob seine Mitglieder dies für sinnvoll halten. Auch hier ergeben die Antworten ein gemischtes Bild: 32 Prozent antworteten mit Ja, 24 Prozent mit Nein und 43 Prozent mit „teilweise“. Ganz klar dagegen waren die häufigen Kommentare: Finanzstabilität sei ein legitimes Ziel der Notenbank. Andere Ziele seien Aufgabe der politischen, demokratisch legitimierten Mandatsträger. Klimapolitik und Nachhaltigkeit sollten nicht über die Zentralbanken gesteuert werden.

Einmütig waren die Antworten auf die Frage. ob längerfristig eine Überforderung der Zentralbanken mit diesen Zielvereinbarungen befürchtet wird. 70 Prozent antworteten mit Ja und 26 Prozent mit Nein. Einige Kommentatoren sehen die Notenbank schon heute überfordert, andere verweisen auf mögliche Zielkonflikte etwa zwischen Arbeitslosigkeit / Wachstum einerseits und Preisstabilität / Inflation andererseits. Dies führe zu Unklarheiten, wann und wie sich die jeweilige Notenbank im Einzelfall entscheidet. Deshalb drohe der Verlust von Reputation und Glaubwürdigkeit.