Pensionsanlagen-Chef von Evonik Stefan Hentschel beklagt hartnäckiges Niedrigzinsumfeld

Stefan Hentschel ist seit Juli 2018 stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Pensionskasse Degussa.

Stefan Hentschel ist seit Juli 2018 stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Pensionskasse Degussa. Foto: Frank Preuss

Der Spezialchemikonzern Evonik Industries will sein Pensionsvermögen künftig noch stärker in Richtung der Anlageklasse Private Debt verlagern. Das kündigte Stefan Hentschel, Leiter der Abteilung Pension Asset Management der Evonik Industries, in einem aktuellen Interview mit dem Bundesverband Alternative Investments (BAI) an. „Den Bereich Private Debt werden wir ausbauen, da wir hier Möglichkeiten für opportunistische Finanzierungen sehen“, so Hentschel im Gespräch mit BAI-Geschäftsführerin Annette Olschinka-Rettig. 

Mit Blick auf die unterschiedlichen Investitionsmöglichkeiten dieser recht jungen Anlageklasse interessiert sich Hentschel, seit Juli 2018 stellvertretender Vorstandschef der im Evonik-Konzern verwurzelten Pensionskasse Degussa, vor allem für Corporate Debt, aber auch Infrastructure Debt. Kurz, das für Betriebsrentner reservierte Kapital fließt vermehrt in Form von Darlehen an Unternehmen und Infrastukturprojekte. Abseits dieser renditestärkeren Strategien will Hentschel auch konservativere Anlagen einbinden, bei denen es ebenfalls um Kredite geht.

Das verwaltete Pensionsvermögen des Evonik-Konzerns beträgt nach Angaben des BAI mehr als 10 Milliarden Euro. Etwa 25 Prozent der Kapitalanlagen investiert Hentschel mit seinem Team in alternative Anlagen. Die Position setzt sich aus vielen Einzelteilen zusammen.

Zu den alternativen Investments gehören die Subsegmente „Immobilien-Eigenkapital“ mit einem Anteil von etwas mehr als 10 Prozent und Infrastruktur-Eigenkapital mit etwas weniger als 10 Prozent. Anlagen in Private Equity, Private Debt und Absolute-Return-Strategien runden die alternativen Anlagen ab. „Infrastruktur-Eigenkapital bleibt für uns eine sehr interessante Anlageklasse, die mittlerweile zum Brot- und Buttergeschäft gehört", so Hentschel. 

„Co-Investments im Bereich Private Equity sind sehr interessant“

Im Interview mit BAI-Geschäftsführerin Olschinka-Rettig berichtet Hentschel auch von Erfahrungen über Investments, die er gemeinsam mit anderen Großanlegern getätigt hat: „Co-Investments im Bereich Private Equity sind sehr interessant, da sie eine deutliche Reduzierung der üblichen Fee-Struktur bedeuten“, sagt der Anlagespezialist, räumt dabei aber auch ein, dass die Größe der jeweiligen Organisation eine entscheidende Rolle spielt, um erfolgreich zu sein. Asset Manager unserer Größenordnung mit ihren eher kleinen Teams“ könnten eine „ausreichende Due Diligence und Verwaltung“ aber kaum darstellen, so Hentschel. „Daher werden wir uns eher Co-Investment-Fonds anschauen.“

Vor dem Hintergrund der niedrigen Renditen auf festverzinsliche Anlagen bonitätsstarker Emittenten beklagt Hentschel das hartnäckige Niedrigzinsumfeld. Dieses sei eine massive Herausforderung und zwinge Investoren, ihre Anlagen in illiquide Asset-Klassen wie Infrastruktur und Private Equity zu streuen. „Hinzu kommt, dass die Wertpapierankäufe der Notenbanken die einst liquiden Bondmärkte illiquide gemacht haben.“