Bernd Franken über alternative Anlagen „Die Gebührensituation ist sehr intransparent“

Bernd Franken ist Geschäftsführer für Kapitalanlagen der Nordrheinischen Ärzteversorgung. Im Interview spricht er über seine bevorzugten alternativen Anlagen und Erfahrungen aus der Corona-Krise.  | © Nadine Stegemann

Bernd Franken ist Geschäftsführer für Kapitalanlagen der Nordrheinischen Ärzteversorgung. Im Interview spricht er über seine bevorzugten alternativen Anlagen und Erfahrungen aus der Corona-Krise. Foto: Nadine Stegemann

Das Interview ist zuvor im BAI Newsletter III/2020 des Bundesverbandes Alternative Investments (BAI) erschienen. Der BAI e.V. verfolgt das Ziel, auch Investoren regelmäßig zu Wort kommen zu lassen. Vor diesem Hintergrund führte Annette Olschinka-Rettig, Geschäftsführerin des BAI e.V., mit Bernd Franken das Interview.

Annette Olschinka-Rettig (AOR): Herr Franken, in welchen Intervallen wird bei der Nordrheinischen Ärzteversorgung die Strategische Asset Allocation aktualisiert?

Bernd Franken: Gemäß unseren Statuten und da wir uns in Risikoklasse 3 befinden, müssen wir spätestens alle drei Jahre eine Aktualisierung unserer Strategischen Asset Allocation vornehmen. Wir haben dies zuletzt im Herbst 2019 getan.

AOR: Inwiefern wird dieser Prozess durch externen Support begleitet?

Franken: Wir beauftragen für die Durchführung einen der bekannten ALM-Berater. Die benötigten Zielvorgaben erarbeiten wir aber komplett intern.

AOR: Welchen Stellenwert haben Alternative Investments in Ihrem Portfolio?

Franken: Hierzu müssen wir zunächst mal definieren, was wir unter Alternative verstehen. Bei uns zählen dazu: 

a) Hedgefonds, Absolute Return, 
b) Infrastructure Equity, Private Equity, Private Debt, 
wobei wir die Assets unter b) eher als illiquide Assets bezeichnen.

Der Stellenwert der so definierten Alternatives ist bei uns konstant geblieben oder wird (insbesondere im illiquiden Bereich) deutlich ausgebaut. 

AOR: Gerade auch vor dem Hintergrund der Corona-Krise: welche Erfahrungen mit Alternative Investments waren für Sie besonders positiv, welche eher enttäuschend?

Franken: Zu den positiven Erfahrungen gehört für mich die Vermeidung des Hauptfehlers im Rahmen der Finanzkrise. Eigentlich alle Verantwortlichen haben unmittelbar höchste Priorität auf eine jederzeitige Liquidität gelegt, sei es in den zugrundeliegenden Assets oder auf Fondsebene.

Negativ und durchaus neuartig ist der deutlich wahrnehmbare Versuch, eventuelle drohende Abwertungen bereits jetzt einzupreisen. Für uns Anleger ist dieser Effekt eigentlich doppelt negativ. Zum einen basieren die Bewertungen nun nicht mehr auf eindeutigen Bilanzkennzahlen allerdings mit erheblichem Zeitverzug, sondern auf zum Teil mehrstufig additiven Sicherheitsabschlagsschätzungen (Unternehmen, Primärfonds, Dachfonds, Managed Account bzw. KVG), die nicht mehr nachvollziehbar sind und nach meiner persönlichen Meinung das Abwertungspotential sogar schon überzeichnen. Zum anderen verringert sich damit der angenehm dämpfende Effekt einer zeitversetzten Abwertung der Alternative Investments erheblich, was die Belastung bei Risikokapital bzw. den Nerven der Gremien deutlich erhöht.