Analyse von Neuberger Berman Das Umfeld für Private-Debt-Investoren bleibt günstig

Susan Kasser und Pieter D’Hoore

Susan Kasser und Pieter D’Hoore: Private Debt wird als Kreditquelle für Unternehmen zunehmend wichtiger. Foto: Neuberger Berman

Viele Investoren halten einen großen Konjunkturschock für eine einmalige Chance – eine Chance, billig zu kaufen, wenn sich ängstliche Investoren und Zwangsverkäufer von ihren Anlagen trennen. Private Debt ist hier keine Ausnahme. 2019 floss viel Geld in unterschiedlichste Private-Debt-Strategien, da man für 2020 oder 2021 eine Rezession und eine Wende im Kreditzyklus erwartete. Als Corona ausbrach, hielten manche Manager die große Stunde für gekommen.

Aber es kam anders. Bei Neuberger Berman halten wir einen Leveraged-Loan-Kurs von 80 für einen klaren Hinweis auf Stress. Nach der Finanzkrise 2008/2009 notierte der S&P/LSTA U.S. Leveraged Loan 100 Index zehn Monate lang unter 80, bevor Regierungen und Notenbanken ein Konzept entwickelt hatten. Auf dem Höhepunkt der Corona-Krise wurde die 80er-Marke nur acht Tage lang unterschritten. Wenn einzelne Titel noch immer darunter notieren, gibt es dafür einen Grund: Sie sind stark von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie betroffen – oder vom Strukturwandel.

Wenn die Krise den Strukturwandel beschleunigt, ist das aber auch eine Chance. Covid-19 kann Unternehmen und die Wirtschaft verändern, doch in erster Linie wirken jetzt die gleichen Kräfte wie nach der Finanzkrise 2008/2009: Banken verringern ihre Bilanzsummen. Und die Kreditnachfrage der Unternehmen liegt über dem Angebot der Banken. Daher gilt es die folgenden Märkte einmal besonders unter die Lupe zu nehmen: First-Lien-Kapital zur Finanzierung von Leveraged Buy-outs (LBOs) durch Private-Equity-Firmen in den USA sowie nicht börsennotierte Kredite an europäische Unternehmen ohne Private-Equity-Finanzierung.

Angebot, Nachfrage und Risikobereitschaft

In den letzten fünf Jahren haben Private-Equity-Gesellschaften sehr viel Kapital eingeworben, doch zuletzt mussten die Deal-Maker sechs Monate lang inaktiv bleiben. Entsprechend viel Kapital wartet noch darauf, angelegt zu werden. In den USA stehen zur Finanzierung von Buy-outs noch etwa 515 Milliarden US-Dollar zur Verfügung. Überall wird zusätzliches Fremdkapital erforderlich sein.