Diversifizierung „Diese vier Signale sollten Investoren in China im Auge behalten“

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„Diese vier Signale sollten Investoren in China im Auge behalten“
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Xiaolin Chen, Leiterin internationales Geschäft bei Kraneshares

Xiaolin Chen, Leiterin internationales Geschäft bei Kraneshares „Es gab zwar ein paar besorgniserregende Anzeichen auf dem Markt, allerdings sind chinesische Haushalte im Vergleich zu den entwickelten Märkten weniger fremdfinanziert.“ Foto: Kraneshares

Knapp drei Monate nachdem der Parteikongress der Chinesischen Kommunistischen Partei (CCP) die Covidmaßnahmen gelocktert hat, fragen sich viele Investoren im Westen, was von China als nächstes zu erwarten ist. Die neusten BIP-Zahlen zeigen zwar ein langsameres Wachstum als in der jüngsten Geschichte, dennoch bietet die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt für Investoren noch viele Möglichkeiten.

In seiner Rede auf dem Kongress sagte Präsident Xi Jingping: „Die nächsten fünf Jahre sind eine entscheidende Zeit, in der es alle hier erläuterten Ziele für eine modernisierte Gesellschaft Chinas zu erreichen gilt.“ Investoren werden dies wohl so interpretieren, dass es in den nächsten fünf Jahren vor allem darum geht, das Ziel zu verwirklichen, umzusetzen und zu erreichen. Historisch gesehen sollte die Währungs-, Steuer- und Regulierungspolitik in solchen Zeiten entgegenkommend bleiben, damit sich die Unternehmen auf ihr Geschäft konzentrieren können. Das alles kann sich positiv auf den Markt auswirken.

Zudem hat die CCP damit nicht nur eine positive Einstellung zum Ausdruck gebracht. Drei Wochen nach dem Kongress hat die Regierung gezielte Maßnahmen veröffentlicht, mit den am dringendsten benötigten Richtlinien für Themen, die zu einer Hürde für Chinas Wachstum werden könnten. Die Klarheit, mit der die neue Wirtschaftspolitik kommuniziert wurde, wird von Investoren begrüßt, von nicht wenigen sogar als Licht am Ende des Tunnels betrachtet. Unserer Meinung nach gibt es vier wichtige Elemente oder Signale, die Investoren in den kommenden Monaten im Auge behalten sollten.

Das erste  wurde bereits bestätigt – China öffnet seine Grenzen. Diese Entwicklung hat einen wichtigen Symbolcharakter, da Chinas Null-Covid-Herangehensweise weltweit als die strengste galt. Der Strategieplan zur Lockerung der Null-Covid-Politik macht die vollständige Öffnung zum ersten Quartal nun wahrscheinlich. Jedoch erwarten wir nicht, dass das reibungslos verläuft. Dennoch ist das Ziel eine vollständige Öffnung.

 

 

 

Um es kurz zu fassen: Auf die 20 Maßnahmen in der aktualisierten Richtlinie, die am 11. November, dem bekannten Single's Day – einer der größten Verkaufsveranstaltungen des Jahres – verabschiedet wurden, haben Investoren seit langer Zeit gehofft, um von Chinas Wirtschaft zu profitieren. Der Markt begrüßte zudem, dass China das Ende der Covid-Maßnahmen eingeläutet hat.

Zweitens hat die Besorgnis über den chinesischen Immobilienmarkt die Titelseiten dominiert. Jedoch wird bald ein „Boden“ eingeführt und die angekündigten Maßnahmen sind konkrete Pläne zur Bereitstellung von Liquidität für Bauträger, zugesicherte Finanzmittel zur Unterstützung der außerplanmäßigen Fertigstellung von bereits verkauften Häusern und für Ermessensspielräume auf kommunaler Ebene zur Unterstützung der Käufer.

Hier sollte man erwähnen, dass die Immobilien, die über 60  Prozent des Finanzvermögens der chinesischen Haushalte ausmachen, in den vergangenen Monaten eine Reihe von Konsolidierungen durchlaufen haben, die sich jedoch nicht auf andere Anlageklassen ausgeweitet haben. Es gab zwar ein paar besorgniserregende Anzeichen auf dem Markt, allerdings sind chinesische Haushalte im Vergleich zu den entwickelten Märkten weniger fremdfinanziert. Der MTM (Market to Market) hat sich gemeinsam mit der Hauspreiskorrektur korrigiert. Dies aber nicht ausreichend, um das Eigenkapital der Haushalte in den negativen Bereich zu bringen. Zudem ist das Einkommen aus Mieteinnahmen als Einkommensquelle in China weniger bedeutend, da es aufgrund des fehlenden Willens zu vermieten weniger Mietobjekte gibt.

Infolge der von der People's Bank of China und der CBIRC angekündigten Maßnahmen hat sich der Markt schnell erholt. Jedoch wird es langfristig wichtig sein, wie die Liquidität genutzt wird, um die Bauträger zu unterstützen und sie zu ermutigen, neue Projekte in Angriff zu nehmen. Zudem müssen wir sehen, ob die Nachfrage durch die attraktive Anzahlungspolitik und günstige Hypothekenzinsen für Erstkäufer steigen wird.

Es lässt sich nicht leugnen, dass die Beziehung zwischen den beiden führenden Regierungschefs für die Weltwirtschaft außerordentlich wichtig ist. Aus diesem Grund ist das persönliche Treffen zwischen Biden und Xi für Investoren sehr begrüßenswert und stellt den dritten Punkt auf der Checkliste dar. Insbesondere werden viele festgestellt haben, dass das Treffen drei Stunden dauerte und dass die angebliche neue Bedrohung durch den Kalten Krieg in Bidens Rede auf der Pressekonferenz nach dem Treffen zurückgenommen wurde. Es gab auch anschließende Treffen auf der obersten Führungsebene und andere positive Entwicklungen, von denen erwartet wird, dass sie sich in konkreten Taten und nicht bloß in Lippenbekenntnissen manifestieren.

 

 

 

Schließlich darf auch die Bedeutung der Körpersprache nicht unterschätzt werden. Dass das Foto, das in den chinesischen Staatsmedien veröffentlicht wurde, am Ende des Treffens zufriedene Gesichter zeigt – vor allem mit einem lächelnden Präsidenten Xi – ist eine neue Entwicklung. Sie zeigt der Öffentlichkeit sowie interessierten Beobachtern, dass die chinesische Staatsführung mit dem Treffen zufrieden war und dass die beiden Regierungschefs konstruktive Fortschritte gemacht und somit das Ziel des Treffens erreicht haben.

Auch wenn China auf dem Vormarsch ist, gibt es einen letzten Punkt, den die Anleger im Auge behalten sollten, um ihre Anlagestrategie gegenüber China zu definieren. Ein Anstieg des Konsums. Während viele noch auf starke, eindeutige Signale warten, gibt es bereits einige Anzeichen für einen Konsumanstieg. Viele sind der Meinung, dass der Konsumanstieg eine Folge der positiven Ergebnisse auf dem Immobilienmarkt sowie der Lockerungen der Covid-Maßnahmen ist, und dass die Wirtschaftsarbeitskonferenz im Dezember konkretere wirtschaftspolitische Maßnahmen liefern wird als diejenige, die von der CCP bereits eingeleitet wurden. Es lässt sich also abschließend sagen, dass sich bis jetzt 3 von 4 Punkte auf der Checkliste positiv entwickelt haben und der letzte Punkt sich ähnlich gut entwickeln könnte.

Über die Autorin: Xiaolin Chen ist seit 2016 Leiterin internationales Geschäft (Head of International) bei Kraneshares. Vor dieser Zeit hatte sie leitende Tätigkeiten bei JP Morgan Chase inne.

 

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