Studie von Union Investment Großanleger halten Atomkraft nicht für nachhaltig

Demonstration in München gegen die EU-Taxonomie

Demonstration in München gegen die EU-Taxonomie: Atomkraft und Gas sollen übergangsweise als nachhaltig eingestuft werden. Foto: Imago Images / aal.photo

In Deutschland beachten 83 Prozent der institutionellen Investoren bei ihren Anlageentscheidungen Nachhaltigkeitskriterien. Dies geht aus der Nachhaltigkeitsstudie 2022 hervor, für die Union Investment 203 institutionelle Investoren befragt hat. Gegenüber Vorjahr hat sich damit der Anteil der nachhaltig investierenden Großanleger nochmal um fünf Prozentpunkte gesteigert. Es handele sich um den höchsten Wert seit Beginn der jährlichen Investorenbefragung im Jahr 2010, teilte Union Investment mit. Ausschlusskriterien sind dabei das am häufigsten angewendete Verfahren, gefolgt vom sogenannten Best-in-Class-Ansatz.

>> Grafik vergrößern
Quelle: Union Investment

Mit zunehmender Verbreitung nachhaltiger Investments verändere sich auch die Einstellung der Anleger. Erstmals ist der am häufigsten genannte Grund die eigene Überzeugung (21 Prozent). Regulatorische Anforderungen nennen noch 14 Prozent als Hauptmotiv. Im Vorjahr war dagegen noch die Regulierung das wichtigste Motiv. „Nachhaltigkeit ist für Investoren nicht länger eine Pflichtübung, sondern unverzichtbarer Bestandteil der Kapitalanlage“, sagt André Haagmann, als Vorstand von Union Investment zuständig für institutionelle Kunden.

Dazu dürften wesentlich positive Erfahrungen beigetragen haben, urteilt die Fondsgesellschaft. Die befragten Großanleger, die nachhaltig und konventionell investieren, bescheinigen dem nachhaltigen Portfolio mehrheitlich eine ähnliche und sogar bessere Renditeentwicklung (69 Prozent). Lediglich fünf Prozent sehen das nachhaltige Portfolio im Nachteil. Ähnlich sind die Erfahrungen beim Risiko: So stufen 68 Prozent der Investoren das nachhaltige Portfolio auf gleicher Stufe oder sogar besser ein. Nur sechs Prozent sind anderer Meinung.

>> Grafik vergrößern
Quelle: Union Investment

Mit Blick auf die zukünftige Marktentwicklung sind die Großanleger weiterhin optimistisch. So erwarten 85 Prozent, dass das Volumen nachhaltiger Kapitalanlagen in den kommenden zwölf Monaten weiterwachsen wird. Bei der Bewertung nachhaltiger Investments steht dabei nur für 40 Prozent der Großanleger die Rendite an erster Stelle. Für 60 Prozent hat dagegen die Nachhaltigkeitswirkung höchste Priorität. „Viele Investoren haben die Erfahrung gemacht, dass sich Nachhaltigkeit positiv auf Risikomanagement und Rendite auswirken kann“, so Haagmann. Daher richteten sie den Blick nun verstärkt auf die Wirkung ihrer Anlagen.

Zahl aktiver Aktionäre ist gestiegen

Unter den Großanlegern ist auch die Zahl derer gestiegen, die sich nach eigenen Angaben als aktive Aktionäre für Nachhaltigkeit einsetzen. Mehr als die Hälfte der Großanleger (52 Prozent) gibt an, einen Dialog zu ESG-Themen mit Emittenten zu führen. Das sei eine Steigerung um 15 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr, heißt es.

Wissenslücken gibt es beim Thema Regulierung. Bislang kennt nur knapp die Hälfte der Befragten die sogenannte EU-Offenlegungsverordnung. Allerdings geben 40 Prozent an, die Verordnung bereits genau zu kennen. Über rudimentäre Kenntnisse verfügen eigenen Angaben zufolge neun Prozent.

Weitgehend einig sind sich die Investoren in ihrer Haltung gegenüber der Atomkraft, die im Rahmen der EU-Taxonomie übergangsweise als nachhaltig eingestuft werden soll: 89 Prozent sind der Auffassung, dass Atomkraft nicht nachhaltig ist. Für Union Investment seien Katastrophenrisiken bei Atomkraftwerken und die nicht gelöste Frage der Endlagerung Gründe für einen Ausschluss, so Haagmann.

Über die Studie:
Für die diesjährige Untersuchung wurden Union Investment zufolge zwischen Januar und April 2022 insgesamt 203 institutionelle Investoren in Deutschland befragt, die zusammen ein Vermögen von etwa fünf Billionen Euro verwalten. Zu den Befragten zählen Versicherungen (Anteil: 12 Prozent), Großunternehmen (17 Prozent), Altersversorger/Pensionskassen (14 Prozent), Stiftungen/Kirchen (17 Prozent), Kreditinstitute (21 Prozent) und Kapitalverwaltungsgesellschaften (19 Prozent).