Um 25 Basispunkte EZB peilt Leitzinserhöhung im Juli an

EZB-Chefin Christine Lagarde im Rahmen der jüngsten EZB-Ratssitzung in Amsterdam

EZB-Chefin Christine Lagarde im Rahmen der jüngsten EZB-Ratssitzung in Amsterdam: Die EZB will erstmals seit 2011 die Leitzinsen im Euroraum anheben. Foto: Imago Images / ANP

Die Europäische Zentralbank will erstmals seit April 2011 die Leitzinsen anheben, und jetzt gibt es auch einen konkreten Termin dafür: Zum 1. Juli wollen die Währungshüter zunächst die Netto-Anleihekäufe beenden und damit den Weg für eine nachfolgende Zinserhöhung freimachen.

Noch im Juli sollen dann die Leitzinssätze jeweils um 0,25 Prozentpunkte angehoben werden: Neben dem Hauptrefinanzierungsatz der Eurozone, gemeinhin gleichgesetzt mit „dem Leitzins“, der derzeit bei null Prozent liegt, betrifft das auch den Einlagenzins (aktuell - 0,5 Prozent) und den Spitzenrefinanzierungszins (aktuell 0,25 Prozent). Im September könnte eine weitere Zinserhöhung folgen. Insgesamt wolle man die Leitzinsen voraussichtlich und abhängig von der weiteren Inflationsentwicklung „schrittweise, aber nachhaltig“ weiter anheben, teilt die EZB mit.

Die jetzt angekündigte Zinsanhebung wird von vielen Marktteilnehmern bereits ungeduldig erwartet: Die EZB müsse dringend die zuletzt ausufernde Inflation bekämpfen, lautet eine verbreitete Forderung. Höhere Zinsen könnten die aktuell schnell voranschreitende Geldentwertung einhegen, indem sie die im Umlauf befindliche Geldmenge verknappten. Für Mai 2022 wurde in Deutschland eine Inflationsrate von 7,9 Prozent gemessen – um diesen Wert stiegen die Verbraucherpreise gegenüber Mai 2021 an.

Der Präsident des Münchener Ifo-instituts, Clemens Fuest, spricht angesichts der jetzt angekündigten Zinsanhebung von einem „richtigen Schritt, der aber zu spät kommt“. Angesichts von Inflationsraten bei nahezu 8 Prozent hätten die Währungshüter die Anleihekäufe der EZB, die immerhin noch zusätzliches Geld in Umlauf bringen, früher stoppen müssen.

Den Befürwortern von schnellen Zinsanhebungen stehen jene Ökonomen entgegen, die in dem Fall eine ungesunde Verschärfung der Schuldensituation im Euroraum befürchten. Auch im EZB-Rat ist dieses Thema präsent. Unter den Euroländern haben vor allem die südlichen Staaten in den vergangenen Jahren erhebliche Staatsschulden angehäuft, höhere Zinsen würden für sie zu einer zunehmend schwer zu schulternden Last. Zinserhöhungen können zudem die Konjunktur drücken: Teurere Kredite bremsen die Nachfrage.

Die US-amerikanische Notenbank Fed hatte angesichts steigender Inflationsraten bereits im März vom Nullniveau aus mit einer moderaten Zinsanhebung um 25 Basispunkte begonnen. Anfang Mai legten die Notenbanker noch einmal nach. So liegen die Leitzinsen der USA mittlerweile in einem Zinskorridor von 0,75 und 1,0 Prozent.

Statistik: Entwicklung des Zinssatzes der Europäischen Zentralbank für das Hauptrefinanzierungsgeschäft von 1999 bis 2022 (Stand: April 2022) | Statista
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