Fondsmanager Henning Gebhardt im Interview „Wer sagt, dass Zinsen mittelfristig nicht wieder über 6 Prozent steigen?“

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Das Interview mit Henning Gebhardt zum Nachlesen:

private banking magazin: Herr Gebhardt, wir sprechen heute über die Inflation. Sie liegt bei 5,8 Prozent in der Eurozone, fast 8,0 Prozent in den USA. Ordnen Sie uns als Kapitalmarkt-Experte dieses Phänomen doch mal ein.

Henning Gebhardt: Das ist eine neue Situation. Wir haben die letzten 20 bis 30 Jahre keine Inflationsraten gehabt, die irgendwie auch nur annähernd in dieser Richtung lagen. Viele der Anleger kennen das gar nicht mehr. Wir haben auch das Phänomen steigender Zinsen eigentlich schon völlig vergessen, haben 30 Jahre sinkende Zinsen gehabt.

Diese ganze Veränderung wird dazu führen, dass man sich völlig neu einstellen muss.“

Und man muss jetzt ganz klar sagen: Diese ganze Veränderung wird dazu führen, dass man sich völlig neu einstellen muss. Was bedeuten höhere Zinsen? Hat das Auswirkungen auf das Wachstum? Wird das eine Veränderung der Anlageklassen haben? Ist es eine Veränderung der Performance? Muss ich das Risiko verändern? Das sind alles Fragen, an denen man die Portfolien und die Anlagestrategie neu ausrichten muss.

Die EZB, aber ganz besonders die Fed, haben das Narrativ, die Inflation im Zaum zu halten. Das ist doch ein Offenbarungseid. Das kann doch gar nicht mehr funktionieren, oder?

Gebhardt: Das kann schon funktionieren. Entscheidend ist natürlich, was auf der Lohnseite passiert. Wenn die Erwartungen dauerhaft so sind, dass die Inflationsraten hoch sind und sich die Arbeitnehmer und die Verhandlungspartner darauf einstellen, dass sie dann auch diese höheren Preise ausgleichen, dann müssen im Prinzip auch Lohnerhöhungen kommen. Dann wären wir in einer Lohn-Preis-Spirale und das wäre äußerst unangenehm. Wenn wir die nicht bekommen, kann es auch durchaus sein – wenn sich Nachfrage-Ketten und Angebotsthemen verändern –, dass die Inflation langsam wieder sinkt. Aber wir haben jetzt eine Übergangsphase, wo sie definitiv erhöht bleibt.


Westdeutsche Rentner erhalten ab Juli diesen Jahres 5,3 Prozent mehr Rente. Ist das ein Zeichen?

Gebhardt: Das ist ein Zeichen. Im Endeffekt gibt es dafür eine Berechnungsformel, von daher ist es schon richtig, dass man das macht. Auf der anderen Seite: Das muss am Ende auch irgendwie finanziert werden. Das wird schon interessant werden, wie die Rententöpfe, die ja sowieso schon leer sind, mittelfristig wieder gefüllt werden.

Wir kommen aber gar nicht mehr, ganz egal wie hoch die Zinsen steigen, in einen realen Kapitalerhalt. Die Zinsen werden doch immer, ganz egal was jetzt passiert, unterhalb der Inflation bleiben, oder?

Gebhardt: Nein, nicht immer. Das ist gar kein Gesetz. Es kann ja durchaus sein, dass wir mittelfristig wieder positive Realzinsen haben. Entweder kommt die Inflationsrate runter oder die Zinsen müssen steigen. Wir haben uns jetzt sehr stark an niedrige Zinsen gewöhnt. Aber wer sagt uns denn, dass Zinsen mittelfristig nicht auch wieder über 6 Prozent steigen? Das wäre eine große Herausforderung, wir haben jetzt schon das zweite Jahr in Folge negative Renditen im Rentenmarkt. Das ist auch eine große Herausforderung für diejenigen, die stärker in festverzinslichen Anlagen investieren.

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