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Systematische Handelsansätze Wie Hedgefonds-Strategien jetzt abschneiden

Börse New York

Börse New York: Das volatile Umfeld bietet viele Möglichkeiten für den Kapitaleinsatz. Foto: Imago Images / Xinhua

Von vielen Unsicherheiten sind derzeit die Märkte geprägt. Nachdem die US-Notenbank im Januar eine restriktivere Geldpolitik ankündigte, spielt sich nun eine Tragödie in der Ukraine ab, die weitreichende Konsequenzen für das politische und wirtschaftliche Gleichgewicht in der Welt hat. Es überrascht nicht, dass die Kapitalströme aktuell sichere Anlagen wie US-Staatsanleihen bevorzugen, um die Volatilität zu umgehen. Im Fokus des Anlegerinteresses stehen die Rohstoffpreise, weil die kriegführenden Länder wichtige Produzenten von Öl, Gas und anderen Rohstoffen sind. Ein unkontrollierter Anstieg der Inputkosten für die Volkswirtschaften rund um die Welt wird die ohnehin hohe Inflation noch weiter befeuern.

Die Aktienmärkte können derzeit in zwei Kategorien unterteilt werden. Aktien aus rohstoffreichen Exportländern lagen zuletzt leicht im Plus, während die überwiegende Mehrheit der Aktienindizes von Wirtschaftsregionen, die auf stabile Inputkosten angewiesen sind, im mittleren einstelligen Bereich nachgaben. Auf Sektorebene schnitten zyklische Werte wie Energie und Grundstoffe besser ab als defensive Sektoren wie das Gesundheitswesen und Basiskonsumgüter.

Die Renditen festverzinslicher Wertpapiere waren im Laufe des Monats volatil. Die Renditen der meisten Staatsanleihen kamen ins Rutschen, als Russland die Ukraine überfiel und die Anleger in sichere Häfen drängten. Höherer Inflationsdruck und makroökonomische Unsicherheit trieben die Spreads für Investment-Grade- und Hochzins-Anleihen nach oben.

Rohstoff-Futures haben sich gut entwickelt; vielleicht zu gut, da die Kassapreise für bestimmte Energie- und Agrarfutures ein Niveau erreicht haben, das zu Protesten und Aufruhr in der ganzen Welt führen könnte.

Der HFRX Global Hedge Fund EUR erzielte im Berichtsmonat eine Rendite von -0,47 Prozent.

Long-Short-Aktien

Long-Short-Aktienstrategien entwickelten sich im Vergleich zu Aktienindizes zuletzt gut. Es zeigte sich eine gewisse Streuung, da auf Rohstoffe fokussierte Strategien tendenziell sehr gute Renditen erzielten, während Hedgefonds-Manager, die sich auf TMT-Unternehmen (Technologie, Medien, Telekommunikation) und zyklische Konsumgüter konzentrieren, einen weiteren schwierigen Monat durchlebten. Die durchschnittliche Performance für das gesamte Universum ist leicht gestiegen. Natürlich schnitten direktionale Strategien schlechter ab als Low-Net- und marktneutrale Long-Short-Fonds. In Anbetracht der derzeitigen Unsicherheit und Volatilität haben die Manager ihre Brutto- und Nettoengagements durchweg zurückgefahren. Wir gehen nicht davon aus, dass Long-Short-Fonds nennenswerte Risiken eingehen werden, solange keine Klarheit über eine Lösung des aktuellen Ukraine-Konflikts besteht. Kurzfristig erwarten wir, dass gute Long-Short-Equity-Strategien das Kapital ihrer Anleger schützen, indem sie ihre Brutto- und Netto-Exposures in der Nähe ihrer unteren Durchschnittswerte halten. Der Ukraine-Krieg wird einige der Herausforderungen, denen Unternehmen auf der ganzen Welt gegenüberstehen, noch verschärfen. Unser Ansicht nach könnte sich aus einer Long-Short-Perspektive ein Vorteil für Long-Only-Aktienstrategien ergeben.

Global-Macro-Strategien

Global-Macro-Strategien gehören zu den Strategien mit der größten Streuung der Renditen, da das volatile Umfeld viele Möglichkeiten für den Einsatz von Kapital bietet. Die durchschnittliche Performance der Strategie fiel zuletzt bescheiden aus, war aber positiv. Die besten Performer erzielten sogar hohe zweistellige Renditen. Die wichtigsten Performancefaktoren für die Strategie waren das Zinsgeschäft, Long-Positionen in Rohstoffen sowie Portfolioabsicherungen. Global-Macro-Strategien werden sich als besonders einträglich erweisen, wenn die Zentralbanken ihre Liquiditätsspritzen reduzieren und Zinserhöhungen vornehmen. Der Ukraine-Krieg hat nun einen Teil der von uns erwarteten Marktvolatilität ausgelöst, währenddessen die fiskalische und monetäre Unterstützung abnimmt. Die Risikoprämien für Vermögenswerte bewegen sich auf breiter Front. Global-Macro-Manager dürften in der Lage sein, von diesen Marktbewegungen zu profitieren. Diskretionäre, opportunistische Manager mit ausgeprägten analytischen Fähigkeiten und Erfahrungen sind jetzt in der Lage, Chancen weltweit zu nutzen.

Quantitative Strategien

Quantitative Strategien schneiden sowohl auf relativer als auch auf absoluter Basis sehr gut ab. Trendfolgestrategien erzielten im Berichtsmonat starke Gewinne, vor allem im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren und Rohstoffen. Quantitative Multi-Modell-Strategien nutzen weiterhin die höhere Volatilität, um gute Renditen zu erzielen. In der Regel handelt es sich dabei um Strategien, die über verschiedene Marktumgebungen hinweg konsistente Renditen erzielen, auch wenn erhebliche Ressourcen erforderlich sind, um in diesem Markt mitspielen zu können.

Festverzinsliche Arbitrage

Der Markt für festverzinsliche Wertpapiere steht unter dem Einfluss gegensätzlicher Kräfte. Auf der einen Seite löst der Ukraine-Krieg eine Flucht in Sicherheit aus, die die Renditen nach unten drückt. Auf der anderen Seite gewinnt die Inflation aufgrund steigender Rohstoffpreise an Fahrt und treibt die Renditen in die Höhe. Die Frage ist nicht mehr, ob die Inflation nur von kurzer Dauer, sondern wie stark sie sich ausbreiten wird. Infolgedessen ist die Volatilität der Zinssätze gestiegen, weil die Marktentwicklung höheren Zinssätzen eigentlich entgegensteht. In diesem Umfeld ist Flexibilität von entscheidender Bedeutung.

Schwellenmärkte

Schwellenländerstrategien hatten einen schwierigen Monat, da als erste Reaktion auf den Ukraine-Krieg – ein Krieg, in den zwei wichtige Schwellenländer verwickelt sind – die Flucht in sichere Anlagen erfolgte. Allerdings dürften die geopolitischen Auswirkungen der russischen Invasion wahrscheinlich längerfristige Folgen für die Welt bedeuten. Eine anhaltende Phase hoher Rohstoffpreise könnte daher Anlagemöglichkeiten in rohstoffreichen Regionen wie Lateinamerika bieten.

Event-Driven-Strategien

Event-Driven-Strategien erwiesen sich im Laufe des Monats als sehr widerstandsfähig gegenüber einem Markt, der in Panik verfiel. Im Durchschnitt waren die Renditen bescheiden, aber positiv. Die Marktteilnehmer in diesem Segment erwarten 2022 keine Wiederholung der Rekordaktivität des vergangenen Jahres, aber sie gehen davon aus, dass eine Vielzahl von Übernahmen bevorstehen, für die Kapital eingesetzt werden kann. Steigende Zinsen und die Volatilität von Aktien sind Risikofaktoren, die in Zukunft ernster genommen werden müssen – obwohl sie auch dazu beitragen, dass die Spreads breiter werden und die Strategie weniger überlaufen ist. Da Anleger derzeit verstärkt nach Diversifizierungsmöglichkeiten suchen, bietet die Fusions- und Übernahme-Arbitrage ein interessantes, kurzlaufendes Instrument, bei dem die Transaktionsspannen positiv mit dem Anstieg der Zinssätze korreliert sind.

Distressed-Strategien

Das Umfeld für Distressed-Strategien, die in Unternehmen investieren, die sich in finanzieller Not- oder Schieflage befinden, ist derzeit relativ ruhig. Die Spreads haben sich seit Anfang des Jahres ausgeweitet, nachdem sich die wirtschaftlichen Fundamentaldaten verschlechtert haben. Dennoch bleiben die Spreads bei Anleihen, Krediten und strukturierten Produkten, von Einzelfällen abgesehen, relativ eng. Auch wenn die Möglichkeiten nach wie vor relativ bescheiden sind, liegen die aktuellen wirtschaftlichen Unsicherheiten auf der Hand, da die Zentralbanken angesichts des derzeitigen Inflationsniveaus nur begrenzt in der Lage sein werden, den Markt erneut zu retten. Die Emissionsvolumina waren seit 2010 sehr hoch, während der Zugang zu Krediten relativ einfach war, woraus sich viele Investitionsmöglichkeiten, verstärkt durch den Ukraine-Krieg, ergeben dürften.

Long-Short- und Hochzinsanleihen

Die Spreads haben sich ausgeweitet, befinden sich aber weiterhin in der Nähe ihrer historischen Tiefstände. Die Anleger gehen davon aus, dass die Macht des „Fed-Put“ allmählich nachlässt, was die Möglichkeiten für die Auswahl von Anleihen aus einer Long-Short-Perspektive verbessert. Einige Hedge-Fonds mit Research-Fokus auf Asien nutzen die Möglichkeiten, die sich ihnen bei chinesischen Immobilienkrediten bieten. Obwohl das Evergrande-Debakel noch immer nicht vom Tisch ist, dürfte es der chinesischen Regierung schwerfallen, eine Wiederholung eines Lehman-Szenarios zuzulassen – die Bedeutung von Immobilien für die chinesische Wirtschaft ist zu groß. Insgesamt haben sich die Spreads der Schwellenländer erheblich ausgeweitet. Dies wird von vielen Managern als verlockende Chance gesehen, da die Zentralbanken der Schwellenländer der Zeit voraus sind – eine straffere Geldpolitik und hohe Rohstoffpreise werden den Exportländern helfen, solide Bilanzen vorzulegen.