Von Privatbanken und Family Offices „Junge Unternehmer fühlen sich nicht mehr abgeholt”

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Kosten spielen beim Thema Finanzen immer eine Rolle. Wie sieht das Pricing aus?

Leckelt: Der Zugang zur Plattform ist kostenlos. Mitglieder können also erst einmal reinschnuppern und erhalten Zugang zum personalisierten Dashboard und unserem Journal. Die weiteren Services der Plattform können direkt aus dem Dashboard genutzt werden. Hierfür zahlen unsere Mitglieder marktgerechte Preise.

Sie sprechen explizit Unternehmer und Investoren an. Haben auch private Anleger Zugang zur Unternehmerplattform?

Leckelt: Absolut. Unternehmer, Investoren und private Anleger schließen sich nicht aus. Allerdings legen wir – anders als beispielsweise N26 – den Fokus klar auf Unternehmer, vermögende Privatpersonen und semi-institutionelle Investoren. Die haben neben dem Giro-, Tagesgeld und Geschäftskonto doch deutlich weitergehende Anforderungen – hier möchten wir ansetzen und zukunftsweisende, digitale Lösungen bieten.

Sind solche Kunden heute nicht aber bei ihrem Vermögensverwalter oder Family Office gut aufgehoben?

Leckelt: Das mag für die ältere Unternehmergeneration stimmen. Erfolgreiche junge Unternehmer fühlen sich jedoch heute von der Privatbank oder dem klassischen Family Office nicht mehr abgeholt. Diese Personen sind häufig extrem innovativ und digital affin. Das erwarten sie auch von ihrem Banking-Partner.

Wettbewerber wie Neufund planen bereits Unternehmenstransaktionen auf Basis von Security Tokens zu realisieren. Wird das über Wevest ebenfalls möglich sein?

Siebert: Grundsätzlich beobachten wir alle relevanten technologischen Entwicklungen mit Schnittstellen zu unserem Kerngeschäft genau. Security Tokens besitzen nach unserer Einschätzung das Potential Unternehmenstransaktionen in der Zukunft deutlich schneller, effizienter und kostengünstiger durchzuführen. Wir arbeiten bereits an einem eigenen Service und haben unser Management-Team kürzlich mit Didier Goepfert, einem ausgewiesenen Blockchain-Experten, verstärkt.

Wie weit sind Sie mit der Abbildung von Transaktionen auf der Blockchain?

Siebert: Wir wollen den Service innerhalb eines sicheren rechtlichen Rahmens bereitstellen, der den Anlegerschutz und die Vorteilhaftigkeit einer Transaktionsabwicklung auf der Blockchain gleichermaßen berücksichtigt. Security Tokens sind nach Auffassung der BaFin als Finanzinstrumente zu betrachten. Mit der erstmaligen Genehmigung eines Wertpapierprospektes für einen STO am 30. Januar hat die BaFin einen ersten Schritt hin zu einer klareren Regulierung gewagt. Eine dezidierte Blockchain-Regulierung gibt es in Deutschland jedoch nicht. Aber die Bundesregierung hat kürzlich  zumindest die Ausarbeitung einer eigenen Blockchain-Strategie angekündigt und möchte sich auf europäischer und internationaler Ebene für die Schaffung eines angemessenen Regulierungsrahmens für Kryptowährungen und Token einsetzen. Ein längst überfälliger Schritt.



Über die Interviewten:
Jens Siebert ist Vorstand des Berliner Start-ups Wevest.

Andreas Leckelt ist Vorstand der Comvest Holding und Aufsichtsratsvorsitzender der digitalen Unternehmerplattform Wevest Digital.