243 Millionen Euro Union Investment fordert Schadensersatz von Wirecard

Die ehemalige Konzernzentrale von Wirecard in München

Die ehemalige Konzernzentrale von Wirecard in München: Union Investment fordert Schadensersatz vom Insolvenzverwalter des einstigen Vorzeigeunternehmens Foto: Imago Images / Eibner

Union Investment macht Verluste in Höhe von 243 Millionen Euro geltend und fordert Schadensersatz wegen des Zusammenbruchs von Wirecard. Deshalb hat der Asset Manager nun Klage bei der Staatsanwaltschaft in München gegen den Wirecard-Insolvenzverwalter eingereicht. In der Klage würden mehr als 70 Veröffentlichungen und Unternehmensaussagen zitiert, die Wirecard zwischen 2014 und 2020 gemacht hat und die nach Ansicht der Union irreführend und betrügerisch sind, berichtet die Financial Times.

„Unser Mandant wurde durch betrügerische und irreführende Aussagen von Wirecard zum Kauf der Wertpapiere veranlasst“, sagte Nadine Herrmann von der von Union Investment beauftragten Kanzlei Quinn Emanuel der Zeitung. Zudem forderte die Anwältin, dass Schadenersatzforderungen von Aktionären ähnlich denen von Gläubigern in einem Insolvenzverfahren behandelt werden sollten. Forderungen der Anteilseigner in einem Insolvenzverfahren stehen nach deutschem Recht in der Regel an letzter Stelle.


Ein Sprecher von Union Investment geht davon aus, das man deshalb überhaupt keine Entschädigung erhalten würde. Die Klage sei von der Notwendigkeit geleitet, „im besten Interesse unserer Kunden“ zu handeln. Sollte die Klage erfolgreich sein, wäre dies ein Schlag für Banken und Anleihegläubiger, die Wirecard mehr als drei Milliarden Euro geliehen haben und dadurch möglicherweise gezwungen wären, sich an einer eventuellen Auszahlung des Insolvenzverwalters zu beteiligen. Die von Union Investment eingereichte Klage könnte zudem Vorbild für weitere institutioneller Aktionäre sein, die durch den Zusammenbruch von Wirecard Verluste in Höhe von fast zwei Milliarden Euro erlitten haben und eine Entschädigung fordern. 

Laut Financial Times haben Gläubiger, Aktionäre und weiter Geschädigte beim Insolvenzverwalter Michael Jaffé Forderungen in Höhe von mehr als 14 Milliarden Euro angemeldet. Jaffé und sein Team haben demnach bisher rund 600 Millionen Euro durch den Verkauf von Wirecard-Vermögenswerten eingenommen, darunter durch den Verkauf des europäischen Kerngeschäfts an die spanische Bank Santander und den von Wirecard Nordamerika an das US-Zahlungsunternehmen Syncapay.