Philantropie „Spender wollen entwicklungspolitisch wirken“

Martin Block ist Leiter der Servicestelle für Stiftungen und Philanthropie bei Engagement Global.

Martin Block ist Leiter der Servicestelle für Stiftungen und Philanthropie bei Engagement Global.

private banking magazin: Wer ist Engagement Global?

Martin Block: Engagement Global ist die Förder- und Beratungseinrichtung des Bundesentwicklungsministeriums für die deutsche Zivilgesellschaft und Kommunen. Wir beraten, begleiten und finanzieren unter anderem Träger und deren Entwicklungsvorhaben im globalen Süden. Und es ist eine wichtige Aufgabe, alle Interessierten mit Rat und Tat zu unterstützen, die sich entwicklungspolitisch engagieren möchten und noch nicht genau wissen, wie sie das tun können.

Für wen ist Ihr Angebot relevant?

Block: Unsere Servicestelle für Stiftungen und Philanthropie wendet sich an deutsche Stiftungen, die sich bereits philanthropisch engagieren oder dies planen, sowie an Einzelpersonen und Familien. Auch Berater bei Banken, Family Offices, Anwaltskanzleien, Steuer- und Anlageberatungen wollen Know-how zu den gemeinnützigen Zielen ihrer Klienten aufbauen. Wichtig für alle Interessierten ist, dass wir hundertprozentige Diskretion wahren, neutral sind und kostenfrei arbeiten.

Mit welchen Fragen und Herausforderungen können potenzielle Geldgeber zu Ihnen kommen?

Block: Es gibt eine wachsende Zahl von Philanthropen, die sich an uns wenden, um seriöse Empfehlungen für Entwicklungsorganisationen zu erhalten, um ihnen einen Betrag zuzuwenden. Aus unseren Förderprogrammen kennen wir Hunderte von deutschen Trägern mit ihren Profilen. Aus diesen wählen wir Vorschläge aus, wenn wir mit ihnen gute Erfahrungen machen. Oft sind es kleinere gemeinnützige Träger, die wir empfehlen, die man kaum allein finden würde. In der Regel schlagen wir mehrere geeignete NGOs vor, zwischen denen Spendenwillige dann auswählen.

Welche Summen vermitteln Sie im Durchschnitt?

Block: Die Spendenhöhe variiert stark vom niedrigen fünf- bis zum mittleren sechsstelligen Bereich. Einige Förderstiftungen und private Spender wollen erst Erfahrungen sammeln und fangen klein an. Manchmal erfahren wir die Summe auch gar nicht, oder sie steigert sich im Lauf der Jahre. Es sind schon dauerhafte Partnerschaften entstanden, die dann ohne uns weiterlaufen. Oder es werden Träger ins Testament eingesetzt und erhalten die Zuwendung posthum.

Nach welchen Kriterien vermitteln Sie Projekte?

Block: Im Dialog mit den Spendenden klären wir, welche Faktoren ihnen wichtig sind. Gibt es eine Weltregion oder ein Land, in dem sie wirken möchten? Ist ein spezieller Sektor erwünscht, beispielsweise Ernährung, Bildung oder Umwelt? Soll ein Schwerpunkt auf einer Zielgruppe wie Kinder oder Frauen liegen? Mit diesem an den Wünschen der Klienten orientierten Blick wählen wir passende Empfänger aus. Ein gemeinsames Interesse zwischen uns als Vernetzer und den Spendenden ist die entwicklungspolitische Wirksamkeit. Die Mittel sollen möglichst hohen und
dauerhaften Impact erzielen, das wollen alle Beteiligten.

 

 

Welche Rolle spielt dabei Nachhaltigkeit?

Block: Die Agenda 2030 mit ihren 17 Zielen ist seit ihrer Verabschiedung 2015 für die deutsche Entwicklungspolitik handlungsleitend. Doch nicht nur der Staat soll sich entwicklungspolitisch einsetzen, sondern alle, denen globale Gerechtigkeit und weltweite Nachhaltigkeit wichtig sind. Nachhaltigkeit muss auch von der Wirtschaft, dem Finanzsektor, der Wissenschaft und von Zivilgesellschaft, Stiftungen, Philanthropie und allen Einzelnen angepackt werden, sonst kommen wir nicht zum Ergebnis. Daran arbeiten wir mit.