Corona-Folgen für Unternehmen Nach der Fed ist der US-Kongress am Zug

Der US-Kongress in Washington D.C.: Stockende Verhandlungen über gigantische Hilfspakete für US-Unternehmen und private Haushalte. | © imago images / robertharding

Der US-Kongress in Washington D.C.: Stockende Verhandlungen über gigantische Hilfspakete für US-Unternehmen und private Haushalte. Foto: imago images / robertharding

Die Federal Reserve (Fed) hat am Montag, 23. März auf die Corona-Virus-Krise reagiert und eine unbefristete quantitative Lockerung (QE) sowie den Kauf von kurzfristigen Investment-Grade-Unternehmensschulden und börsengehandelten Fonds (ETFs) angekündigt. Solche Maßnahmen wurden selbst auf dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise vor etwas mehr als einem Jahrzehnt nicht verabschiedet.

Die Entscheidung zum Kauf von Unternehmensschuldtiteln und ETFs orientiert sich an der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bank of Japan. Marktteilnehmer hatten insgesamt nicht mit einem solchen Schritt seitens der Fed gerechnet. Die Tatsache, dass die Käufe auf das gesamte Investment-Grade-Spektrum abzielen und nicht auf AAA-Emittenten beschränkt sein werden, ist mutig. Diese Maßnahmen zeigen, dass die Fed die Notwendigkeit einer kreativen, entschlossenen und anpassungsfähigen Strategie zur Bekämpfung der aktuellen Krise versteht.

Weiterhin möchte die US-Notenbank die von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffenen privaten Haushalte und Unternehmen gezielt entlasten, die Wirtschaftstätigkeit ankurbeln und das reibungslose Funktionieren der Geld- und Kreditmärkte sicherstellen. Die Unterstützung der Fed kann der US-Wirtschaft helfen, den Schock zu überstehen und die Voraussetzungen für eine starke Erholung in der zweiten Jahreshälfte schaffen.

Hoffnung auf begrenzte Dauer der Maßnahmen

Allerdings gelten hierfür zwei Bedingungen: Erstens muss die von der Regierung angeordnete Stilllegung großer Teile der Wirtschaft von überschaubarer Dauer sein. Die Maßnahmen hinsichtlich der sozialen Distanz und von Kontaktverboten wurden in einigen US-Staaten jüngst noch einmal ausgeweitet. Wenn sich diese Maßnahmen als wirksam erweisen, sollte die Ansteckungsgefahr bereits im Laufe der kommenden Wochen verringert werden können. Sobald sich die Kurve des Anstiegs abflacht, sollte eine allmähliche Lockerung der Präventivmaßnahmen außerhalb der am schlimmsten betroffenen Gebiete ermöglicht werden. Mit der richtigen monetären und steuerlichen Unterstützung sollte die Mehrheit der betroffenen Unternehmen dann in der Lage sein, den Betrieb wieder aufzunehmen, wenn sich die Situation normalisiert.

Zweitens sollte der US-Kongress in den nächsten Tagen ein Paket von Steuererleichterungen auf den Weg bringen, die direkte Barzahlungen an Einzelpersonen, erweiterte Arbeitslosenunterstützung und bezahlten Notfallurlaub sowie eine Form von Miet-/Hypothekenunterbrechungen für betroffene kleine und mittlere Unternehmen und finanzielle Unterstützung für Unternehmen in den am stärksten betroffenen Sektoren ermöglichen.

Der derzeit im Kongress befindliche Gesetzentwurf würde auch die Reichweite der neu angekündigten Kreditfazilitäten der Fed erhöhen: Er würde es dem Finanzministerium ermöglichen, der Fed zusätzliche 425 Milliarden US-Dollar an Eigenkapital zuzuweisen, was zusätzliche 4 Billionen US-Dollar an potenziellen Krediten bedeuten würde. Dieses Hilfspaket hat ein Volumen von rund 2 Billionen US-Dollar oder 10 Prozent des US-Bruttoinlandsprodukts. In Synergie mit dem Maßnahmenpaket der Fed würde es einem großen Teil der Unternehmen und Haushalte ermöglichen, die derzeitigen Turbulenzen zu überstehen. Der Schaden für die Wirtschaft – und für den Lebensunterhalt zahlloser Personen – wird immer noch beträchtlich sein, aber diese Kombination aus Steuer- und Geldpolitik würde es der Mehrheit der Unternehmen ermöglichen, einen Bankrott zu vermeiden und ihre Mitarbeiter nach dem Ende der Notlage wieder einzustellen und zu bezahlen.

Beruhigung für die Finanzmärkte

Weiterhin wäre eine kombinierte Finanz- und Geldpolitik auch notwendig, um die Finanzmärkte zu beruhigen. Ohne die fiskalische Komponente kann die Geldpolitik dies nicht alleine tun – und die Investoren sind sich dessen bewusst.

Es ist an der Zeit, dass der Kongress die parteipolitischen Auseinandersetzungen beendet und die dringend notwendige Unterstützung gewährt, die die US-Haushalte und Unternehmen derzeit benötigen. Fluggesellschaften, Autohersteller und Einzelhändler sind nicht in Schwierigkeiten, weil sie etwas falsch gemacht haben. Sie machen sich keines rücksichtslosen Verhaltens schuldig, das durch eine Rettungsaktion geduldet und gefördert würde. Keine tragfähige Geschäftsstrategie hätte sie gegen einen Schock dieser Größenordnung absichern können. Finanzielle Unterstützung für Haushalte und kleine und mittlere Unternehmen sollte zeitlich begrenzt sein, um sie durch die Krise zu überbrücken – aber sie sollte so schnell wie möglich beginnen.

Die Fed hat als einer der größten Akteure am Markt vorgelegt. Jetzt ist der Kongress in der Bringschuld. Die Abgeordneten und Senatoren müssen aufhören, sich zu streiten und jetzt handeln.