Zinspolitik Wie die Fed-Maßnahmen den US-Abschwung bremsen sollen

Jerome Powell, Präsident der Federal Reserve: Niedrigere Leitzinsen sollen die wirtschaftlichen Folgen des Corona-Virus abfangen. | © imago images / UPI Photo

Jerome Powell, Präsident der Federal Reserve: Niedrigere Leitzinsen sollen die wirtschaftlichen Folgen des Corona-Virus abfangen. Foto: imago images / UPI Photo

Die jüngste Entscheidung der Fed, die Leitzinsen weiter zu senken, halten viele Marktteilnehmer für wirkungslos. Sie argumentieren, dass der finanzielle Anreiz die Menschen nicht zurück in die Kaufhäuser oder Restaurants bringe, weil sie Angst haben, sich mit dem Virus anzustecken.

Dem Standpunkt, dass die Senkung der Leitzinsen wirkungslos sei, widerspreche ich aus drei Gründen: Erstens: Die von der Fed angekündigten Maßnahmen zusammen mit den steuerlichen Anreizen unterstützen die Unternehmen dabei, die Anzahl der Entlassungen zu reduzieren und weiterhin zu produzieren. Die Arbeitnehmer behalten auf diese Weise ihren Arbeitsplatz und können weiter konsumieren. Zwar werden sie nicht in Einkaufzentren gehen, aber sie können ihre Lebensmittel online bestellen. Sie können ihre Mobilfunkverträge aufrechterhalten, weil sie weiterhin Löhne und Gehälter beziehen. Die Entscheidung der Fed beeinflusst das Konsumverhalten daher positiv.

Zweitens wird sich die Wirtschaft schneller erholen, wenn die Unternehmen durchproduzieren und in vier bis sechs Wochen, wenn der Virus eingedämmt ist, ihre Arbeitsplätze weiterhin haben.

Drittens gehe ich davon aus, dass der wirtschaftliche Schock nur vorübergehend sein wird. Es ist jetzt die Aufgabe der Geld- und Fiskalpolitik, die Menschen, solange die Krise andauert, weiter in Beschäftigung zu halten und sie zu ermutigen, weiterhin zu konsumieren. Die Menschen sollten in die Lage versetzt werden, wieder konsumieren zu können, sobald die Krise vorbei ist.

Mit den angekündigten Maßnahmen schöpft die Fed ihre Instrumente voll aus. Sie hat erklärt, dass die Banken die Kreditvergabe an Haushalte und Unternehmen vorrangig behandeln wird. Kapital- und Liquiditätspuffer wurden genau für eine solche Situation angelegt. Jetzt ist es an der Zeit, die Bestände abzuschöpfen. Die zehn größten US-Banken haben bereits angekündigt, sich auf die Kreditvergabe an Privatpersonen, kleine Unternehmen und die Wirtschaft konzentrieren zu wollen.

Ein starkes finanzpolitisches Paket ist der Schlüssel

Damit sich die fiskalpolitischen Maßnahmen voll entfalten können, sollten die politisch Verantwortlichen weitere geldpolitische Anreize setzen. Ein umfangreiches Gesetzespaket hierzu nimmt bereits den Weg durch den Kongress. Es beinhaltet die Gesetzesgrundlage für die US-weite Unterstützung von Unternehmen und soll ihnen dabei helfen, beispielsweise zwei Wochen Krankengeld zu gewähren. Die US-Regierung betont, dass dies zunächst nur ein Teil der Maßnahmen sei. Zusätzlich erwägt sie, steuerliche Vergünstigungen zu gewähren, um einzelnen Personen schnell finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen. Ebenfalls leistet die US-Regierung gezielt finanzielle Hilfe für die am stärksten betroffenen Industrien, wie Fluggesellschaften, Hotels und Kreuzfahrtgesellschaften.

Auch wenn ich dieses Szenario für sehr unwahrscheinlich halte: Sollte sich die Situation erheblich verschlechtern, befürworte ich ein zeitlich begrenztes, pauschales Grundeinkommensprogramm (UBI). Wir sollten hier auf überbordende Bürokratie verzichten, um schnell handeln zu können. Arbeitnehmer in Niedriglohnjobs profitierten so von Einkommenssicherheit. Zugleich trägt ein Grundeinkommen dazu bei, dass sich die wirtschaftliche Lage normalisiert.