Dezentrale Kredite und Non-Fungible Token Blockchain-Protokolle und die neuen Möglichkeiten des Web 3.0

Seite 2 / 2

Heute, zwölf Jahre nach der Erschaffung der ersten Blockchain (Bitcoin), gibt es ein ganzes Ökosystem neuartiger Blockchain-Protokolle, die es uns ermöglichen einmalige digitale Assets zu generieren, zu besitzen, zu halten und zu handeln. Das Internet ist im Wandel von einem Netzwerk, dass es uns ermöglicht, jederzeit von jedem Ort Informationen miteinander zu tauschen, zu einem Internet der Werte, das uns in die Lage versetzt, Assets und Werte in gleicher Weise von überall aus der Welt und über jegliche Ländergrenzen hinweg zu handeln. Die Grundlage dafür ist eine Protokoll-Infrastruktur als dezentraler, öffentlicher Speicher, die Assets zu dem macht, was sie sind, nämlich limitiert.

Mit dem, was wir im Bereich der Dezentralisierten Finanzmärkte (englisch: Decentralized Finance, kurz DeFi) aktuell sehen, lässt sich der Wandel vor allem in der Finanzbranche bereits erkennen. Hier entstehen auf Basis dieser neuartigen Web-3.0-Protokolle dezentrale Finanzprodukte und -Anwendungen, die über die Blockchain und die Ansteuerung sogenannter Smart Contracts automatisierte, effizientere, transparentere und vor allem sichere Ansätze versprechen.

So lässt sich beispielsweise die Kryptowährung Ether über das Blockchain-Protokoll Compound als Sicherheit in einem Smart Contract hinterlegen, um damit einen dezentralen Kredit in der Kryptowährung USDC aufzunehmen, welche sich dann etwa über einen Smart Contract basierten dezentralen Handelsplatz in ein weiteres Krypto-Asset tauschen lässt. All das erfolgt außerhalb klassischer Handelsplätze und zentraler Plattformen. Käufer und Verkäufer geben zu keiner Zeit die Kontrolle über ihr jeweiliges Asset an einen Dritten und somit aus der Hand, einzig der auf der Blockchain agierende Smart Contract führt die Transaktion durch.

In ähnlicher Weise, wenn auch in einem ganz anderen Segment, kommt derzeit eine Vielzahl digitaler Inhalte auf die Blockchain (on-chain), um sie damit als digitale Assets handelbar zu machen. Sogenannte Non-Fungible Tokens (NFTs) sind eine spezielle Form von Krypto-Asset, die sich mit digitalen Inhalten wie Bildern, Zeichnungen, Animationen oder auch Musik verbinden lassen.

Eine Vielzahl (digitaler) Künstler haben ihre Werke bereits on-chain verewigt und damit der breiten Masse zum Handel zugänglich gemacht. Bekanntestes Beispiel ist der Künstler Beeple, dessen Werk erst kürzlich das erste nicht analoge und rein digitale Werk gewesen ist, welches beim Auktionshaus Christie’s für sage und schreibe 69 Millionen US-Dollar verkauft wurde.

Aber auch große Brands wie die amerikanische Basketball-Liga NBA sind bereits sehr erfolgreich erste Gehversuche im Umfeld dieser neuartigen Web-3.0-Protokolle gegangen: Der NBA Top Shot, ein dezentraler Marktplatz für digitale Basketball-Sammelkarten, erzielte seit Launch im Herbst 2020 bereits über 500 Millionen US-Dollar Handelsvolumen.

Wir sehen also, dass sich zwölf Jahre nach der Erschaffung von Bitcoin eine neuartige Architektur des Internets etabliert hat, auf der wir Inhalte und Werte digital einmalig abbilden können. Darüber erreichen wir eine Wertigkeit und erlernen als Nutzer im Web somit Eigentum und Digital Ownership neu. Das ist in einer Welt von zentral dominierten Applikationen nie möglich gewesen, da wir nie etwas besessen haben. Der Handel und das Versenden solcher digitalen Assets werden irgendwann ebenso intuitiv und selbstverständlich sein wie der Versand einer E-Mail.

Als die E-Mail kam, haben wir aufgehört Faxgeräte zu nutzen. Sobald Krypto-Assets Mainstream geworden sind, wird es andere Dinge geben, die wir aufhören zu tun oder zu nutzen. Es wird Gewinner und Verlierer geben, wie nach jedem technologischen Paradigmenwechsel. In gleicher Weise wie wir vor 15 Jahren nicht vorhersagen konnten, dass Produkte wie Facebook oder Uber unser heutiges Leben verändern würden, wird es auch in zehn Jahren Web 3.0 basierte Produkte und Anwendungen geben, die ebenso unseren Alltag umwälzen und wir heute noch nicht kennen.

 

Über den Autor:
Jascha Samadi studierte in Hamburg Rechtswissenschaft und ist Serienunternehmer. 2018 gründete er gemeinsam mit Sebastian Blum den Kryptofonds Greenfield One, um in Early-Stage Krypto-Netzwerke und -Applikationen zu investieren.