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Positives Umfeld Schwellenländer bleiben interessantes Revier für Renditejäger

Das Taj Mahal am Stadtrand von Agra

Das Taj Mahal am Stadtrand von Agra: Viele große Schwellenländer verzeichnen Leistungsbilanzüberschüsse – so zum Beispiel auch Indien. Foto: imago images / Panthermedia

Polina Kurdyavko, BlueBay AM

Das Jahr 2020 hielt viele Überraschungen für Anleger parat – negative wie positive. Zu den angenehmen gehörte die Entwicklung von Schwellenländeranleihen: Unternehmensanleihen aus dem Hochzinsbereich (High-Yield) hatten mit 3,5 Prozent eine deutlich geringere Ausfallrate als ihre Pendants aus den Industrieländern – im US-High-Yield-Segment zum Beispiel war sie doppelt so hoch. Außerdem wiesen Schwellenländerpapiere eine höhere Erlösquote (recovery rate) auf. Das heißt: Bei Zahlungsausfällen ließ sich ein größerer Anteil des investierten Kapitals retten.

Die wirtschaftliche Erholung fiel ebenfalls stärker aus als erwartet. Ein Dutzend Schwellenländer verzeichneten ein Konjunkturplus – trotz der Pandemie und einer eher zurückhaltenden Fiskalpolitik.

Vor diesem Hintergrund ließen sich interessante Renditen erzielen – von 2,7 Prozent mit Lokalwährungsanleihen bis hin zu 7,6 Prozent mit Investment-Grade-Unternehmensanleihen. Trotz Risiken betreffend den Umgang mit der Pandemie, der Geschwindigkeit der Impfungen, den Spannungen zwischen den USA und China sowie der US-Fiskal und -Geldpolitik gehen wir davon aus, dass das Umfeld für Schwellenländeranleihen gut bleiben wird. Gleichzeitig dürfte sich der Abstand zwischen Hart- und Lokalwährungsanleihen zugunsten letzteren vergrößern.

Niedrige US-Zinsen und verbesserte Leistungsbilanzen

Ein Blick auf die Makrodaten der Schwellenländer legt nahe, dass Covid-19 dort keine so starken Schäden hinterlassen hat wie in den Industrieländern. Während die Schulden im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung in den aufstrebenden Volkswirtschaften um lediglich 9 Prozent gestiegen sind, waren es in den entwickelten Ländern 22 Prozent. Auch das Wachstum geriet in geringerem Maße unter Druck.

Darüber hinaus profitieren die Schwellenländerwährungen zum ersten Mal seit der globalen Finanzkrise sowohl von niedrigen US-Realzinsen als auch von positiven Leistungsbilanzen. Die meisten Schwellenländer wie Indien verzeichnen hier derzeit Überschüsse. Gleichzeitig befinden sich die 10-jährigen Realzinsen in den USA auf ihrem niedrigsten Stand in der Geschichte (-1 Prozent), während sie in den Schwellenländern nicht nur positiv sind, sondern sich ihrem höchsten Stand seit 2008 annähern. In China beispielsweise liegen sie mit 2,8 Prozent so hoch wie in den vergangenen zehn Jahren nicht mehr. Das ebnet den Weg für Kapitalzuflüsse in die Schwellenländer, und insbesondere in Kapitalanlagen, die in Lokalwährungen notieren.

Regierungen und Unternehmen zeigen Finanzdisziplin

Im Blick haben müssen Schwellenländeranleger die fiskalische Disziplin und politische Glaubwürdigkeit. Derzeit gehört der Schuldenabbau von Mexiko bis China zu den erklärten politischen Zielen. Zwar legten die Regierungen in einigen kleineren Ländern wie Costa Rica eine mangelhafte Haushaltsdisziplin an den Tag – doch insgesamt handhaben die meisten Länder ihre Finanzpolitik bisher bemerkenswert umsichtig.

Ebenso vorsichtig zeigen sich die Unternehmen in den Schwellenländern, wenn es um den Erhalt von Liquidität und das Management von Bilanzrisiken geht. Daher erwarten wir, dass die Ausfallraten von Schwellenländeranleihen zukünftig bis auf 2,5 Prozent sinken werden – und damit unter den historischen Durchschnitt.

Interessante Zinsaufschläge in den Schwellenländern

Beobachten sollten Schwellenländer-Anleger außerdem Chinas geld- und fiskalpolitische Ausrichtung: Das Land verfügt über gute Voraussetzungen für eine gesunde Erholung und ein stärkere Konzentration auf den Schuldenabbau könnte für eine Straffung sorgen. Die Frage ist, wie diese die Konjunktur im Rest der Welt beeinflussen würde.

Schließlich gilt es mit Blick auf die Schwellenländer generell zu beachten, dass die rasante Einengung der Spreads seit vergangenem März den Investoren nicht viel Spielraum für Fehler lässt. Dennoch scheinen die Zinsaufschläge in den Schwellenländern historisch betrachtet noch immer interessant, sowohl absolut als auch im Vergleich zu den Industrieländern. Reizvoll ist auch, dass die Schwellenmärkte noch nicht überlaufen sind: Die Positionierung der globalen Anleger ist insbesondere in der Tiefe der lokalen Märkte noch gering.