Susanne Geber, Donner und Reuschel Nachhaltigkeit bedeutet für mich ...

Susanne S. Geber ist seit Juli bei Donner Reuschel als Executive Sustainability Strategy Officer tätig und verantwortet die Nachhaltigkeitsstrategie der Bank.

Susanne Geber Executive Sustainability Strategy Officer bei Donner & Reuschel: „Die EU sollte nicht den Fehler machen, sprichwörtlich den Mont Blanc dadurch zu erhöhen, dass die Dichte und Anzahl von neuen Anforderungen ihn unbesteigbar werden lässt.“

... eine Balance zwischen ökologisch glaubhaftem und ökonomisch sinnvollem Handeln zu finden.

Unsere Gesellschaft und Wirtschaft sind im Wandel, das betrifft besonders Klima, Umwelt und Miteinander. Dies ist ein transformativer Prozess, der genauso richtig wie konsequent in der Umsetzung ist. Es braucht Veränderung – auf allen Ebenen. Diese benötigen Vernetzung, Interaktion und Resonanz, denn es müssen alle Unternehmen und Bürger mitgenommen werden, deren Geschäftsmodelle und Berufsbilder sich ändern werden.

Als Privatbank Donner und Reuschel haben wir den Anspruch, diese Veränderung mit zukunftsgerichteten Angeboten bei der Geldanlage, umfassenden Beratungsleistungen und einer auf den Bedarf unserer Kunden ausgerichteten Maxime zu gestalten. Als Haus mit einer Tradition von 225 Jahren fühlen wir uns dem Wohl der Gemeinschaft verpflichtet. Daher haben wir auf Basis der 17 globalen Nachhatigkeitsziele eine eigene Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt, die in verschiedenen Handlungsfeldern Grundlagen für verantwortungsvolles, zukunftsgerichtetes Wirtschaften und Handeln festlegt.

Bei der oben angesprochenen Transformation dürfen wir die Balance zwischen regulatorischen Vorgaben und wirtschaftlichen Handlungsmöglichkeiten nicht außer Acht lassen. Diese erreichen wir nicht ausschließlich im Verordnungsweg. Der Kapitalmarkt gleicht dynamisch kurz- bis langfristige Interessen sowie Angebot und Nachfrage aus. Er ist mit einer Waage vergleichbar: Trägt eine Seite zu viel Last, bekommt das auf Gleichgewicht angelegte Konstrukt eine Dysbalance. Die Normdichte im Bereich der ESG-Regulierung ist enorm und wächst nahezu täglich durch Detaillierung, Feinadjustierungen oder neue Anforderungen. Allein das Papierwerk zwischen Klassifizierung, Offenlegung, Datenanforderung und Reporting würde den Mont Blanc rechnerisch vermutlich um 30 Meter Steilwand anwachsen lassen. Es gilt – auch und gerade beim Thema ESG –, die Balance nicht außer Acht zu lassen.

Der Antritt zu einer markt- und gesellschaftsumfassenden Regulierung mit höchsten Anforderungen seitens des europäischen Normsetzers ist unzweifelhaft vorhanden und in seinen gestalterischen Ausprägungen deutlich zu erkennen. Dies bedingt jedoch die Umsetzung durch alle beteiligten Marktteilnehmer – die bloße Umsetzungsandrohung top down leitet fehl. Kapital allokiert sich dort, wo es Potenziale gibt. Der Weg dorthin ist ein Automatismus und basiert auf den Grundsätzen der Markt- und nicht der Planwirtschaft. Eine Lenkungswirkung der supranationalen „Behörde“ EU ist grundsätzlich in Ordnung und sinnvoll. Als Anreiz hat sie ein starkes Argument in der Hand. Sie sollte aber dort Grenzen finden, wo sie durch zu viel Regulierung, Vorgaben, Pflichtlast und Regulierungswahn kontraproduktiv und zu statisch ist, sodass sie die notwendige Akzeptanz verliert. Es handeln Subjekte, die bedarfsgerechte Entscheidungen treffen sowie ihr Handeln an unterschiedlichen Prinzipien ausrichten und – gerade in den aktuellen Zeiten – an sich immer wieder ändernde Parameter anpassen. Wir stellen von jeher den Menschen in den Mittelpunkt unseres Handels. Dies leitet unser Handeln auch im Bereich der nachhaltigen Geldanlage, Beratung und Sicherung seiner Vermögensinteressen.

Der Kunde muss nach unserer festen Überzeugung bestimmen, wie nachhaltig er in Produkte investieren möchte. Aus der Rolle als Kreditinstitut obliegt uns der Anspruch, dem Kunden bei der Gestaltung seiner Interessen umfassend zu beraten und zu unterstützen. Wir brauchen dafür einen ESG-Handlungsrahmen, aber keinen Verbotsrahmen.

 

 

Als Marktteilnehmer des Gesamtgebildes „Unternehmen Zukunft“ müssen wir auf Balance und Ausgeglichenheit des Systems achten. Meines Erachtens sollte die EU nicht den Fehler machen, sprichwörtlich den Mont Blanc dadurch zu erhöhen, dass die Dichte und Anzahl von neuen Anforderungen ihn unbesteigbar werden lässt. Wandel braucht Veränderung. Der Weg dorthin ist ein transitorischer Prozess. Er braucht Zeit für Adaptionsfähigkeit und Regelmaß.

Über die Autorin:

Susanne Geber ist seit Juli bei Donner Reuschel als Executive Sustainability Strategy Officer tätig und verantwortet die Nachhaltigkeitsstrategie der Bank.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

Danke für Ihre Bewertung