Folgen für Kredit- und Investmentportfolios Banken und Großanleger starten Initiative für Klimaschutz

Die größten deutschen Geldhäuser: Deutsche Bank und Commerzbank tragen die Klimavereinbarung mit. | © imago images / Jan Huebner (2), imago images / penofoto, imago images / Richard Wareham

Die größten deutschen Geldhäuser: Deutsche Bank und Commerzbank tragen die Klimavereinbarung mit. Foto: imago images / Jan Huebner (2), imago images / penofoto, imago images / Richard Wareham

16 Akteure des deutschen Finanzsektors mit Aktiva von mehr als 5,5 Billionen Euro haben eine Selbstverpflichtung unterzeichnet, ihre Kredit- und Investmentportfolien im Einklang mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens auszurichten. Der Impuls für diese Selbstverpflichtung erfolgte aus einer von der niederländischen Triodos Bank initiierten Gruppe von Finanzinstituten und zeitgleich über eine Banken-Arbeitsgruppe der Naturschutzorganisation WWF.

Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Hannoverschen Kassen – ein ethisch-sozial orientierter Unternehmensverbund, der seinen Kunden unter anderem Produkte für die betriebliche Altersversorgung bereitstellt. Dazu Silke Stremlau, Vorstand der Hannoverschen Kassen: „Wir unterstützen die Selbstverpflichtung der deutschen Finanzmarktakteure, da wir nicht nur auf die Regulatorik aus Brüssel und Berlin warten können. In der Klimakrise sind daher Mut, Pragmatismus und Innovationskraft von uns allen gefragt.“ Insgesamt verfügen die Unterzeichner der Selbstverpflichtung nach eigenen Angaben über 46 Millionen Kundenbeziehungen. 

Emissionen messen und senken 

Die beteiligten Unternehmen haben vereinbart, die mit ihren Kredit- und Investmentportfolios verbundenen Emissionen zu messen und zu veröffentlichen. Ferner streben sie an, die Emissionen zu senken. Damit wollen sie einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und eine nachhaltige und zukunftsfähige Weiterentwicklung der Wirtschaft unterstützen. Damit komme der deutsche Finanzplatz dem von der Bundesregierung Anfang 2019 gesetzten Ziel einen Schritt näher, Deutschland zu einem der führenden Standorte für nachhaltige Finanzen (Sustainable Finance) zu machen.

Auch die kirchliche Versorgungseinrichtung Verka in Berlin gehört zu den Unterzeichnern der Selbstverpflichtung. Vorstand Ewald Stephan kommentiert: Gerade in der Corona-Krise, in der sich Gesellschaft, Politik und Medien fast ausschließlich mit diesem Thema beschäftigten, erscheine das Zukunftsthema der globalen Erderwärmung durch ungebremsten CO2-Ausstoß wichtiger denn je. „Hier gilt es unsere Prioritäten neu zu setzen, wenn wir die Schöpfung bewahren und unseren Kindern und Enkeln im Rahmen der Generationengerechtigkeit eine Zukunft geben wollen“, so Stephan. Viele Menschen fühlten sich durch den Corona-Virus offenbar stärker bedroht, dennoch sei das Klima das alles entscheidende Thema der Zukunft, das Alt und Jung in gleicher Weise berühre und verbinde. „Wir können und dürfen hier nicht tatenlos zusehen.“

Den Umbau der Wirtschaft aktiv begleiten

Die Mitglieder der Initiative verfolgen das Ziel, aktiv an der Gestaltung einer für die Zukunftsfähigkeit wichtigsten gesellschaftlichen Aufgaben mitzuwirken: der erfolgreichen gesellschaftlichen Transformation zur Begrenzung des Klimawandels. Die Unterzeichner richten laut einer Mitteilung ihre jeweiligen Produkte und Dienstleistungen sowie ihre Engagements und Initiativen entsprechend aus, um durch die Finanzierung der Transformation hin zu einer emissionsarmen und klimaresilienten Wirtschaft und Gesellschaft, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen und das 1,5-Grad-Ziel anzustreben.

Durch die aktive Begleitung des Umbaus würden gleichzeitig Wettbewerbs- und Widerstandsfähigkeit der finanzierten Unternehmen gestärkt sowie Nachhaltigkeits- und Ausfallrisiken bei den Banken reduziert, argumentieren die Unterzeichner der Klimainitiative. 

Jeder der 16 Unterzeichner entwickelt bis Ende 2022 gegenseitig akzeptierte Methoden zur Messung der Klimaauswirkungen seiner Kredit- und Investmentportfolien und führt diese ein. Anschließend sollen die Methoden im Einklang mit den nationalen und internationalen Klimazielen gesteuert werden. Die Vereinbarung gilt laut Mitteilung nur für solche Investmentportfolios, die nicht Gegenstand des Fonds- oder Mandatsgeschäfts sind. Das Fonds- und Mandatsgeschäft werde schrittweise ohne feste zeitliche Vorgaben berücksichtigt.

Die aktuelle Übersicht der Unterzeichner sowie die komplette Selbstverpflichtung finden Sie unter https://www.klima-selbstverpflichtung-finanzsektor.de/