Mehr Wettbewerb um mehr Kunden Diese ESG-Rating-Agenturen dominieren den Markt

Medienrummel anlässlich der Präsentation der 8. Auflage des VW Golf: Der Automobilkonzern Volkswagen steht im Zentrum eines Abgasskandals, der auch von Nachhaltigkeits-Rating-Agenturen erörtert wird. | © Getty Images

Medienrummel anlässlich der Präsentation der 8. Auflage des VW Golf: Der Automobilkonzern Volkswagen steht im Zentrum eines Abgasskandals, der auch von Nachhaltigkeits-Rating-Agenturen erörtert wird. Foto: Getty Images

Die Zahl der institutionellen Anleger, die ihr Portfolio nachhaltiger gestalten wollen, nimmt ständig zu. Das Wachstum hat eine weitere Spezies von Bonitätswächtern hervorgebracht: Neben den bekannten Kredit-Rating-Agenturen Standard and Poor’s (S&P), Moody’s und Fitch Ratings haben sich spezialisierte ESG-Datenanbieter entwickelt.

Sie sammeln finanzielle und nicht-finanzielle Kennzahlen und Leistungsindikationen und bereiten diese für Großanleger je nach Bedarf auf. Dazu nutzen sie unter anderem die große Bandbreite der Unternehmensberichte – und stoßen auf umfangreiche Quellen, die einen einzelnen Anleger schnell überfordern können. Denn die gesellschaftlichen Erwartungen an verantwortungsbewusstes unternehmerisches Handeln und Wirtschaften (Corporate Social Responsibility) nehmen zu.

Zahlen belegen: Große Unternehmen arbeiten zunehmend nachhaltiger (siehe Diagramm). Seit 2017 müssen bestimmte Firmen und Konzerne über sogenannte nicht-finanzielle Leistungsindikatoren berichten. Damit sind die ESG-Faktoren (Environmental, Social und Governance) gemeint. Dazu zählen Angaben über Emissionen (Luft, Wasser, Boden), Arbeitssicherheit und Anti-Korruptionsmechanismen – eine Fundgrube für Datensammler. 

Wie viele Facetten die ESG-Praxis haben kann, zeigt ein Blick in das Tagesgeschäft von Rolf Häßler. Er ist geschäftsführender Gesellschafter des Instituts für nachhaltige Kapitalanlage (NKI). Das NKI berät Investoren und bindet für diese auch ESG-Rating-Agenturen in den Anlageprozess ein. „Wenn wir beispielsweise mit einem größeren institutionellen Anleger ein neues ESG-Konzept für die Kapitalanlage umsetzen, gehört regelmäßig auch die Auswahl eines entsprechenden Datenanbieters dazu“, erläutert Häßler und betont, dass die Eintrittsbarrieren am ESG-Datenmarkt inzwischen sehr hoch seien. Neue Anbieter haben es also schwer, während die Platzhirsche unter sich bleiben und um Kunden buhlen.

Investoren erwarten heute von den Anbietern, dass sie Tausende Unternehmen analysieren können, ihre Rating-Einschätzung laufend aktualisieren und ihre neuesten Erkenntnisse über Schnittstellen unmittelbar in die Analysesysteme der Endanleger einspeisen. Somit können diese schnell handeln, falls ein Emittent strauchelt – wie einst VW im Dieselgate-Skandal. Diese nachfrage- und technologiegetriebene Entwicklung hat zu einer Konsolidierung, Oligopolisierung und Amerikanisierung geführt. Heute dominieren vier Unternehmen den Markt: ISS ESG (mit Oekom Research), MSCI ESG, Sustainalytics (ab 2020 Mitglied der „Morningstar-Familie“und Vigeo Eiris mit dem deutschen Partner Imug Rating. Imug ist seit 2015 Research- und Vertriebspartner der 2002 in Frankreich gegründeten Vigeo Eiris. Doch der Reihe nach.