Unter Kostendruck Zunehmende Anlagevielfalt zwingt Master-KVGen zum Handeln

Das Konstrukt der Master-KVG wurde vor inzwischen 17 Jahren aus der Taufe gehoben. Mit dem Investment-Gesetzes (2002/2003) durften Service-Gesellschaften auch Master-KVG-Dienstleistungen anbieten. | © Screenshot vom Titelbild der aktuellen Telos-Studie

Das Konstrukt der Master-KVG wurde vor inzwischen 17 Jahren aus der Taufe gehoben. Mit dem Investment-Gesetzes (2002/2003) durften Service-Gesellschaften auch Master-KVG-Dienstleistungen anbieten. Foto: Screenshot vom Titelbild der aktuellen Telos-Studie

Institutionelle Investoren, die im Tagesgeschäft mit einer Master-Kapitalverwaltungsgesellschaft (Master-KVG) zusammenarbeiten, sind weiterhin bereit, den Anbieter zu wechseln. Das zeigt die aktuelle Master-KVG-Studie der Wiesbadener Rating-Agentur Telos. Demnach spielt jeder sechste Großanleger (17 Prozent) – wie auch im Vorjahr – mit dem Gedanken, seine Master-KVG in den kommenden Jahren zu wechseln. In der Studie heißt es: „Der Wechsel zu einem anderen Anbieter ist für institutionelle Anleger kein Tabuthema. Ganz im Gegenteil erkennen wir gerade bei öffentlich-rechtlichen Einrichtungen einen zunehmenden Trend, die bestehenden Vertragsverhältnisse zu hinterfragen.“

Der Wechsel der Master-KVG ist nach Einschätzung von Telos eine Zäsur in der Partnerschaft – ein Schritt, der anders als beim Wechsel eines Asset Managers mit einigen prozessualen Schritten verbunden sei. Der Prozess des Wechsels hin zu einer neuen Master-KVG könne mehrere Monate in Anspruch nehmen. Und dennoch herrscht auf der Anlegerseits offenbar Wechselbereitschaft. Nach Angaben von Telos wird von den öffentlichen Einrichtungen auch ein Wechsel erwartet; „ein 6 bis 8-jähriger Überprüfungsturnus ist gang und gäbe und wird vonseiten von Sozialversicherungsträgern auch praktiziert“.

Das Konstrukt der Master-KVG wurde vor inzwischen 17 Jahren aus der Taufe gehoben. Mit dem Investment-Gesetz (2002/2003) durften Service-Gesellschaften auch Master-KVG-Dienstleistungen anbieten. Es gibt zahlreiche Gründe, weshalb Investoren ihre bestehende Partnerschaft auf den Prüfstand stellen sollten. Nach einem so langen Zeitraum wird es laut Telos Zeit, sich am Markt umzusehen und das Dienstleistungsangebot der Master-KVGen zu hinterfragen und Fragen aufzuwerfen: Wer bietet welchen Service an? Welcher Kundenbetreuer hat mehr zu bieten? Und: Kann ich durch einen Wechsel des Anbieters meine Gebührenlast reduzieren?

Die Kosten sind erheblich gesunken

Wenn ein Versorgungswerk mit einem Anlagevolumen von beispielsweise einer Milliarde Euro vor zehn Jahren oder davor eine Master-KVG beauftragt hätten, wären für ein klassisches Mandat jährliche Gebühren von etwa 6 Basispunkten bezogen auf das Anlagevolumen angefallen. Wie aus der Branche zu vernehmen ist, hat sich der Wettbewerb der Anbieter in der jüngeren Vergangenheit spürbar verschärft. Teilweise seien die Gebühren für neue Mandate auf einen Basispunkt gesunken. 

Neben der Aussicht auf sinkende Kosten bringen auch Trends auf der Anlageseite Bewegung in den Markt. So nimmt die Qualität des Betreuungskonzepts bei den institutionellen Anlegern eine zunehmend wichtigere Komponente zur Messung der Zufriedenheit mit ihrer Master-KVG ein.

82 Prozent der von Telos befragten Investoren, darunter Versicherungen, Kreditinstitute und Versorgungswerke (siehe Diagramm), sehen in der mangelnden Güte der Betreuung den mit Abstand wichtigsten Grund für einen Anbieterwechsel. Für viele Anbieter sei es ein Spagat, einerseits alle immer wieder an die aktuellen Erfordernisse anzupassenden Service auf dem aktuellen Stand zu halten und gleichzeitig die Betreuungskapazität auf einem professionellen Niveau zu gewährleisten, erläutert Telos. 

An der aktuellen Master-KVG-Studie waren auch Anleger beteiligt, darunter Kreditinstitute, Versorgungswerke und Stiftungen. 
Quelle: Telos 

Das Reporting als klassische Dienstleistung eines Master-KVG bildet nach wie vor die DNA in der Servicepalette, erläutert Telos. Die in diesem Jahr gemessenen 55 Prozent der Anleger, die Probleme beim Reporting als einen Grund für die Vornahme eines Wechsels des Anbieters angaben, liegen auf Vorjahresniveau. Heute liefert eine Master-KVG bis zu 200 verschiedene Reports im Rendite- und Risiko-Bereich, zum Beispiel auf die Sonderwünsche von Versicherungen zugeschnittene Berichte. 

Anlagevielfalt zwingt zum Handeln 

Angesichts der Zinsflaute investieren Großanleger seit Jahren zunehmend in alternative Anlagen, angefangen bei Immobilien über Private Debt bis hin zu Loans und Infrastruktur. Die neue Master-KVG-Studie hat gezeigt, dass 75 Prozent der institutionellen Anleger im Bereich der alternativen Investments von Master-KVG erwarten, das dazugehörige Leistunsgspektrum anzubieten. Es geht also darum, dass die Anbieter die Anlagen administrieren können. Das betrifft insbesondere das Reporting. Gut jeder vierte Anleger (26 Prozent, 2018: 31 Prozent) hält diesen Aspekt für ein wechselwürdiges Argument, zumal das Leistungsspektrum der Anbieter teilweise von markanten Unterschieden geprägt sei. Telos verweist in diesem Zusammenhang auf die Integration von Immobilien als wichtiger werdende Asset-Klassen in das Reporting. 

Ein Thema, das weiter an Bedeutung gewinnt, ist die Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage. Das Angebot an entsprechenden Fonds wächst dynamisch. Und die Master-KVG muss ein entsprechendes Reporting zur Verfügung stellen. Das ist eine Anforderung, die inzwischen über 70 Prozent der institutionellen Investoren von ihrer Master-KVG stellen.