Interview mit Achim Küssner „Ich mag keine Routine und Pauschalen“

Achim Küssner von Schroders

Achim Küssner von Schroders: „Wir selbst nutzen auch Passivlösungen in der aktiven Asset Allocation bei Multi Asset oder im Solutions-Bereich, aber unser Kern ist und bleibt aktiv.“ Foto: Schroders

private banking magazin: Herr Küssner, Sie sind seit bald 15 Jahren bei Schroders, seit bald 30 Jahren in der Branche, inwiefern hat sich das Arbeiten und ihr Blick auf die Branche in dieser Zeit verändert?

Achim Küssner: Die Branche ist in den vergangenen Jahren nicht nur enorm gewachsen, sondern sie ist auch gereift. Insgesamt wurde sie professioneller, strategischer und detaillierter. Das fängt sicher beim Personal auf beiden Seiten an, also bei Anbieter und Kunden, und hört beim Reporting auf. Schroders selbst hat sich in dieser Zeit auch gewandelt.

Inwiefern?

Küssner: Als ich angefangen habe, war das Haus auf Aktien fokussiert und die Assets under Management in Deutschland beliefen sich auf 1,3 Milliarden Euro. Heute sind es 30 Milliarden Euro. Zudem sind wir lokaler geworden und haben unser Fondsmanagement vor Ort aufgebaut. So verpflichteten wir im Jahr 2019 Ingmar Przewlocka für Multi-Asset und Saida Eggerstedt für Sustainable Credit und im Jahr darauf holten wir Patrick Vogel für den Credit-Bereich nach Frankfurt, der mittlerweile die globale Credit Plattform von Frankfurt aus leitet. Auch personell sind wir mit fast 100 Mitarbeitern in Deutschland stark aufgestellt. Die letzten zwei bis drei Jahre haben wir beim Thema Illiquide / Private Assets mit lokalen Spezialisten Gas gegeben.

Schroders hat sich im Laufe der Jahre breit aufgestellt, wo sehen Sie den Mehrwert für die Anleger?

Küssner: Die Bedürfnisse unserer Kunden sind, auch bedingt durch das herausfordernde Marktumfeld, gestiegen. Wir wollen dem gerecht werden, indem wir mehr spezialisierte Teams aufbauen und zunehmend auch deutschsprachige Investmentexperten an den Standort holen. Wir möchten daher Frankfurt immer mehr als „Solutions Hub“ gestalten.

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Deshalb haben wir etwa zu Jahresbeginn Investment Solutions Managerin Vivien Konrad von London nach Frankfurt geholt. Wir sind der Ansicht, dass die Stärkung der einzelnen Standorte uns insgesamt zugutekommt und eine dezentrale Denkweise einen großen Mehrwert bietet. Denn so wird Vielfalt gefördert und multikulturelle Teams erbringen in der Regel bessere Leistungen. Eine zu zentralisierte Denkweise schränkt beim lokalen strategischen Ausbau teilweise zu sehr ein.

In der Asset Management Branche gab es zuletzt einige Übernahmen, sind auch bei Schroders weitere Zukäufe, Beteiligungen oder Kooperationen geplant?

Küssner: Wenn, dann vor allem im Bereich Private Assets. Für uns steht dabei aber stets im Vordergrund, dass das erworbene Unternehmen seine Expertise und DNA beibehält. Grundsätzlich müssen die Zukäufe unser bestehendes Angebot ergänzen, strategisch passen und dürfen keine Kopie von dem sein, was wir bereits anbieten.

Sie bauen seit einigen Jahren den Bereich institutionelle Kapitalanlage und Private Assets aus. Wo sehen Sie hier die größten Chancen und warum?

Küssner: Mit Schroders Capital verfolgen wir einen Multi-Boutique-Ansatz mit maßgeschneiderten Lösungen und stabiler Plattform. Das Spektrum der Private Assets ist sehr breit und dementsprechend bietet es auch Diversifizierungspotenziale. Und auch wenn es Tendenzen zu steigenden Zinsen gibt, bleibt die Illiquiditätsprämie attraktiv.