Auf der Agenda des 7. Kapitalmarktforums der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) standen Prognosen und Perspektiven für die wichtigsten Kapitalmärkte. Sie wurden ergänzt durch den fundierten Blick auf die Strategien der LBBW in Bezug auf Multi-Asset-Konzepte, Investments in Rohstoffe und in Eurolandaktien.

So beschäftigte sich Rolf Schäffer, Leiter Strategy Research der LBBW, mit drei zentralen Fragen: Wie lange hält der momentane Aufwärtstrend an den Börsen noch an? Wie groß ist angesichts der jüngsten Importzölle der USA die Gefahr eines weltweiten Handelskrieges? Und: Kommt die Inflation bald zurück?

Die jüngsten Inflations- und Zinssorgen hatten im Januar zu einer Kurskorrektur an den Börsen geführt. Schäffer gab nun Entwarnung, trotz der bereits seit 35 Quartalen anhaltenden Hausse stehen die allermeisten Frühindikatoren immer noch auf Wachstum. „Ein US-Aufschwung ist noch niemals an seinem Alter gestorben, die Gründe waren stets ein deutlicher Anstieg der Leitzinsen über 4 Prozent oder ein Ölpreisschock“. Beides sei in naher Zukunft nicht zu erwarten.

Handelskrieg eher unwahrscheinlich

Die Konjunkturaussichten für 2018 bleiben demnach positiv, während Schäffer für 2019 leicht rückläufige Wachstumsraten erwartet. Der durch US-Präsident Trump ausgelöste Handelsstreit belastet die Märkte.

Eine Eskalation hin zu einem Handelskrieg ist allerdings nicht zwingend – die LBBW schätzt die Wahrscheinlichkeit dafür mit 20 Prozent ein. Das erratische Entscheidungsverhalten des US-Präsidenten bleibe jedoch ein Unsicherheitsfaktor.

Während 2017 die Schwankungsbreite an den Aktienmärkten extrem niedrig ausfiel, erwartet Schäffer für das laufende Jahr eine Rückkehr der Volatilität. Auf den Dax bezogen konstatierte der Experte: „Gute Konjunktur, steigende Unternehmensgewinne und reduzierte KGV-Bewertungen sprechen für freundliche Aktienmärkte.“

Inflationsrate steigt nur langsam

Die Kerninflation bewegt sich in Europa derzeit um 1 Prozent, in den USA um 2,1 Prozent. Ein erheblicher Anstieg sei nicht zu erwarten, da insbesondere der schwache Anstieg der Güterpreise in Europa und die Güterpreisdeflation in den USA dem moderaten Anstieg bei den Preisen für Dienstleistungen entgegenwirke. Da die Inflation demnach nur moderat ansteigen wird, verbleiben der Geldpolitik Spielräume. Der Ausstieg der EZB aus der sehr expansiven Geldpolitik wird laut Schäffer nur sehr langsam erfolgen.

Welche Schlussfolgerungen zieht Schäffer? Die Kapitalmarktzinsen werden nur langsam steigen – das Niedrigzinsumfeld bleibt daher noch länger bestehen. „Innerhalb der Renten bevorzugen wir Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen. Aktien sind aus heutiger Sicht attraktiver als Renten. Wir bevorzugen europäische Aktien gegenüber US-Werten“, so der Leiter Strategy Research der LBBW in seinem Fazit. Auch bei Immobilien und Rohstoffe habe der deutsche Markt noch etwas Potenzial.