Europäische Banken Welche Geschäftsmodelle für die Digitalisierung geeignet sind

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Kosteneinsparung und -effizienz

Der Schlüssel zur nachhaltigen Wettbewerbsfähigkeit liegt hauptsächlich in der Nutzung von Technologie. Im Bereich Kosteneinsparung und -effizienz sind etwa die skandinavischen Institute, aber auch die beiden spanischen Großbanken, der Konkurrenz weit voraus. Diese Häuser setzen neue Maßstäbe in der technologischen Optimierung der Kundeninteraktion.

Die neue Online-Plattform von Nordea zum Beispiel bietet Kunden einen leichteren Zugang und ist außerdem sehr nutzerfreundlich. Die technologisch führenden Banken bieten nicht nur Apps und Online-Banking. Sie nutzen auch nahtlos integrierte Systeme, mit deren Hilfe Mitarbeiter alle Kundendaten im Blick haben, um Cross-Selling und die Effizienz der Mitarbeiter in den Filialen zu verbessern.

Jene Banken, die vor allem durch Übernahmen gewachsen sind, müssen sich dagegen mit inkompatiblen Vorgängersystemen herumschlagen, die sie im Wettrennen um Digitalisierung und Kosteneffizienz ausbremsen dürften. Die Royal Bank of Scotland zum Beispiel hat die Anzahl interner Systeme und Anwendungen von 3.500 innerhalb eines Jahres auf 2.500 senken können.

Und die Bank of Ireland ist dabei, ihre verschiedenen Banking-Plattformen durch das Temenos-System zu ersetzen, das Front-to-Back-Office-Softwarelösungen bietet. Damit sollen die Infrastrukturkosten verringert und ein skalierbares modernes Angebot aufgebaut werden. Solche Initiativen bilden zwar zweifellos einen Schritt in die richtige Richtung. Doch sie zeigen auch, wieviel Aufholbedarf bei einigen Banken besteht.

Auch Anbieter mit großen Investmentbanking-Abteilungen dürften sich schwer tun. Insbesondere wenn es sich um Häuser handelt, die nicht groß genug sind, um von Kosteneffizienz zu profitieren. Problematisch dürfte es auch für jene Banken werden, die auf kapitalintensive Produkte angewiesen sind. Ihre Geschäftsmodelle bieten nur wenig Raum für Kosteneinsparungen durch Technologie.

Am schlechtesten positioniert sind Häuser in Ländern mit aufgeblähten Bankennetzwerken oder in denen nicht profit-orientierte Konkurrenten den Markt verzerren, wie dies in Deutschland und Italien der Fall ist. Die Banken haben seit der globalen Finanzkrise viel erreicht. Doch nun stehen sie vor völlig neuen Herausforderungen. Die Gewinner werden jene Geldhäuser sein, die den technologischen Wandel als Chance begreifen und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten entschlossen nutzen.



Über den Autor:
Steve Hussey ist Senior-Vizepräsident bei AllianceBernstein (AB) und Leiter Financial Institutions Credit Research weltweit. Er ist zudem für die Analyse der europäischen Banken und Investmentbanken innerhalb dieser Gruppe verantwortlich.