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E-Mobilität Die Zukunft der Autoindustrie in einer grünen Welt

Sitzprobe im E-Auto

Sitzprobe im E-Auto: Insbesondere in Europa und China steht die E-Mobilität im Mittelpunkt. Foto: Imago Images / Xinhua

Nesche Yazgan, BlueBay AM

Die Verkaufszahlen von E-Autos sind zuletzt in die Höhe geschnellt – und dürften in den kommenden Jahren weiter steigen (siehe Grafik). Das liegt unter anderem an den sich verändernden rechtlichen Rahmenbedingungen, vor allem in Europa. Weil einige Länder sogar das Aus für den Verbrenner noch in diesem Jahrzehnt angekündigt haben, ist das Ziel der Branche klar. Doch wie sie es erreichen kann, ist noch ungewiss.

Verkaufszahlen von Pkw nach Antriebstechnologie:

Quelle: RBC Capital Markets, Stand: Dezember 2020. Globale Autoverkäufe in Millionen, E = Prognose. ICE: Verbrennungsmotor (internal combustion engine vehicles), PHEV: Plug-in-Hybrid (plug-in hybrid electric vehicles), BEV: Elektroauto (battery electric vehicles).

E-Autos werden die Automobilbranche grundlegend verändern. Damit einher gehen Herausforderungen, aber auch Chancen – und immer komplexere ESG-Fragen, die es zu beantworten gilt.

Während des gesamten Übergangsprozesses erwarten wir aus folgenden Gründen einen erheblichen Druck auf die Kreditbedingungen innerhalb der gesamten Branche:

  • Einer Verschiebung des Absatzes von Verbrennern hin zu Stromern.
  • Einem erhöhten Investitionsbedarf.
  • Der Notwendigkeit, die komplexeste Lieferkette der Welt neu zu strukturieren.
  • Mögliche Fusionen beziehungsweise Übernahmen und Umstrukturierungen.

Der Übergang betrifft eine sehr zyklische Branche, die immer noch mit den Auswirkungen der Pandemie zu kämpfen hat. Wir gehen davon aus, dass die Zulieferer mittelfristig am stärksten betroffen sein werden und ihre Marktposition schwächer wird. Zum Beispiel ist unklar, inwieweit sich Hersteller von Komponenten für den Verbrennungsmotor anpassen können, um in einer elektrifizierten Autowelt zu überleben.

Während ein Verbrenner aus bis zu 2.500 verschiedenen Teilen besteht, sind es bei einem E-Auto lediglich rund 600. Außerdem könnte sich der Trend des Outsourcings umkehren, da viele Autohersteller im Sinne einer besseren Kontrolle über die Lieferkette Prozesse verstärkt intern abwickeln. Dazu kommt: Nur wenige Zulieferer haben sich auf Produktbereiche spezialisiert, die im Segment der E-Fahrzeuge besonders gefragt sind. Es gibt nur wenige Anbieter, die in der Softwareentwicklung und -architektur oder in der anspruchsvollen Chipfertigung tätig sind.

Welche Automobilhersteller werden zukünftig am erfolgreichsten sein?

Wir sehen Potenzial für eine Marktverschiebung: Einige Automobilhersteller haben es versäumt, eine Strategie für die E-Mobilität zu entwickeln. Um die Rentabilität aufrechtzuerhalten, setzen viele Unternehmen auf eine Mischung aus Benzin-, Diesel-, Hybrid- und E-Autos. Diese Strategie gilt es aufgrund der jüngsten regulatorischen Maßnahmen in Europa zu überdenken. Großbritannien will beispielsweise die EU bei der Umstellung auf E-Mobilität noch übertreffen. Die britische Regierung hat das Aus für den Verbrenner für 2030 angekündigt. Falls andere Länder ähnliche ambitionierte Ziele ankündigen, sollte die Branche rasch umdenken und den Fokus noch stärker auf Elektrofahrzeuge legen.

Aus unserer Sicht werden Hersteller erfolgreich sein, die:

  • Eine klare Linie bei Forschung und Entwicklung fahren,
  • in der Lage sind, ihre Produktionskapazitäten umzustrukturieren,
  • über die nötige Bilanzstärke verfügen, um erschwingliche E-Fahrzeuge zu fördern und
  • ihr Produktangebot auf kosteneffiziente Weise umstellen können.

Wir blicken vor diesem Hintergrund insbesondere auf die Automobilindustrie in Europa und China, da diese Regionen das Zentrum der E-Mobilität darstellen. Dort gibt es jeweils den politischen Willen sowie die finanziellen Mittel, um die Dekarbonisierung in der Branche voranzutreiben. Die USA hingegen hinken aufgrund der Präferenz vieler Bürger für große, stark motorisierte Wagen hinterher.