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ESG-Analysen Der Weg muss grün sein, nicht nur das Ziel

Elektroautos des chinesischen Start-ups Leapmotor

Elektroautos des chinesischen Start-ups Leapmotor: Bei ESG-Analysen geht es nicht nur um die Produkte, die ein Unternehmen herstellt, sondern um die gesamte Lieferkette. Foto: Imago Images / Arnulf Hettrich

Alex Collins, BlueBay AM

Für ESG-bewusste Anleger sind Branchen wie Öl, Gas und Bergbau schwieriges Terrain. Das gilt insbesondere dann, wenn die Unternehmen in Schwellenländern tätig sind. Denn dort sind die Geschäftspraktiken oft weniger durchschaubar und das ESG-Berichtsniveau ist niedriger als in Industrieländern.

Auch wenn sich die Kluft bei der Berichterstattung zwischen den Regionen allmählich schließt: Wir halten es für ratsam, bei ESG-Analysen in den aufstrebenden Volkswirtschaften besonders sorgfältig zu sein. Denn sich nur auf einfach messbare und leicht verfügbare Daten zu verlassen, kann dazu führen, dass wirklich wichtige Informationen vernachlässigt werden.

Betrachten wir zum Beispiel den Faktor CO2-Emissionen – einen der häufigsten Gründe, warum ein Unternehmen aus einem Portfolio fliegt. Der Treibhausgasausstoß findet seit viel längerer Zeit Beachtung als andere Umweltfaktoren, daher sind die Messungen weitgehend standardisiert. Dennoch bleiben Herausforderungen.

Drei Bereiche der Kohlenstoffemissionen

CO2-Emissionen werden in der Regel in drei Gruppen beziehungsweise „Scopes“ eingeteilt:

  • Scope 1 umfasst klimaschädliche Gase, die bei den Geschäftsaktivitäten eines Unternehmens anfallen, zum Beispiel durch die Verbrennung von Kraftstoff.
  • Scope 2 umfasst die Emissionen, die bei der Produktion der im Unternehmen verbrauchten Energie anfallen.
  • Scope 3 umfasst sämtliche anderen mit dem Unternehmen verbundenen Emissionen – zum Beispiel die, die bei der Gewinnung und dem Transport von Rohstoffen entstehen.

Um die schädlichen CO2-Emissionen weltweit zu verringern, müssen alle drei Bereiche berücksichtigt werden. Bei Scope 1 und 2 handelt es sich im Wesentlichen um direkte Emissionen, die sich einfach messen lassen. Für die Ermittlung der Scope-3-Emissionen müssen alle Unternehmen in der Lieferkette betrachtet werden. Die meisten Analysen konzentrieren sich lediglich auf die ersten beiden Bereiche.    

Das birgt die Gefahr des so genannten „Straßenlaterneneffekts“: Man sucht nur dort, wo etwas leicht zu finden ist. Aber auch die Scope-3-Emissionen zählen, selbst wenn sie kaum verlässlich zu messen sind. Denn ansonsten beschränkt sich das Screening auf das Ende der Lieferkette. Davon profitieren wiederum Unternehmen, die von anderen produzierte Rohstoffe nutzen.

Messung des ESG-Fortschritts über die gesamte Lieferkette?

In der Rohstoffgewinnung liegt das größte potenzielle Umweltrisiko. Investoren sollten beachten, dass die ESG-Bilanz eines Elektrofahrzeugherstellers nicht getrennt von der eines Bergbauunternehmens betrachtet werden darf, das die Rohstoffe zur Verfügung stellt – solange es bei der Batterieproduktion keine Alternativen für diese Metalle gibt.

Selbst Bergbauunternehmen, die sich aktiv mit der Verbesserung von ESG-Faktoren befassen, sind der Meinung, dass sich ihre Wahrnehmung unter Investoren aufgrund ihrer Stellung in der Lieferkette nicht verbessern wird. Dabei sind viele dieser Konzerne nicht auf internationale Investoren angewiesen. Das birgt die Gefahr, dass sie ihre Bemühungen aufgeben und Investoren jegliche Einflussmöglichkeit verlieren.

Wir bei BlueBay ermitteln das aktuelle ESG-Ranking der Unternehmen. Aber wir engagieren uns auch und verfolgen ihre Entwicklung. Es ist schwierig, ESG-Faktoren über die gesamte Lieferkette hinweg zu analysieren. Man sollte aber nicht nur auf die Daten blicken, die einfach zu bekommen sind.