Capitell-Vorstand im Gespräch „Es geht um Kompetenz und Köpfe”

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Nun ist die Capitell mittlerweile an fünf Standorten vertreten. Kommt als nächste München, einer der vermögendsten Region in Deutschland überhaupt?

Krappe: Ein ganz klares Nein. In München haben wir die Situation, dass es nicht nur viele Banken gibt, sondern auch viele namhafte, gute Vermögensverwalter, beispielsweise Dr. Jens Ehrhardt, Hartz, Regehr & Partner oder Huber, Reuss & Kollegen. Dort gibt es einen intensiven Wettbewerb und viele Angebote. Entsprechend schwierig ist es, dort einen Mehrwert zu schaffen.

Dennoch wollen Sie ja weiter expandieren.

Krappe: Wir können es uns leisten, mit zwei Beratern und einer Assistenz einen Standort zu eröffnen. In der Regel ist der Cashflow vor Ort dann nach zwölf bis achtzehn Monaten positiv. Banken kommen da mit ihren Overhead-Kosten nicht mit. Sie benötigen meist 500 Millionen Euro Kundengelder oder mehr, um einen Standort aus Ertrags- und Kostengründen zu rechtfertigen.

Und der Grenzwert der Capitell?

Krappe: Der liegt bei etwa 150 Millionen Euro. Zudem sinken die Gemeinkosten mit jedem neuen Standort. Und darin liegt ein wichtiges Thema für Vermögensverwalter, die ein Kostenthema, zum Beispiel durch die zunehmende Regulatorik, mit sich rumtragen. Viele wollen diesem entwachsen, denken aber nur schrittweise, also Mitarbeiter für Mitarbeiter voran. Wir hingegen denken mehr über Teams nach, sind überzeugt, dass der Erfolg größtenteils über ein Team entsteht, und suchen entsprechend nach solchen Konstellationen.

Sie sprechen Regulatorik- und Gemeinkosten an. Kann die Capitell damit so anders umgehen als andere Vermögensverwalter?

Krappe: Letztlich geht es doch darum, Managementprozesse und deren Kosten schlank zu halten. Es geht um Automatisierung. Ein Beispiel: Wenn man wie wir fünf Standorte hat, dann gibt es möglicherweise Konflikte bei den gebietsüberlaufenden Orders. Hamburg darf nicht tagsüber eine Order tätigen, die Baden-Baden genau gegenläufig im Markt hat. Das muss alles automatisiert über ein System kontrolliert werden, und für solche IT-Projekte haben wir bereits vor zwei Jahren ein ganzes Programmierer-Team gewonnen.

Wie kann man den Arbeitsalltag eines Private Bankers erleichtern?

Krappe: Nehmen Sie das Thema Rechnungsstellung. Ein Kundenberater gewinnt einen neuen Kunden und vereinbart mit ihm eine performance-abhängige Vergütung, also nicht eine Flat- oder All-in-Gebühr, sondern individuell abgesprochen. Dafür müssen die Performance-Zahlen aber überprüft werden. Allzu viele Vermögensverwalter verlassen sich da blind auf das Reporting ihrer Depotbank, meist aus Effizienzgründen. Damit begeben sie sich in eine Abhängigkeit, was auch technische Prozesse anbetrifft. Unsere digitale Vision einer Capitell ist nicht, unsere Portfoliomanagement via Robo-Advisor neuen Kundenkreisen zugänglich zu machen, sondern vielmehr unsere internen Abläufe zu digitalisieren, die Berater zu entlasten und gleichzeitig durch die richtige Unterstützung zur Schnelligkeit zu befähigen. Gerade letzteres ist nicht unwichtig, wenn es darum geht, Neukunden zu gewinnen, oder in Pitch-Situationen sauber zu liefern.



Über den Interviewten:
Wolfgang Krappe ist seit Januar 2007 Vorstand der Capitell Vermögens-Management und dort für Marketing, Akquisition, Beratung und Personal zuständig. In seine Zeit fallen die Standorteröffnungen in Hamburg (2009), Hannover (2011), Baden-Baden (2014) und nunmehr Mannheim. Krappe war zuvor im Private Banking der Oddo BHF-Bank, Citibank und Merck Finck Privatbankiers tätig.