Family Office und Portfoliomanagement „In unserem Geschäft gibt es keine Vermögensverwaltung von der Stange“

Peter Söhle (v.l.n.r.), Philipp Salzer, Gerhard Friedenberger, Tobias Koch und Franz Achatz.  | © Friedenberger Vermögensverwaltung/SCA

Peter Söhle (v.l.n.r.), Philipp Salzer, Gerhard Friedenberger, Tobias Koch und Franz Achatz. Foto: Friedenberger Vermögensverwaltung/SCA

private banking magazin: Herr Friedenberger, Sie sind seit über 30 Jahren im Geschäft. Ist die Vermögensverwaltung in den vergangenen Jahren zur austauschbaren Ware geworden?

Gerhard Friedenberger: Wer ausschließlich Finanzportfolioverwaltung anbietet, läuft in Zukunft Gefahr, austauschbar zu werden. In unserem Fall ist die Antwort aber ein ganz klares Nein. Im Gegenteil: Jedes unserer Mandate ist in der Gesamtheit der persönlichen, finanziellen und familiären Ziele grundverschieden. Die Kunden bringen jeweils ihre eigene Geschichte mit und ihre Pläne sind jedes Mal anders. Das ist ein hochindividuelles Geschäft, dafür gibt es einfach keine Vermögensverwaltung von der Stange. Hier können mein Team und ich unsere beiden kombinierten Kernkompetenzen Vermögensverwaltung und Family Office anbieten.

pbm: Hat diese Kombination aus Vermögensverwaltung und Family Office für Ihre Kooperation eine Rolle gespielt?

Tobias Koch: Auf jeden Fall, und zwar eine ganz zentrale. SCA ist in erster Linie auf die individuelle, maßgeschneiderte Portfolioverwaltung spezialisiert. Durch das Vertrauen, das dabei entsteht, tauchen bei uns von Mandantenseite vermehrt Fragen auf, die über das reine Depotmanagement hinausgehen. Da ist es wichtig, einen Partner zu haben, der sich mit diesen Fragen auskennt und beispielweise beim Thema Finanz- und Nachfolgeplanung einen versierten Ansprechpartner wie den Finanzplaner Herrn Achatz in seinen Reihen hat. 

Friedenberger: Auch wir beobachten schon länger, dass die Nachfrage nach Family-Office-Dienstleistungen stetig zunimmt. Und man ist natürlich ganz klar im Vorteil, wenn man die Bedürfnisse der Mandanten in voller Breite abdeckt statt nur selektiv. Vor diesem Hintergrund sehen wir die Zusammenarbeit mit SCA als Gelegenheit, unser spezifisches Angebot in der Region noch stärker zu etablieren.

pbm: Was erhofft sich SCA von der Zusammenarbeit, Herr Koch?

Koch: Als Anbieter mit Sitz in Regensburg wollen natürlich auch wir hier in der Region weiter wachsen. Für eine zusätzliche und fundierte Expertise im Bereich Family-Office-Dienstleistungen brauchen wir einen Partner. Herr Friedenberger und wir kennen uns schon eine ganze Weile. Über die Jahre haben wir viele Gespräche geführt und dabei immer wieder Gemeinsamkeiten und Anknüpfungspunkte entdeckt. Deshalb sind wir uns sicher: mit der Friedenberger Vermögensverwaltung haben wir die richtigen Kollegen für unser Vorhaben gefunden, das Experten-Netzwerk für unsere Kunden zu erweitern.

pbm: Fürchten Sie nicht, dass Mandanten von einem zum anderen abwandern?

Friedenberger: Nein, das ist bei uns kein Thema. Zum einen sind wir mit unseren Sitzen in Deggendorf und Regensburg regional weit genug auseinander. Allein durch diese minimale räumliche Schnittmenge kommen wir uns nicht in die Quere. Zum anderen haben wir diese Frage natürlich vertraglich geregelt. Aber auch ohne Vertrag gäbe es in dieser Hinsicht wohl keine Probleme. Schließlich verfolgen wir langfristige Ziele und wollen die Kunden gemeinsam gut betreuen. Das setzen wir sicher nicht für einzelne Mandate aufs Spiel.

Koch: Richtig. Um das Wesen unserer Zusammenarbeit zu verstehen, muss man die Situation vor Ort betrachten. Anders als in den Metropolregionen Frankfurt und München sind wir in der Region Ostbayern einer der wenigen Anbieter mit einer KWG-Zulassung als Finanzportfolioverwalter. Die Wettbewerbssituation ist damit so überschaubar, dass wir Leistungen, die über jene der Hausbank hinausgehen, vielen oft überhaupt erst bekannt machen müssen. Dadurch haben wir also schon per se ein Alleinstellungsmerkmal, das wir nun gemeinsam stärker nach außen tragen möchten.

pbm: Wie teilen Sie die Erlöse zwischen beiden Häusern auf?

Friedenberger: Das hängt immer ab von Art und Umfang des jeweiligen Projekts. Family-Office-Dienstleistungen umfassen einen extrem breiten, umfangreichen Katalog unterschiedlichster Tätigkeiten. Wir werden daher jede Aufgabe einzeln betrachten und von Projekt zu Projekt entscheiden. In dieser Frage verfolgen wir keinen Masterplan.

Koch: Den braucht es in unseren Augen auch nicht. Denn wir weisen die Projekte innerhalb eines Mandates zunächst klar einem von uns beiden zu. Der Mandant zahlt für die Dienstleistung letztlich direkt an den Partner, der sie erbracht hat. Unsere Zusammenarbeit funktioniert also ohne Zwischenfinanzierung oder Ähnliches.

pbm: Die Schiketanz Capital Advisors in Regensburg ist eine unabhängige Zweigniederlassung ihrer Wiener Muttergesellschaft. Welche Rolle spielt letztere bei der Zusammenarbeit?

Koch: Erstmal keine. Natürlich sind die Wiener Kollegen gespannt. Die Kooperation bezieht sich aber zunächst nur auf uns hier in Regensburg.

pbm: Mündet die Kooperation zwischen der Friedenberger Vermögensverwaltung und SCA in Regensburg möglicherweise langfristig in eine Fusion?

Friedenberger: (lacht) Geplant ist das nicht. Aber man kann ja nie wissen. Lassen sie es mich so sagen: Alles kann, nichts muss.



Über die Interviewten:
Als Gesellschafter, Prokurist und Senior Portfoliomanager ist Tobias Koch zusammen mit seinem Kollegen Philipp Salzer für das Deutschland-Geschäft der Schiketanz Capital Advisors GmbH verantwortlich. Die selbstständige Zweigniederlassung bei Regensburg betreut Stiftungen, Family Offices, Mittelstandsunternehmen und Privatpersonen  im Rahmen eines individuellen Vermögensverwaltungsmandats.

Gerhard Friedenberger ist Geschäftsführer und Gesellschafter der Gerhard Friedenberger Vermögensverwaltung und Family Office GmbH mit Sitz in Deggendorf. Als § 32 KWG lizenzierter Vermögensverwalter betreuen er und sein Team überwiegend Privatpersonen, Unternehmen, Family Offices in der individuellen Vermögensverwaltung und im Family Office.