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Halbleitermangel Autohersteller erwarten Ende der Chip-Krise erst 2023

Karosserie-Qualitätskontrolle im Porsche-Werk in Leipzig

Karosserie-Qualitätskontrolle im Porsche-Werk in Leipzig: Goldman Sachs zufolge sind 169 Branchen vom Chipmangel betroffen, die Automobilindustrie als wichtiger Wirtschaftsmotor leidet besonders heftig. Foto: Imago Images / Sebastian Willnow

Aleck Beach, Franklin Templeton
Fixed Income Group

Fehlende Arbeitskräfte und Engpässe bei Material sowie Transport- und Logistikkapazitäten bremsen das Wirtschaftswachstum und haben zu einem inflationären Preisdruck in der gesamten Wirtschaft geführt. Nirgendwo wurde dies deutlicher als in der Automobilindustrie, wo die Halbleiter-Engpässe das Hochfahren der weltweiten Fahrzeugproduktion stark einschränken.

Im Anschluss an die Lockdowns Anfang 2020 zur Bekämpfung der sich abzeichnenden Pandemie war die Verbrauchernachfrage nach Autos groß. Die Fahrzeugverkäufe erholten sich, obwohl zunächst ein langer und tiefer Abschwung für die Automobilindustrie befürchtet worden war. Die Erholung der Fahrzeugverkäufe in der zweiten Jahreshälfte 2020 stieß jedoch bald an ihre Grenzen, als ab Anfang 2021 der Mangel an Halbleitern die Produktion von Neufahrzeugen beeinträchtigte und das Fahrzeugangebot einschränkte.

Die Wirkung verstärkter Investitionen zeigt sich erst später

Im Jahresverlauf 2021 wurde die Halbleiterproduktion durch unerwartete Ereignisse und weitere pandemiebedingte Herausforderungen unterbrochen. So kam es in Texas aufgrund ungewöhnlich extremer winterlicher Witterungsbedingungen zu Stromausfällen in mehreren Halbleiterfabriken, auf die im März ein Brand in einer Chipfabrik in Japan folgte. Im Sommer 2021 beeinträchtigte die Ausbreitung von Covid-19 in Südostasien die Betriebsabläufe von Zulieferern, die an Halbleitermontage und Endprüfung beteiligt sind. Diese Beeinträchtigungen der Halbleiterproduktion in einer ohnehin schon angespannten Situation stellte eine zusätzliche Belastung für die Fahrzeugproduktion dar. Während dieses Zeitraums blieb die Nachfrage nach vielen Technologieprodukten, die Halbleiter benötigten, hoch, was das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage weiter verstärkte. Die logistischen Herausforderungen, die sich aus den Verzögerungen in den Häfen rund um die Welt ergaben, bedeuteten zusätzlichen Stress für die Lieferketten.

Aufgrund der starken Nachfrage waren die Kapazitäten der Halbleiterhersteller stark ausgelastet, wodurch sich die Lieferfristen zeitlich immer weiter nach hinten verschoben. Zwar hat die Branche auf die angespannte Versorgungslage mit höheren Investitionen in den Ausbau der Kapazitäten reagiert. Doch diese beträchtlichen Umstellungen in dem komplexen und hochtechnischen Herstellungsprozess von Halbleitern braucht Zeit, die in Quartalen und nicht in Wochen angegeben wird. Und bei den Anbietern, die ihre Kapazitäten erweitert haben, hat die Nachfrage das zusätzliche Angebot mehr als absorbiert.

Die globale Automobilindustrie hat nun zwei Jahre in Folge einen Produktionsrückgang erlebt. Zunächst aufgrund der Lockdowns im Jahr 2020, wonach sich im Jahr 2021 die Halbleiterknappheit anschloss, die eine Erholung der Verkäufe in einer Zeit starker Nachfrage behindert. Auf dem US-Markt beispielsweise sind die Lagerbestände der Autohändler auf ein historisch niedriges Niveau gesunken, was zu geringeren Rabatten und höheren Verkaufspreisen in der Branche geführt hat. Die Automobilhersteller haben daher auch die Produktion von Fahrzeugen mit niedrigeren Gewinnspannen zugunsten höherrentierlicher Fahrzeuge wie Lastwagen und SUVs zurückgestellt. Vor diesem Hintergrund hat sich die Rentabilität erheblich verbessert und trägt dazu bei, die geringeren Stückzahlen abzufedern. So meldete Ford im dritten Quartal 2021 einen bereinigten Betriebsgewinn von 8,9 Milliarden US-Dollar, wovon 7,2 Milliarden US-Dollar aufgrund der starken Preissetzungsmacht verbucht werden konnten. Parallel dazu meldete General Motors jüngst einen Betriebsgewinn von 11,4 Milliarden US-Dollar, in den 5,6 Milliarden US-Dollar durch die Möglichkeit der Durchsetzung höherer Preise eingeflossen sind.

Das begrenzte Angebot an Neufahrzeugen verstärkte zugleich die Nachfrage nach Mietwagen, was deren Mietpreise auf die Überholspur trieb. Der Gebrauchtwagenmarkt profitierte ebenfalls in hohem Maße von der Chip-Knappheit; auch hier stiegen die Preise. Noch ein weiterer Effekt bewirkte Preisaufschläge: Weil die Neuwagenverkäufe, die zuletzt 2018 ihren Höhepunkt erreichten, 2019 leicht und 2020 bis 2021 stark zurückgegangen sind, hat sich das Angebot an Fahrzeugen, die dem Gebrauchtwagenmarkt zur Verfügung stehen, deutlich verringert.

Autohersteller verzahnen sich enger mit den Chip-Produzenten

Wann normalisiert sich das Halbleiterangebot wieder? Es dürfte noch längere Zeit dauern, bis die Nachfrage der Automobilindustrie ausreichend befriedigt werden kann. Die Autohersteller verbauen in der Regel Halbleiter, die im Vergleich zu High-End-Hardware etwas weniger komplex sind. Diese werden in der Regel auf älteren und weniger teuren Anlagen hergestellt, um die Kosten niedrig zu halten. Die von führenden Chipherstellern angekündigten Großinvestitionen sind nicht nur mehrere Jahre von der Massenproduktion entfernt, sondern konzentrieren sich in vielen Fällen auf Spitzenkapazitäten, die über die technischen Anforderungen der meisten Automobilanwendungen hinausgehen. Zwar haben auch weitere Anbieter von Halbleitern für die Automobilindustrie ihre Investitionsausgaben erhöht, allerdings in einem Tempo, das nicht mit dem Umsatzwachstum und der Nachfrage Schritt hält. Erst in den vergangenen Quartalen haben sich die Investitionen deutlich erhöht. Weil auch hier eine Vorlaufzeit von mehreren Quartalen nötig ist, dauert es noch einige Zeit, bis die ersten Chips in den Verkauf gehen.

Ein weiterer erschwerender Faktor bei der Behebung der Halbleiterknappheit in der Automobilindustrie ist die Komplexität der Lieferkette: Den Automobilherstellern arbeiten mehrere Ebenen von Subunternehmern zu. Halbleiter werden in der Regel an Tier-1- und Tier-2-Zulieferer geliefert, die sie dann zu Teilkomponenten zusammensetzen, die sie die Automobilhersteller zur Endmontage des Fahrzeugs weiterreichen. Dadurch entsteht zusätzliche Komplexität in der Lieferkette. Angesichts des Halbleitermangels haben die Führungskräfte in der Automobilindustrie erkannt, dass eine exakte Koordinierung und damit engere Beziehungen zu den Chiplieferanten erforderlich sind, um das Risiko künftiger Unterbrechungen zu mindern. BMW, Stellantis und Ford haben beispielsweise neue Partnerschaften mit Chip-Anbietern in Asien im Bereich Halbleiterdesign und Fertigungsdienstleistungen angekündigt.

Normalisierung erst 2023 zu erwarten

Während die Branche gegen Jahresende 2021 eine höhere Fahrzeugproduktion und eine leichte Entspannung bei den Versorgungsengpässen im Vergleich zu den akuten Engpässen im dritten Quartal verzeichnete, dürfte eine vollständige Normalisierung der Automobilproduktion länger dauern, als viele Marktteilnehmer erwarten. Maßnahmen zur Erhöhung des Chip-Angebots wurden zwar in die Wege geleitet, doch lange Vorlaufzeiten verhindern rasche Ergebnisse. Während sich die Versorgungslage mit Chips im Jahresverlauf 2022 allmählich entspannen dürfte, könnte sich eine vollständige Normalisierung der Fahrzeugproduktion bis ins Jahr 2023 hinziehen.

Engpässe in der Autoproduktion haben zu einer ausgeprägten Preissetzungsmacht der Autoindustrie geführt, durch die der insgesamt rückläufige Absatz kompensiert wird. Die Normalisierung des Fahrzeugangebots wird einige Zeit in Anspruch nehmen, was der Preisgestaltung in naher Zukunft weiterhin Auftrieb verschaffen dürfte. Hohe Preise und möglicherweise steigende Zinssätze dürften jedoch die Erschwinglichkeit von Fahrzeugen beeinträchtigen. Anschließend wird sich zeigen, ob die Autohersteller den in der Vergangenheit intensiven Wettbewerb um Marktanteile wieder aufnehmen und damit die neue Preissetzungsmacht eingeschränkt wird. Die Rentabilität der Automobilhersteller dürfte daher leicht zurückgehen, sobald sich Angebot und Nachfrage normalisieren.

Wichtige rechtliche Hinweise:

Dies ist eine Marketingmitteilung. Bitte lesen Sie den Verkaufsprospekt und das KIID, bevor Sie eine endgültige Anlageentscheidung treffen. Alle Investitionen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des möglichen Verlusts des Kapitals.

Bitte beachten Sie, dass es sich bei diesem Dokument um allgemeine Werbeinformationen handelt und nicht um eine vollständige Darstellung oder Finanzanalyse eines bestimmten Marktes, einer bestimmten Branche, eines bestimmten Wertpapiers oder eines oder mehrerer aufgelisteter Investmentfonds. Franklin Templeton Investments veröffentlicht nur produktbezogene Informationen und gibt keine Anlageempfehlungen.