Streitgespräch Flossbach vs. Podzuweit „Dagegen wirkt Ihr Ansatz wie von gestern“

Seite 2 / 2

  

Scalable-Gründer Podzuweit sieht all dies naturgemäß anders: „Die meisten aktiven Fondsmanager schaffen es auf Dauer nicht, eine Wertentwicklung zu erzielen, die ihre hohen Gebühren rechtfertigt.“ Statt Einzelwerte zu kaufen, sei es besser, in kostengünstige Fonds zu investieren, die die Entwicklung eines Marktes als Ganzes abbilden – also in ETFs. Dazu rate inzwischen selbst Warren Buffett.

Zudem überschätze Flossbach den Einfluss der Anleger auf die Unternehmen, in die sie investieren. Über Wohl und Wehe eines Unternehmens würden in erster Linie die Kunden entscheiden: „Der Mobilfunkkonzern Nokia hat doch nicht deswegen seine Position als Weltmarktführer eingebüßt, weil ETF-Investoren sich zu passiv verhalten haben, sondern weil die Menschen keine Nokia-Handys mehr haben wollten“,  sagt Podzuweit.

Den Vorwurf zyklischen Handelns will Podzuweit nicht stehen lassen: „Dass wir zyklisch handeln, stimmt einfach nicht“, so Podzuweit, „unser Modell fußt auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, die zeigen, dass gutes Risikomanagement funktioniert.“ Zugleich sei der Wert aktiver Aktienauswahl wissenschaftlich klar widerlegt.

Auch sonst fallen in dem FAS-Interview klare Worte. So fällt etwa Flossbach folgendes zu den Risikomodellen von Scalable Capital ein: „Sie können nicht mit vergangenheitsbezogenen Finanzkennziffern herumdoktern und so tun, als ließen sich historische Trends beliebig fortschreiben.“

Beim Thema Kundenansprache im Fall starker Wertschwankungen teilt dann Podzuweit aus. Sei die Marktlage einmal ungemütlich, könne Scalable seine Kunden direkt anschreiben und die Auswirkungen auf deren Portfolios zeigen. Gegen dieses digitale Händchenhalten wirke der Flossbach-Ansatz „wie von gestern“.

Einig sind sich Flossbach und Podzuweit nur in einem Punkt: Einschläge an den Börsen werde es immer wieder geben, sie gehörten einfach dazu. Das dürften Anleger nie vergessen.