Stiftungsszene in Deutschland Stiftungen können auch ohne Vermögen Großes leisten

30 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer: Im Osten gibt es 13 Stiftungen auf 100.000 Einwohner im Vergleich zu 35 im Westen.  | © Bundesverband Deutscher Stiftungen, Destatis

30 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer: Im Osten gibt es 13 Stiftungen auf 100.000 Einwohner im Vergleich zu 35 im Westen. Foto: Bundesverband Deutscher Stiftungen, Destatis

Seit der Wiedervereinigung Deutschlands sind in den einst stiftungsarmen fünf ostdeutschen Bundesländern insgesamt 1.337 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts gegründet worden. Wie den Statistiken des Bundesverband Deutscher Stiftungen (BVDS) zu entnehmen ist, existierten Ende 2018 in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern 1.613 rechtsfähige Stiftungen des bürgerlichen Rechts. In diesem Jahr seien weitere 30 neue Stiftungen hinzugekommen, berichtet der BVDS.

Den 1.613 Stiftungen in den ostdeutschen Flächenländern stehen 20.175 Stiftungen in Westdeutschland gegenüber. Hinzu kommt Berlin mit 955 Stiftungen. Damit machen die ostdeutschen Stiftungen rund 7 Prozent der 22.743 Stiftungen in ganz Deutschland aus. Die Stiftungsdichte zeigt: Im Osten gibt es 13 Stiftungen auf 100.000 Einwohner im Vergleich zu 35 im Westen.

Stiftungsarbeit ohne Vermögen

Laut BVDS sind Stiftungen in der DDR als Ausdruck zivilgesellschaftlichen Engagements staatlicherseits unerwünscht gewesen. Zwischen 1952 und 1956 seien rund 90 Prozent aller zu dem Zeitpunkt bestehenden weltlichen Stiftungen aufgelöst worden. Laut Verbandsangaben waren Gründungen neuer Stiftungen im Zivilgesetzbuch von 1976 nicht mehr vorgesehen.

Aber auch seit der Wiedervereinigung seien im Osten weniger Stiftungen gegründet werden als im Westen. Das liegt unter anderem an der Vermögensverteilung: Noch heute seien die Vermögen der Menschen in den östlichen Ländern insgesamt wesentlich geringer als in den westlichen. Somit stehe auch weniger Geld zum Stiften zur Verfügung. 

Nach Angaben von Eva Sturm, Beiratsmitglied des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen und Vorstand der Dresdner Cellex-Stiftung, bestehen zwischen der ost- und westdeutschen Stiftungslandschaft kulturelle Unterschiede. Im Osten spielen kapitalstarke Einzelstifterinnen und -stifter eine geringere Rolle als im Westen. „Dafür sind Bürger- und Gemeinschaftsstiftungen, in denen sich viele Menschen zusammen engagieren, im Osten von besonderer Bedeutung“, sagt Sturm und fährt fort: „Statt durch Erträge aus dem Stiftungsvermögen stemmen viele Ost-Stiftungen ihre Arbeit durch bürgerschaftliches Engagement und Fundraising, zum Beispiel über Spenden. Angesichts niedriger Kapitalerträge trifft dies zurzeit allerdings auch zunehmend auf die kleineren Stiftungen in Westdeutschland zu.“