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Schwellenländer-Anleihen Hinter den Unsicherheiten liegt fester Boden

Neubauten in Hanoi, Vietnam: Die Kreditqualität von Schwellenländer-Anleihen hat sich im Laufe der Jahre erhöht. | © imago images / Friedrich Stark

Neubauten in Hanoi, Vietnam: Die Kreditqualität von Schwellenländer-Anleihen hat sich im Laufe der Jahre erhöht. Foto: imago images / Friedrich Stark

Als sich Covid-19 über China hinaus auszubreiten begann und zugleich ein Preiskrieg beim Öl aufflammte, stießen viele Anleger Risikoanlagen ab, darunter auch Anleihen aus den Schwellenmärkten. Zwar haben sich die entsprechenden Volkswirtschaften in den vergangenen Jahrzehnten strukturell dramatisch verändert, dennoch reagieren viele der größeren Schwellenländer nach wie vor empfindlich auf Veränderungen bei den Rohstoffpreisen – nicht zuletzt auch bei Öl.

Im April beschleunigte sich der Rückgang der Ölpreise. Phasenweise wurden Terminkontrakte sogar negativ bepreist – ein in der Geschichte der Märkte beispielloses Ereignis. Das Corona-Virus hat die Nachfrage nach Öl zwar stark eingeschränkt, doch die längerfristigen Aussichten sind weiterhin ermutigend. Innerhalb der Schwellenländer liegt ein Teil der Ölproduktion in den Händen von souveränen Regierungen, die kurzfristige Ertragslücken in ihren Haushalten durchaus schließen können. Nicht zuletzt profitieren die einzelnen Volkswirtschaften von niedrigen Förderkosten und den gesunkenen Ölpreisen, wodurch Produktionskosten zurückgehen.

Hartwährungsanleihen (auf US-Dollar oder Euro lautende Staats- und Unternehmensanleihen) waren von Covid-19 und dem Ölpreisverfall besonders stark betroffen. Lokalwährungsanleihen haben sich geringfügig besser geschlagen – auch wenn die Lage hier uneinheitlich ist.

Wie sieht es bei der Verschuldungslage von Unternehmen in Schwellenländern aus? Auffällig ist, dass die Verschuldung in der Krise nicht überhandgenommen hat. Viele Schwellenländer sind eng mit einigen der leistungsstärksten Kraftzentren der Welt verquickt – namentlich mit Asien. So hat etwa China, trotz der wirtschaftlichen Auswirkungen des Virusausbruchs im Land, ein starkes Risikoprofil und gute Kredit-Ratings.

Viele Anleger halten immer noch an dem Irrglauben fest, dass Unternehmensanleihen aus Schwellenländern riskanter sind als Staatsanleihen, aber das ist immer seltener der Fall. Aber natürlich gibt es hier graduelle Abstufungen: Ein Schwellenland mit A-Rating verfügt oft über ein relativ robustes Gesundheitswesen und kann zur Bewältigung der Corona-Krise fiskalpolitisch besser eingreifen als ein Land mit einem B-Rating, dem es nicht selten an Infrastruktur und fiskalischen Reserven fehlt, um die Situation selbst bei einer nur kleinen Zahl von Infektionsfällen angemessen zu bewältigen. In Ländern mit B-Rating können sowohl Staats- als auch Unternehmensanleihen leichter unter Druck kommen.

Längerfristig könnte vereinzelt Inflation drohen

In den vergangenen Wochen und Monaten bestimmten immer wieder die massiven geldpolitischen Reaktionen der Zentralbanken auf die Corona-Pandemie die Schlagzeilen. Doch die US-Notenbank, als Beispiel, hilft nicht nur den US-Märkten: Durch die massiven Stützungsmaßnahmen für das Finanzsystem, die jetzt sogar den Kauf von Hochzinsanleihen umfassen, stellt sich auch ein globaler Trickle-Down-Effekt auf Schwellenländer-Anleihen ein.

Passive Hilfe, die sehr willkommen ist: Schwellenländer, die nicht über den Kreditkäufer letzter Instanz in Form der Zentralbank verfügen, müssen sich im Fall aller Fälle an Institutionen wie den Internationalen Währungsfonds wenden, wo Mittel speziell für solche Notfallmaßnahmen zur Verfügung stehen.

Während die Zentralbanken dringend benötigte Hilfe leisten, ergeben sich Fragen zu den längerfristigen Auswirkungen des Vordringens in unkonventionelle Bereiche der Geldpolitik. Es besteht die Gefahr, dass einige der wirtschaftlich stärkeren Schwellenländer in eine neue Runde der quantitativen Lockerung eintreten. Schwellenländer-Anleger kennen die Gefahren einer Monetarisierung des Haushaltsdefizits in Form von Inflation. Auch wenn dies heute eindeutig kein Problem darstellt, könnte es in Zukunft zu einem Problem werden.

Angesichts niedriger Zinssätze sind Investoren im Anlagenotstand

Rund um die Welt haben die Zentralbanken Notfall-Zinssenkungen bis nahe Null vorgenommen. Fixed Income-Anleger sind damit in keiner leichten Situation. Doch auch wenn im derzeitigen Umfeld große Unsicherheit herrscht – und die Risikoscheu noch eine Weile anhalten dürfte – glauben wir nicht, dass die Investorenbasis für Schwellenländer-Anleihen schrumpfen wird. Angesichts des anhaltenden und zuletzt sogar verschärften Niedrigzinsumfelds erscheinen die Renditen für Schwellenländer-Anleihen und andere Risiko-Asset-Klassen chancenreich.

Die Kreditqualität von Schwellenländer-Anleihen hat sich im Laufe der Jahre erhöht. Eine Reihe von Krisen, die sich im Verlauf vieler Jahrzehnte einstellten, haben zu verbesserter Unternehmensführung, Kreditqualität und Liquidität in den Schwellenländern geführt – und damit deren Widerstandsfähigkeit gegen neue Schocks gestärkt.

Natürlich sind im gegenwärtigen Umfeld die wirtschaftlichen Folgen von Covid-19 in den Ländern mit den schwächsten Kredit-Ratings am stärksten zu spüren. Absehbar ist: Dort, wo es an ausreichenden politischen Maßnahmen mangelt, wird es zu einer weiteren Verschlechterung kommen. Eine Reihe von Schwellenländer-Anleihen werden jedoch auf einem Niveau gehandelt, das für uns überverkauft erscheint. Wir bereiten uns darauf vor, eine Vielzahl von Chancen zu nutzen, sobald Unsicherheit und Volatilität nachzulassen beginnen.