Multi-Asset-Experte Thomas Romig Warum Mifid II für Vermögensverwalter auch eine Chance ist

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Aktive Multi-Asset-Fonds als Lösung

An dieser Stelle könnte der Einsatz von aktiv gemanagten Multi-Asset-Fonds weiterhelfen, da sich mit diesen der Aufwand in einem vertretbaren Rahmen halten lässt. Der Vermögensverwalter muss nicht für jeden Kunden ständig eine Zielmarkt- und Eignungsprüfung vornehmen, wenn eine Transaktion für das Fondsvermögen getätigt wird.

Stattdessen muss nur beim Kauf des Fonds einmalig festgelegt und dokumentiert werden, ob die Strategie für den Anleger geeignet ist beziehungsweise, ob das Produkt dem Risikoprofil optimal entspricht. Es entfällt somit der Aufwand, sich im schlimmsten Fall täglich mit der Frage zu befassen, was der Kauf einer bestimmten Aktie oder die Umschichtung innerhalb des Portfolios für Auswirkungen hat.

Im Idealfall kann ein sehr gutes, aktives Portfoliomanagement maßgeschneiderte Strategien anbieten und diese dann auch flexibel managen. Unwägbarkeiten wie etwa die Volatilität an den Kapitalmärkten oder die für viele Marktteilnehmer unübersichtliche Entwicklung der Devisenmärkte können in Multi-Asset-Konzepten aktiv gemanagt werden.

Multi-Asset-Fonds erfordern zudem, anders als einzelne Wertpapiere, die erheblichen Schwankungen unterworfen sein können, einen nicht so großen Beratungsaufwand. Das bedeutet, dass die zeitlichen Belastungen für den Finanzberater beziehungsweise Vermögensverwalter sinken, gerade in der Nachberatung. Das Risiko verbleibt in der Regel in einem definierten Korridor.

Ein weiterer wichtiger Aspekt betrifft das Haftungsrisiko, das reduziert wird. Eine Fondslösung nimmt dem Berater die immer schwieriger zu treffende Entscheidung über die Asset Allocation ab und verringert dadurch nicht zuletzt ein etwaiges Haftungsrisiko.

Und noch eine Regulierung dürfte sich als positiv für Multi-Asset-Fonds erweisen: Das Investmentsteuerreformgesetz. Denn für gemischte Fondsportfolios – vorausgesetzt, eine feste Aktienquote von mindestens 25 Prozent wird eingehalten, – räumt der Gesetzgeber eine Teilfreistellung von 15 Prozent ein. Auch aus steuerlicher Sicht bieten Multi-Asset-Fonds somit eine interessante Möglichkeit der Optimierung.

Professionell und reguliert

Das alles zeigt: Unabhängige Vermögensverwalter und Finanzberater finden mit aktiv gemanagten Multi-Asset-Fonds einen professionellen Ausweg aus dem Regulierungs-Dilemma. Sie werden mit den Vermögensverwaltungen in Fondsform im Vergleich zu Anlagen über Einzeldepots hinsichtlich Beratungs- und Dokumentationsaufwand entscheidend entlastet. Außerdem können sie ihren Kunden im zunehmend schwierigen Marktumfeld eine attraktive und vor allem regulierte Lösung anbieten.

Multi-Asset-Fonds bieten einen effizienten Zugang zu unterschiedlichen Anlageklassen und Renditequellen. Außerdem senken Anleger mit diesen Kombiprodukten ihre Transaktionskosten, weil sie sonst für jede Anlageklasse einzelne Fonds kaufen müssten. Da bei den Produkten viele administrative Punkte wegfallen, kann die Arbeit des Vermögensverwalters effizienter gestaltet werden. Es verbleibt deutlich mehr Zeit für den Kunden und seine Bedürfnisse.

Um die Hürden von Mifid II zu bewältigen, sollte deshalb der Einsatz von Multi-Asset-Lösungen erwogen werden. In Frage kommen aber nur Multi-Asset-Fonds, die flexibel sind und diese Flexibilität auch tatsächlich ausnutzen. Wichtig ist es zu analysieren, wie der oder die Fonds gerade in Abwärtsphasen abgeschnitten haben. Der Mehrwert einer Multi-Asset-Strategie ist es schließlich, dass die Manager in schwierigen Zeiten in der Lage sind, Risiken an den Märkten abzufangen und Chancen zu nutzen.

 

Über den Autor:
Thomas Romig ist Leiter Multi-Asset-Portfoliomanagement bei Assenagon Asset Management. Zum Münchner Vermögensverwalter war er im März 2015 von Union Investment gewechselt.