5. Institutional Investors Forum Großanleger schichten schrittweise um

Uwe Siegmund ist Chefanlagestratege der R+V-Versicherungsgruppe: Die Kapitalanlagen der R+V sind rund 120 Milliarden Euro wert.  | © Nadine Stegemann

Uwe Siegmund ist Chefanlagestratege der R+V-Versicherungsgruppe: Die Kapitalanlagen der R+V sind rund 120 Milliarden Euro wert. Foto: Nadine Stegemann

Institutionelle Anleger in Deutschland blicken auf ein hervorragendes Anlagejahr 2019 zurück: Anleihen und Aktien haussieren. Auch Immobilien und andere alternative Investments werden immer wertvoller. Doch wie stellen Großanleger ihre Portfolios auf?

Wer heute Geld anlegen muss, ist nicht zu beneiden, angesichts hoher Preise und niedriger Renditen. Das wurde in der vergangenen Woche während der Anlagekonferenz des Beratungsunternehmens Faros Consulting einmal mehr deutlich: Faros veranstaltet das Institutional Investors Forum seit fünf Jahren parallel zur Euro Finance Week; letztere gehört seit mehr als zwei Jahrzehnten zu den wichtigsten Veranstaltungen für professionelle Finanzmarktteilnehmer in der Bundesrepublik.

Doch wie steht es nun um die Anlageperspektiven 2020? Und was sind die besten Strategien? Diese Fragen erörterten Bernd Franken (Geschäftsführer des Versorgungswerks Nordrheinische Ärzteversorgung, NÄV), Martin Rohm (Vorstandsmitglied des Versicherungskonzerns Alte-Leipziger-Hallesche) und Uwe Siegmund (Chefanlagestratege der R+V-Versicherung) in einer Podiumsdiskussion als Höhepunkt der Konferenz. „2019 war ein fantastisches Anlagejahr“, resümierte Bernd Franken zu Beginn der von Faros-Consulting-Gründer Uwe Rieken moderierten Gesprächsrunde.

Die Nordrheinische Ärzteversorgung verwaltet Kapitalanlagen von 14,8 Milliarden Euro. Franken und seine Kollegen müssen auf die Anlagen auch heute noch eine Rendite von mindestens 4 Prozent pro Jahr erwirtschaften. Das Renditeziel hängt mit dem Rechnungszins zusammen. Andere Versorgungswerke haben hier längst Abstriche gemacht und den Rechnungszins gesenkt. „Auch wir müssen in der Kapitalanlage mehr Risiken eingehen“, betonte Franken in seinem Auftaktstatement.

Während die Nordrheinische Ärzteversorgung bei der Konstruktion ihres Portfolios die Vorgaben der Anlageverordnung beachten muss, die mit Obergrenzen für risikoarme und risikoreichere Investments den Rahmen setzt, gilt für die zwei Vertreter der Versicherungsseite Solvency II. Anlageverordnung und Solvency II machen ihren Anwendern völlig unterschiedliche Vorgaben und lassen ihnen auch unterschiedliche Freiräume. Franken argumentierte, dass berufsständische Versorgungswerke abseits des Anlagerahmens in einer besseren Ausgangssituation seien. „Unsere Kunden können nicht kündigen“, sagte er mit einem Augenzwinkern an die Kollegen der Versicherungswirtschaft gerichtet. Das macht die Kalkulation einfacher. 

Während Versicherer ihr Produktangebot neu gestalten, um die Last aus hoch verzinsten Garantiezusagen der Vergangenheit zu senken, und sich in der Kapitalanlage breiter aufstellen, haderte Franken mit dem regulatorischen Rahmen für berufsständische Versorgungswerke. Er verwies exemplarisch auf die langfristig ausgerichtete Kapitalanlage des US-Stiftungsmodells. Hohe Aktienquoten und illiquide Beteiligungen sind typisch für dieses Investmentkonzept, das in der Vergangenheit aber auch schwere Kursverluste verbuchen musste. Franken sieht dieses Risiko zwar auch, doch langfristig sei das Modell sehr interessant. 

Den Blick wieder auf das regulatorische Korsett der Anlageverordnung gerichtet, sagte Franken, man müsse in Deutschland über hohe Beteiligungsquoten nachdenken. Seinen vergleichsweise bescheidenen Anlagefreiraum will Franken konsequent ausnutzen und den Anteil liquider und illiquider Aktien von derzeit 15 auf 20 Prozent des Portfolios aufstocken. 

Die Kapitalanlagen des Versicherungskonzerns Alte-Leipziger-Hallesche sind mit etwa 40 Milliarden Euro mehr als doppelt so groß im Vergleich zum Portfolio der Nordrheinischen Ärzteversorgung. Wie Vorstandsmitglied Martin Rohm erläuterte, ändert sich die Struktur der Kapitalanlagen aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase nun schrittweise.