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Exportweltmeister Deutschland Handelsüberschuss liefert Trump Munition

Containerschiff vor Hamburg: Trotz Brexit, Handelsstreit und Coronavirus verbucht das exportstarke Deutschland weltweit den größten Überschuss in der Leistungsbilanz. | © imago images / Winfried Rothermel

Containerschiff vor Hamburg: Trotz Brexit, Handelsstreit und Coronavirus verbucht das exportstarke Deutschland weltweit den größten Überschuss in der Leistungsbilanz. Foto: imago images / Winfried Rothermel

Die deutsche Wirtschaft ist 2019 gewachsen – und zwar um 0,6 Prozent. Schön, dass sie nicht geschrumpft ist, stattdessen aber sogar einen Basispunkt mehr angestiegen ist als die Prognosen der Bundesregierung erwarteten. Aber Begeisterung will sich angesichts einer Wirtschaft, die nur knapp über dem Nullwachstum bleibt, nicht einstellen.

Die Bundesregierung versucht optimistisch zu sein und spricht von zehn Jahren in Folge, in denen die konjunkturelle Entwicklung zugelegt hat. Doch in den fünf Jahren vor 2019 lag das durchschnittliche BIP-Wachstum noch bei 2,0 Prozent. Für 2020 hingegen geht die Bundesregierung lediglich von einem Zuwachs von 1,0 Prozent aus.

Die Weltwirtschaft leidet weiterhin an Protektionismus in der Handelspolitik, was sich gerade auf die deutsche Industrie negativ auswirkt. 2019 war es besonders die Industrie, die geschwächelt hat, und auch 2020 ist der Ausblick für den Sektor am wenigsten rosig.

Wieder Überschussweltmeister

Da hilft es auch wenig, sich 2019 wieder mit dem Titel des Weltmeisters im Hinblick auf den Exportüberschuss krönen zu können. Zum Vergleich: Deutschlands Leistungsbilanzüberschuss von 293 Milliarden US-Dollar ist fast 50 Prozent größer als der von Japan auf Rang zwei. Das könnte 2020 für Protektionisten wie Donald Trump und Co. ausreichend Munition liefern – gerade weil die Vereinigten Staaten mit 490 Milliarden US-Dollar laut Ifo Institut im Jahr 2019 weltweit das größte Leistungsbilanzdefizit aufwiesen.

Aber nicht nur Donald Trump kritisiert Deutschland für die hohen Überschüsse. Auch der Internationale Währungsfonds und die EU-Kommission verschaffen ihrem wachsenden Unmut über die Zahlen immer deutlicher Luft. Die Europäische Union sieht einen Überschuss von höchstens sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) als langfristig verträglich – Deutschlands Wert aus dem Jahr 2019 entspricht 7,6 Prozent des BIPs.

Coronavirus und Brexit beschäftigen weiterhin

Kurzfristig könnte der Überschuss jedoch sinken: Nach dem Austritt von Großbritannien ist die EU um einen Mitgliedsstaat kleiner, neue Handelsverträge müssen auf den Weg gebracht werden. Das Coronavirus hat sich seit Dezember stark ausgebreitet und die Auswirkungen auf die chinesische Wirtschaft und andere Volkswirtschaften weltweit dürften nicht unerheblich bleiben. Deutschland ist heute weit anfälliger als 2003 zur Zeit der SARS-Epidemie, da sich deutsche Exporte nach China, Hongkong, Taiwan und Süd-Korea mittlerweile auf rund vier Prozent des deutschen BIPs belaufen – im Vergleich zu 1,5 Prozent im Jahr 2003.