Erholung des Wirtschaftswachstums in Sicht Warum Anleger jetzt auf Value-Aktien setzen sollten

Neubauten im indonesischen Jakarta: Chancenreiche Value-Aktien finden sich in allen Börsenregionen und -sektoren.  | © Getty Images

Neubauten im indonesischen Jakarta: Chancenreiche Value-Aktien finden sich in allen Börsenregionen und -sektoren. Foto: Getty Images

Franz Wenzel, Anlagestratege bei AXA Investment Managers

Weltweit notieren sowohl die Aktienmärkte als auch festverzinsliche Wertpapiere auf Höchstständen und haben Investoren eine zweifellos überraschende Wertentwicklung beschert: So hat der marktbreite US-Aktienindex S&P 500 auf Jahressicht aktuell um 26 Prozent zugelegt und der deutsche Leitindex Dax liegt mit knapp 24 Prozent im Plus (Stand: 20. Januar). Zurückzuführen ist dies vor allem auf die Zinssenkungen der Zentralbanken; die Kurse aller Vermögensklassen sind dadurch nach oben gezogen worden. Weitere Zinssenkungen sind jedoch laut den jüngsten Äußerungen des US-Notenbankchefs vorerst nicht zu erwarten.

Zu Recht stellen sich Anleger daher die Frage, ob man in diesem Fall überhaupt noch investieren kann. „Dies gilt umso mehr, als die Bewertungen der gängigen Börsenindizes nicht gerade niedrig sind. Im Schnitt werden Standardwerte in den USA etwa mit dem 23-fachen der aktuellen Gewinne bewertet. Hier in Europa notieren die Indizes mit etwa dem 18-fachen“, sagt Franz Wenzel, Anlagestratege für institutionelle Kunden bei AXA Investment Managers. AXA IM verwaltet rund 801 Milliarden Euro Vermögen (Stand: September 2019) und ist mit mehr als 2.350 Mitarbeitern und 30 Niederlassungen in weltweit 21 Ländern tätig.

Auffallende Divergenz zwischen Wachstums- und Substanzwerten

Die genannten Durchschnittsbewertungen kaschieren allerdings eine deutliche Divergenz. Sogenannte „Wachstumswerte“ werden mit etwa dem 27-fachen der Gewinne bewertet, während „Value-Aktien“, also Substanzwerte, sich durch moderates Wachstum und stetige Dividenden, aber auch einen sehr hohen Fixkostenanteil auszeichnen, aktuell nur ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 14 aufweisen. Zwar sei das Bewertungsniveau in Europa insgesamt niedriger, aber die Divergenz zwischen Wachstums- und Substanzwerten sei mit zwölf Bewertungspunkten ähnlich hoch. „Diese Bewertungsdifferenz kann nicht überraschen, da Wachstumswerte, also Titel, die ein ordentliches, stetes Gewinnwachstum darstellen können, strukturell höher bewertet werden. Über die vergangenen zehn Jahre beläuft sich diese höhere Bewertung auf durchschnittlich rund fünf KGV-Punkte. Die aktuelle Divergenz von ungefähr zwölf KGV-Punkten ist rekordverdächtig und scheint zumindest kurzfristig überzogen“, so der Experte.

Aussichten sprechen für Value-Aktien

Eine für das Frühjahr 2020 erwartete leichte Erholung des Wirtschaftswachstums spricht Wenzel zufolge eher für Value-Aktien. „Das mag auf den ersten Blick verwunderlich erscheinen, ist aber leicht nachzuvollziehen, denn höheres Umsatzwachstum impliziert eine höhere Gewinnmarge“, erklärt der Experte. Ferner halle die expansive Geldpolitik nach. „Auch wenn die Zentralbanken im Moment eher pausieren und keine Zinsanpassungen nach oben in den Blick nehmen, kann davon ausgegangen werden, dass die von den Zentralbanken bereitgestellte Liquidität weiter ansteigt und sich in den Märkten positiv widerspiegelt. Glaubt man den Marktmustern der Vergangenheit, so sollten insbesondere Value-Titel von der Überschussliquidität profitieren“, erinnert Wenzel.

Rein passive Investments wenig erfolgversprechend

Die Schwierigkeit sei, dass mit Value keine spezielle Sektorenauswahl definiert ist – entsprechende Qualitätsaktien finden sich in allen Börsenregionen und -sektoren. Eine effiziente Titelauswahl setze daher ein aktives Portfoliomanagement voraus. „Eine einfache ‚Buy and hold‘-Strategie ist für 2020 wenig erfolgversprechend. Gleichzeitig wird man sich auch vom gängigen Benchmark-Gedanken lösen und eher auf eine ‚Absolute Return‘-Strategie einschwenken müssen“, sagt Wenzel. Vor diesem Hintergrund erscheinen rein passive Investment, das einfach gängige Börsenindizes repliziert, wenig erfolgversprechend. „Vielmehr sind Investoren gut beraten, sich in den kommenden Quartalen einer aktiven Titelselektion zu widmen beziehungsweise auf das Know-how von aktiven Portfoliomanagern zu vertrauen“, schätzt der Experte ein.

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