300 Millionen Euro Kundengelder Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Anlagebetrug bei Picam-Gruppe

Website-Ausschnitt der Picam-Gruppe: Staatsanwaltschaft und Polizeit ermitteln wegen des Vorwurfs Anlagebetrug gegen das Berliner Unternehmen. | © Picam

Website-Ausschnitt der Picam-Gruppe: Staatsanwaltschaft und Polizeit ermitteln wegen des Vorwurfs Anlagebetrug gegen das Berliner Unternehmen. Foto: Picam

Ermittlungen gegen handelnde Personen der Picam-Gruppe: Berliner Polizei und Staatsanwaltschaft haben bundesweit und in der Schweiz Geschäftsräume der Anlageberatung durchsucht, deren Geschäft im Bereich sonstige mit Finanzdienstleistungen verbundene Tätigkeiten angesiedelt ist. Es geht um Betrugsvorwürfe, mehrere Anleger warten seit Wochen auf Rückzahlung ihres Kapitals, wie unter anderem „Das Handelsblatt“ (bezahlpflichtig) berichtet.

In insgesamt acht Städten oder Gemeinden wurden laut Polizeimeldung zwölf Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckt. Dabei wurde umfangreiches Beweismaterial aufgefunden und Vermögen im Gesamtwert von mehr als 80 Millionen Euro vorläufig gesichert.

Konkret werde insgesamt acht Beschuldigten vorgeworfen, in betrügerischer Absicht bei etwa 2.300 Menschen in Deutschland und in der Schweiz Gelder in Höhe von rund 300 Millionen Euro für ein Anlagemodell eingesammelt zu haben. Die Einzahlung der Beträge auf ein Treuhandkonto eines Wirtschaftsprüfers sollte dabei den Anlegern ein gewisses Sicherheitsgefühl einreden. Die Tatsächliche Verwendung der Gelder aus dem Vermögen der Anleger sei aber offenbar durch verschachtelte juristische Gestaltungen und Treuhandkonstruktionen gezielt verschleiert worden.

Die Picam-Gruppe um Vertriebschef Thomas Entzeroth – einer der Beschuldigten – warb mit Bruttorenditen von 15 bis 20 Prozent um die Gunst von Kunden. Diese versprochenen Renditen wurden mutmaßlich nie erwirtschaftet. Die Staatsanwaltschaft hat den Verdacht, dass Auszahlungen ausschließlich aus dem Vermögen neuer Anleger im Rahmen eines sogenannten Schneeballsystems erzeugt wurden. Die Beschuldigten sollen ersten Erkenntnissen zufolge damit einen Schaden im hohen zweistelligen Millionenbereich verursacht haben. Die Ermittlungen dauern weiter an.

Sollte tatsächlich ein Berliner Wirtschaftsprüfer die Gelder der Anleger als Treuhänder angenommen und weitergeleitet haben, handelt es sich bei der Picam-Gruppe nicht um eine klassische Vermögensverwaltung im Sinne der Finanzportfolioverwaltung, so ein Branchenexperte gegenüber dem private banking magazin. Möglicherweise liege in diesem Fall eher ein Finanzkommissionsgeschäft vor, bei dem Gelder gesammelt, von einem Dritten auf dessen eigenen Konto angelegt und entsprechend ihrer Investitionssumme an die Anleger aufgeteilt werden.