Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit Erzdiözese Eichstätt drohen 60 Millionen Euro Schaden

Erzdiözese Eichstätt: Der Vorwurf gegen die beiden Hauptverdächtigen lautet auf Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr. | © Erzdiözese Eichstätt

Erzdiözese Eichstätt: Der Vorwurf gegen die beiden Hauptverdächtigen lautet auf Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr. Foto: Erzdiözese Eichstätt

Investitionen in US-amerikanische Immobilienprojekte könnten die bayerische Erzdiözese Eichstätt teuer zu stehen kommen: Ein ehemaliger Mitarbeiter soll nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR in mehr als 30 Fällen Kredite für Bauvorhaben in den USA vergeben haben, ohne diese etwa durch eine Grundschuld abzusichern. Laut Bericht hat der Fall einen kriminellen Hintergrund. Im schlimmsten Fall droht der Diözese ein Schaden von 60 Millionen US-Dollar – das wäre ein Sechstel des gesamten Anlagevermögens.

Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt demnach bereits seit Mitte vergangenen Jahres, nachdem eine Münchner Anwaltskanzlei im Auftrag von Bischof Gregor Maria Hanke Anzeige erstattet hatte. Die Festnahme der beiden Hauptverdächtigen erfolgte schließlich vergangene Woche, ein früherer Mitarbeiter und eine weitere, als Projektentwickler im Immobilienbereich tätige Person sitzen nun in Haft. Der Vorwurf lautet auf Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr.

Der für die Vermögensanlage der Diözese zuständige ehemalige Angestellte soll in den vergangenen zwei Jahren Dutzende Darlehen an US-Firmen vergeben haben, die mit Immobilienprojekten warben. Sein Ansprechpartner auf US-Seite war laut „Süddeutscher Zeitung“ ein Deutscher, mit dem er seit Jahren bekannt ist. Womöglich hätten beide Männer zusammengewirkt, um die Diözese zu schädigen. Wie hoch der Schaden tatsächlich ist, lässt sich laut Erzdiözese noch nicht beziffern. Es hänge davon ab, wie viel Geld wieder zurückfließen könne, so ein Sprecher.

Die dubiosen Geschäfte waren erst im Zuge der von Bischof Gregor Maria Hanke 2015 ausgerufenen Transparenzoffensive entdeckt worden, mit der die Kirche ihr Vermögen erstmals nach professionellen Standards erfassen will. Dies scheint umso dringlicher, als der Finanzchef der Erzdiözese laut Strafanzeige, aus der die „Süddeutsche Zeitung“ zitiert, im fraglichen Zeitraum offenbar fachlich von seiner Aufgabe überfordert war: Es habe sich um einen Geistlichen „ohne tiefergehende wirtschaftliche Kenntnisse“ gehandelt.

Mittlerweile ist der Geistliche laut Bericht nicht mehr im Amt. Auch das Kontrollgremium, der Diözesanvermögensverwaltungsrat, hat die Diözese mittlerweile neu besetzt, er besteht nun überwiegend aus Wirtschaftsexperten. Bischof Hanke verspricht rückhaltlose Aufklärung: „Nur dadurch kann dem in der Transparenzoffensive formulierten Anspruch genügt werden und sich die Diözese als – im Wortsinn – vertrauenswürdig erweisen.“