Volatilität „Unter Jerome Powell wird sich nicht allzu viel ändern“

Jerome Powell bei der Zeremonie zur Amtseinführung am 5. Februar in der Federal Reserve, Washington | © Getty Images

Jerome Powell bei der Zeremonie zur Amtseinführung am 5. Februar in der Federal Reserve, Washington Foto: Getty Images

Herr Hasenstab, die jüngsten Turbulenzen an den Märkten haben viele Anleger ziemlich nervös gemacht. Gab es in diesem Zusammenhang irgendwelche neuen Erkenntnisse, die Ihre Sicht auf die Wirtschaftslage verändern?

Michael Hasenstab: Nein, die Volatilität und der Ausverkauf haben kein solches Ausmaß erreicht, dass es zu erheblichen Auswirkungen auf die Wirtschaft kommen wird. Davon sind wir weit entfernt. Und es war auch nicht zu erkennen, dass die Volatilität sich über die wichtigsten Aktienmärkte hinaus auf alle Risikoanlagen ausdehnt. Es handelte sich um ein relativ isoliertes Ereignis, sodass trotz der Bewegungen, die jüngst an den Märkten stattgefunden haben, kein Anlass zur Panik besteht.

Allerdings deutet schon einiges darauf hin, dass sich in diesen börsengehandelten Geldern gerade ein ziemlich großer Hebel aufbaut, dessen Ausmaß wir nicht absehen können. Wir können zwar entsprechende Schätzungen durchführen. Aber wenn es zu Volatilität kommt oder die Renditen steigen, müssen wir das mit Sorge betrachten: Es handelt sich um neue Marktbedingungen, die wir in dieser Form bislang nicht hatten.

Der Sell-Off an den Märkten von Anfang Februar wurde mit den Zinsstraffungen der Fed in Zusammenhang gebracht. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Hasenstab: Die Anleger haben sich an die bestehende Situation niedriger Zinsen gewöhnt. Zugleich wurde sehr viel Financial Engineering mit der Annahme niedriger Renditen und niedriger Volatilität betrieben. Wenn sich diese Lage irgendwann auflöst, sind die Folgeschäden nicht genau absehbar. Und genau darin liegt eine der Gefahren, welche die Federal Reserve mit ihrer expansiven Geldpolitik ziemlich leichtfertig heraufbeschworen hat: Es entstehen Unwägbarkeiten, die auf jeden Fall Anlass zur Besorgnis geben. Wir können nicht genau sagen, wie die Dominosteine letztendlich fallen. Aber was wir wissen ist, dass wahrscheinlich höhere Zinsen eine Abwärtsreaktion an den Märkten auslösen werden.

Nach der Phase der sehr lockeren Geldpolitik ist mit einem Zinsanstieg zu rechnen. Nicht zuletzt angesichts der steigenden Inflation. Können Sie Ihre Prognosen in Bezug auf die Fed ein wenig ausführen?

Hasenstab: Unter dem neuen Vorsitzenden Jerome Powell wird sich zunächst nicht allzu viel ändern. Die größte Veränderung wird es wahrscheinlich beim Thema Regulierung geben: Die Fed ist für die Bankenregulierung zuständig, die zukünftig wohl gelockert werden dürfte.

Ihr Team hat das Bilanzmanagement der Fed genauer unter die Lupe genommen, gibt es hier neue Erkenntnisse, wie sich das geplante Abschmelzen der Bilanz auf die Märkte auswirken wird?

Hasenstab: Dazu möchte ich betonen: Die Fed wird nicht mehr länger die Staatsdefizite finanzieren – das ist ein ziemlich wichtiger Faktor, den die Anleger im Blick behalten sollten. Wenn die Fed ihre Bilanz in einer Phase kürzt, in der das Wachstum in Ordnung ist und es bei der Inflation keine Überraschungen gibt, dann können die Zinsen allmählich nach oben angepasst werden. Aber wie es längerfristig genau weitergehen wird, wissen wir nicht. Festzuhalten ist: Die neuen geldpolitischen Maßnahmen der Fed machen einen gewichtigen Unterschied zur vorangegangenen Phase. Dieser Unterschied wird von den Märkten noch nicht ausreichend erkannt.